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Auf den Spuren von Steve McQueen

Der Mythos lebt

Steve McQueen, Portrait Foto: SZ-photo/Rue des Archives 12 Bilder

Der King of Cool machte sich nichts aus Glamour – er liebte schnelle Autos, Trödel und das einfache Leben. auto motor und sport begibt sich in Kalifornien auf Spurensuche im Ford Mustang Shelby GT 500 und kommt Steve McQueen dabei so nah wie nur wenige.

13.03.2013 Dani Heyne

In Trancas Beach, nördlich von Malibu, stehen die Häuser so elegant am Pazifik, als wären sie Teil einer Filmkulisse. Vor großen Glastüren und breiten Balkonen branden die Wellen auf feinen Sand. Sport- und Geländewagen säumen die Randsteine, in der warmen Luft hängt der Duft von Geld. In einem dieser dreistöckigen Strandhäuser hat er also gewohnt, der King of Cool – Steve McQueen.

Hinterm Steuer des Ford Mustang Shelby GT 500 rutschen wir etwas tiefer in die bequemen Recaros und hängen dem Wellenspiel und einer Erzählung nach. Ende der Siebziger soll Steve hier eines Nachts mit einer Schrotflinte in der Hand seinen Nachbarn besucht haben. Der Mann hieß Keith Moon und war Schlagzeuger bei der Rockband "The Who". Nicht die nächtelangen Partys von Moon brachten McQueen in Rage, sondern der Lichtschein von dessen riesigem Badefenster – er traf genau sein Bett. Die Geschichte erzählt, dass Steve immer wieder höflich darum bat, das Licht abzustellen. Ohne Erfolg. In jener Nacht marschierte er also rüber, es gab einen lauten Knall und nie wieder störendes Licht.

Der Shelby donnert in bester Ponycar-Manier

Ob es sich nun genau so abgespielt hat oder nicht – die Art passt zu dem Mann, der Ende der Sechziger im Film "Bullitt" den harten Cop spielte und mit einem 68er-Mustang Fastback so lässig durch San Francisco driftete, dass danach bei Ford die Bänder glühten.

Zeit für einen Ortswechsel, unser Stang wird ungeduldig. Mit hungrigem Bass verabschiedet sich der 5,8 Liter große V8 des Shelby vom Meer, faucht dumpf, den Kühler Richtung Norden gerichtet. Ford hat beim stärksten Serien-Mustang rangeklotzt: Die Stufen des Sechsgang-Schaltgetriebes sind kurz und präzise, Lenkung und Fahrwerk wurden verbessert, und der Achtzylinder hat jetzt Punch wie nie zuvor. Wer aber das Konzentrierte eines Elfers schätzt, wird sich an der Wildheit des neuen Shelby erschrecken. Er donnert in bester Ponycar-Manier 650 PS und über 800 Newtonmeter Drehmoment auf die Hinterachse – egal ob die Reifen nun Grip finden oder nicht. Ein Coupé ganz im Stil von McQueen, der immer ein Auge auf das hatte, was sich schnell bewegen ließ.

Und er stand auf Trödel. Ende der Siebziger folgte er in Jeans, Holzfällerhemd und Fernfahrerkappe oft Anzeigen für Garagenverkäufe. So fand er auch eines Tages den grellgelben PT-Stearman-Doppeldecker, ein Navy-Flugzeug der vierziger Jahre. Es wurde in der Zeitschrift "Airplane Trader" angeboten, McQueen rief kurz an, kaufte es für 35.000 Dollar und überlegte dann, wo er eigentlich fliegen lernen könne.

Hangar wird McQueens Zuhause

Als unser Ford Mustang eine Stunde nordöstlich von Malibu die erste Pause bekommt, knistert er im Schatten des Airports von Santa Paula. Ein Platz, groß wie zehn Fußballfelder, umgeben von hohen Bergen, der einst den Spitznamen "Welthauptstadt historischer Flugzeuge" trug – und Steve McQueen abheben und runterkommen ließ. Hier fand er nicht nur einen Fluglehrer, sondern das normale Leben, das es an der aufgeregten Küste nicht gab. So schnell, wie er sich in dem amerikanischen Kaff mit mexikanischem Flair wohl fühlte, war jedoch kein Haus zu finden. Also zog Steve vorübergehend in einen Hangar ...

