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Auf Tour mit der Pannenhilfe

Wenn Gelbe Engel anrauschen

Pannenhilfe, ADAC, Motorencheck Foto: Beate Jeske 8 Bilder

Bei zehn bis 20 Pannen pro Schicht kann alles dabei sein: leerer Tank, heimtückischer Elektrofips, Motorschaden. Vieles ist für die Fahrer der ADAC-Straßenwacht kein Problem. Und wenn doch, dann lösen sie es.

07.05.2013 Michael Orth Powered by

Der Engel muss kein Meister sein. Aber ein Könner. Wie sonst sollte er zum Retter werden? Und das ist schließlich, wozu man einen Engel ruft: Man braucht den Beistand. Ist der Engel ein Gelber, kommt er tatsächlich, geschickt nicht vom Himmel, auch wenn manche Anrufer ihm das als Erstes entgegenseufzen, sondern vom ADAC. "Guten Morgen", sagt Kai Maier, als er aus seinem Opel Zafira steigt und auf eine Frau zugeht, die neben einem Audi A6 im Schlick des Vorabendschnees auf dem Gehweg wartet. "Ich habe an die Batterie gedacht", meint die Frau zerknirscht. Kai Maier öffnet die Haube, misst die Spannung und weiß sofort: So wird das nichts, nur elf Volt, die wecken keinen Sechszylinder-Turbodiesel. Aber der Mann der Straßenwacht tuts. Mit der Unterstützung einer Starthilfebatterie nagelt der Audi nach ein paar Anlasser-Umdrehungen in die morgendliche Kälte. Kurz die Formalien, Fahrzeugschein, Mitgliedskarte, dann noch ein Ratschlag: "Fahren Sie jetzt 20 Minuten lang, und dann kümmern Sie sich noch um die neue Batterie." Die Frau nickt, zieht die Augenbraue hoch und verschwindet in ihrem Wagen. "Ich habe ihr vor kaum einer Woche schon mal Starthilfe gegeben und eine neue Batterie nahegelegt", sagt Kai Maier und zwinkert.

15 Mal Pannenhilfe pro Tag

Ein Display auf dem Armaturenbrett zeigt ihm schon die Infos zum nächsten der etwa 15 Kunden, denen er pro Tag weiterhilft: Name, Mitgliedsnummer, Fahrzeug, Art der Panne, Standort. Ein Tipp mit dem Zeigefinger startet die Zielführung. In fünf deutschen Zentralen laufen die zuerst extern entgegengenommenen Anrufe bei den ADAC-Disponenten zusammen. Sie sehen auf einer großen Karte die Standpunkte der Pannenfahrzeuge wie die der Gelben Engel. So können sie den Kollegen auf der Straße ihre Aufträge zuweisen. Damit das funktioniert, hat Kai Maier sich bei Schichtbeginn, heute um 8.30 Uhr, mit einem persönlichen Code in die Flottensteuerung eingeloggt. Die leitet ihn nun zu einer alten S-Klasse in schickem Champagnerton.

Neben dem W 126 tritt ein älterer Herr von einem Bein aufs andere. "Zwei Mal habe ich den ADAC gebraucht", sagt er und schmunzelt. "1973, das war mit einem 2000er BMW, da bin ich Mitglied geworden. Und heute. Die Automatik hält die Gänge nicht." Der Mann erzählt und beschreibt. Immer wieder fragt Kai Maier gezielt nach, lässt den Mercedes an, macht sich am Wählhebel zu schaffen – und weiß Bescheid. "So wie Sie das schildern, ist die Lamellenkupplung kaputt." Der ältere Mann weiß, was das heißt. Er verzieht das Gesicht. "Und was mache ich jetzt? Ich hätte einen Termin später in Heilbronn." Ein Telefonat mit der Zentrale muss Kai Maier führen, dann hat er ein Angebot. Ein Abschleppwagen bringt 300 SE und Fahrer zur Werkstatt, respektive nach Hause. Und das, obwohl es bis dorthin mehr als 100 Kilometer sind.

Pannenhelfer lernen improvisieren

Kai Maier ist mit der Lösung trotzdem nicht wirklich zufrieden. So wie keiner der Gelben Engel zufrieden ist, wenn am Ende das Auto nicht läuft, sondern abgeschleppt werden muss. Aber in manchen Fällen reichen weder die 300 Werkzeuge im Heck des Einsatzfahrzeugs noch On-Board-Diagnose oder alles Knowhow der Straßenwachtfahrer. "Ich habe meine Lehre bei Mercedes gemacht, dann in einer freien Werkstatt gearbeitet, und da dachte ich schon, ich hätte viel gelernt." Seit sieben Monaten ist er für den ADAC unterwegs, und seitdem lernt er vieles wieder neu. "Kniffe, tricksen, improvisieren, um den Wagen möglichst wieder in Gang zu bringen."

Mit dem Yaris, der in einer Doppelgarage auf Kai Maier wartet, ist das kein Problem. Der war schlicht abgesoffen. Als ihr Toyota startet, freut die alte Dame sich trotzdem, als wäre ein Wunder geschehen. Nun ja, zumindest den Tag hat der Gelbe Engel ihr gerettet. Denn sie kann nun mit dem Auto ihren greisen Hund zur Wiese fahren.

Über vier Millionen Einsätze im Jahr

Um sich als Straßenwachtfahrer beim ADAC zu bewerben, ist eine Ausbildung und Berufserfahrung als Kfz-Mechatroniker oder -Elektriker die Voraussetzung. 2012 waren 1.660 Gelbe Engel mit 1.847 Autos insgesamt 57,3 Millionen Kilometer unterwegs. Rund sieben Jahre lang werden die im Heckbereich speziell ausgebauten ADAC-Einsatzfahrzeuge genutzt, dann ausgetauscht. Pro Tag gehen im Schnitt 11.431 Notrufe bei der Straßenwacht ein. Spitzenwert 2012: Über 27.500 Anrufe gab es am 2. Februar. Insgesamt summierten sich letztes Jahr 4,2 Millionen Einsätze der Gelben Engel. In mehr als 85 Prozent der Fälle gelang es, die Fahrzeuge der Kunden vor Ort wieder flottzumachen. Häufigste Ursachen fürs Liegenbleiben: defekte Batterie 685.751 Mal, schadhafte Zündanlage 163.511 Mal, Reifenschäden 144.244 Mal, verschlossenes Fahrzeug 99.775 Mal, leerer Sprittank 27.598 Mal.

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