Die Sonne steht senkrecht über dem Sonntag, als wir an die Tür des historischen Flughafenbüros klopfen. Die charmante Bretterbude mit blaublassem Anstrich befindet sich schon ewig hier, versichert Annie. Sie organisiert die Geschäfte und zeigt alte Fotos voller ansteckender Gemütlichkeit. Als wir auf Steve zu sprechen kommen, antwortet sie verlegen. Ja, er hatte seine Flugzeuge hier, und den Hangar gebe es noch, er stehe abseits. Bilder dürften allerdings nur in Absprache mit dem Eigentümer gemacht werden – ob der heute da sei, wisse sie nicht. Und eine Handynummer habe sie auch nicht. Freundlich stellt sie klar, dass dieser Flughafen auch 22 Jahre nach dem Tod von McQueen kein Wallfahrtsort sein möchte.

Als wir kurz darauf im Mustang an der Reihe geöffneter Blechhangars vorbeibummeln, grüßen die zumeist älteren Piloten freundlich. Am äußersten Ende der Landebahn, wo die kleinen und historischen Maschinen in Zeitlupe abheben, finden wir den dunkelgrünen Hangar, von dem niemand sprechen will. Er wirkt vernarbt, verlassen, vergessen. Am breiten Schwingtor platzt die Farbe ab, links hängt ein zwei Meter langer weißer Holzpropeller, rechts eine abgetrennte Pilotenkanzel. Als der Blick den verrosteten Stuhl darunter einfängt, springt das Gedankenkino an. Es gibt Bilder, da sitzt Steve McQueen genau hier, gemütlich mit Bier und Freunden. Er wirkt dabei so friedlich wie dieser Ort. Plötzlich stört ein tarnfleckgefärbter Ford F350 die Träumerei, ein älterer Mann steigt aus, grüßt und verschwindet im Hangar. Unsere Chance.

Die Welt von Steve McQueen

Als er wieder erscheint, hat er eine Literflasche Servoöl in der Hand und füttert seinen Pickup. Wir kommen ins Gespräch, plaudern über den Mustang, den Rhein, die harten Zeiten und schließlich über den Hangar und seinen berühmten Besitzer. Danny, so heißt er, mag uns und beginnt zu erzählen. McQueen war Ende der Siebziger einer seiner besten Kunden, er kaufte von schnellen Motorrädern bis zu Straßenlaternen alles. Er liebte alte Dinge und lagerte sie ein. Steve habe es sich gemütlich gemacht, als er hier ein Jahr lang wohnte, berichtet Danny mit einer einladenden Geste.

Wir nehmen ungläubig an und betreten langsam die düstere Halle, groß genug für zwei Propellermaschinen. Rings um die seitliche Eingangstür steht ein hohes Regal mit bunten Ölkanistern, links davon erstreckt sich eine gut gefüllte Werkbank. Danny läuft langsam voraus, kreuzt Kisten und Haufen voller Trödel und zeigt auf die andere Seite, wo eine kleine Küchenecke mit riesigem schwarzweißem Gasherd eingerichtet ist. Daneben ein kleiner Raum, er ist mit massiven Brettern verkleidet, das WC.

Das geordnete Chaos ringsherum gibt dem Ganzen den passenden Charme. Bücher über Autos und Flugzeuge stechen heraus, ein großes Bild zeigt McQueen bei der Jagd – die gesamte Einrichtung stammt noch eins zu eins von Steve. Danny muss es wissen, er hat den Hangar nach dem Tod von McQueen Anfang der Achtziger für nicht einmal 30.000 Dollar ersteigert. Inklusive Inventar. Seitdem lebt er hier, genau wie einst der King of Cool.

Als er das riesige Tor zur Hälfte öffnet – es reicht über die gesamte Breite des Hangars und flutet ihn mit Licht –, nehmen wir eine kurze Auszeit, schauen von draußen hinein und stellen uns McQueen vor, wie er hier Kaffee schlürfte, Dreitagebart, weißes T-Shirt, Bluejeans. Wenn ihm danach war, schraubte er am Flugzeug, durchstöberte die gesammelten Gegenstände oder lud sich ein paar Freunde ein.

McQueen im Kopf, den Fuß auf dem Gas

Einen Höhepunkt hat Danny noch für uns, er läuft in ein kleines, unscheinbares Seitengebäude. Es ist ebenfalls aus Wellblech, kaum größer als eine Fertiggarage. Von innen wirkt es jedoch düster wie eine Jagdhütte. Die Wände sind mit fetten, gehobelten Brettern vertäfelt, dicke Teppiche schlucken die Schritte. Im ersten Zimmer, kaum zehn Quadratmeter groß, hängen riesige, ausgestopfte Tierköpfe. Im zweiten Raum steht ein massives Holzbett, davor zwei Kleiderständer und am anderen Ende ein eleganter gusseiserner Ofen, groß wie eine Waschmaschine. Die Einrichtung ist stilecht abgegriffen, mit Patina überzogen. Danny muss nicht betonen, dass er auch diese Räume nicht verändert hat.

Als am Abend der Hangar im Rückspiegel des Mustang verschwindet, hängen wir dem Erlebten nach, dann irgendwann grinsen wir über beide Ohren und geben dem Pony die Sporen. Steve McQueen hätte seine Freude gehabt.

Ford Mustang Shelby GT 500

Die 2013er-Version des Shelby GT 500 ist brandneu und als Coupé und Cabrio zu haben. Beide tragen unter dem Powerdome den überarbeiteten 5,8-Liter-V8, der als einer der stärksten Serienmotoren seiner Art gelistet ist. Dank größerem Kompressor schafft der Alublock nun 650 PS und 855 Newtonmeter Drehmoment und hängt bestens am Gas. Die Kraft fließt über ein Sechsgang-Schaltgetriebe an die Hinterräder (Sperre optional erhältlich), welches sich so exakt und knackig anfühlt wie im Mazda MX-5. Lenkung und Dämpfer wurden überarbeitet und sind auf Knopfdruck verstellbar – wobei das Coupé in keinem Modus zum soften Cruiser wird. Vielmehr ist es ein wildes Tier, jederzeit sprintbereit – zum perfekten Start gibt es eine Launch-Control. Die Höchstgeschwindigkeit liegt laut Ford bei 322 km/h, um die Verzögerung kümmert sich eine starke Brembo-Einheit.

Um das leidige Thema Verarbeitungsqualität nicht zu vergessen: Noch immer sind einige Verkleidungen im Mustang eher auf Playmobilniveau, vor allem im Vergleich zu hiesigen Sportwagen. Der Spaß beim Beschleunigen ist jedoch mindestens genau so groß, und die Freude über den Preis sowieso. Da Ford erst die kommende Modellgeneration des Mustang offiziell in Europa anbieten wird, gibt es den Shelby GT 500 nur bei US-Car-Importeuren. Geigercars in München bietet das Coupé für 71.900 Euro an.

Vita von Steve McQueen

Terence Steven McQueen wurde am 24. März 1930 in Beech Grove/Indianapolis, Indiana geboren. Seine Mutter war alkoholkrank, sein Vater unbekannt. Mit 14 kam er in ein Heim für schwer erziehbare Jungen, als 17-Jähriger verpflichtete er sich für drei Jahre bei der US-Marineinfanterie. Seine Schauspielausbildung begann er 1952 in New York, der erste Filmauftritt folgte 1956 als Mitglied einer Jugendbande in zwei Szenen des Boxerfilms "Eine Handvoll Dreck". Seine schauspielerischen Höhepunkte fanden in den sechziger und siebziger Jahren statt, in den Filmen "Die glorreichen Sieben", "Papillon", "Bullitt" und "Getaway".

McQueen fuhr zudem leidenschaftlich gern Auto- und Motorradrennen, 1964 war er sogar Mitglied der US-amerikanischen Nationalmannschaft bei der Internationalen Sechstagefahrt in Erfurt. 1970 wurde er Zweiter beim Zwölf-Stunden-Rennen von Sebring auf einem Porsche 908/02. 1970 drehte er als Hauptdarsteller und Co-Produzent den legendären Rennsportfilm "Le Mans". Steve McQueen starb am 7. November 1980 in Ciudad Juárez, Mexiko, in Folge eines Krebsleidens.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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