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Auf und nieder

Foto: Götz von Sternenfels 10 Bilder

Bis weit in die siebziger Jahre fanden sich Federkerne in Autositzen. Sie bei einer Restaurierung durch Schaumstoff zu ersetzen, macht keinen Sinn.

13.01.2007 Thomas Wirth Powered by

Stille Werte lauern oft im Verborgenen. Man kann sie nur erahnen. Bis man sich setzt. Der Unterschied ist fulminant. Auf Schaumstoff, den die Automobilindustrie seit den Siebzigern zunehmend als Polsterung für Autositze wählt, sitzt es sich bequem.

Längst hat das moderne Material die klassischen Federkerne verdrängt – Schaumstoff dämpft Schwingungen perfekt und ist billiger. Nur federn kann er nicht. Doch genau diese Qualität ist bei Klassikern gefragt. Denn weich und bequem zu sitzen bedeutet noch lange nicht, auch Federkomfort zu genießen.

Früher, als die Fahrwerke noch nicht so weich und definiert ansprechen konnten wie heute, bildeten Federkerne ein wichtiges Glied in der Komfort-Kette. Letztlich sollten Oldtimerbesitzer allen Versuchungen widerstehen, einen zu weich gewordenen Federkern durch ein Schaumstoffkissen zu ersetzen.

Ebenso wenig sinnvoll ist es, einen nach Jahren ermüdeten Federkern reaktivieren zu wollen. Auch andere Tricks, immer wieder probiert, bringen keinen Erfolg: Das so genannte Stopfen der Federn mit Schaumstoff ist nur ein Notbehelf. Als Lösung ungeeignet bleibt auch das Strecken, Sandstrahlen oder Pulverbeschichten alter Federn.

Federkerne sind irgendwann verschlissen

Fakt ist: Federkerne sind irgendwann verschlissen und müssen getauscht werden. Der Zeitpunkt hängt stark von der Konstruktion und dem Gewicht der Passagiere ab. Ein Standardunterbau, der nur mit 60 Kilo belastet wird, lebt länger als bei einem Fahrer mit doppelter Körpermasse. Die gute Nachricht für schwergewichtige Oldtimer-Liebhaber: "Beim Anfertigen lassen sich Federkerne problemlos den Bedingungen anpassen", sagt Gerald Schubert von der Sitzklinik in Königswinter.

Ganz nach Wunsch kann der Sitz weicher oder härter werden, höher oder tiefer. Federkerne besitzen im Bereich der Seitenwangen meist härtere und längere Federn als im Mittelteil, um eine optimale Seitenführung zu sichern. Die Festigkeit eines Sitzes lässt sich unter anderem über den gewählten Durchmesser des Federdrahts steuern. Ein anderer Weg zu einer höheren Federrate führt über zwei Federn, die vor dem Einbau ineinandergedreht werden.

Ein Austausch des Federkerns ist oft möglich, ohne die Bezüge zerstören zu müssen. Gut erhaltene, originale Sitze lassen sich so sanieren, dass die authentische Optik gewahrt bleibt. Gleichzeitig wird der verlorengegangene Sitzkomfort wiedergewonnen – vorausgesetzt, ein Sattler mit Erfahrung und Geduld ist am Werk.

Genügend Zeit einkalkulieren

Beim Neuaufbau eines Sitzes sollte genügend Zeit einkalkuliert werden, um die Unterkonstruktion aus Blech auf Rost und Risse untersuchen zu können. Sattler übersehen das nur zu gern. Schweißen und Lackieren zählt nicht zu ihren originären Aufgaben, zudem bringen diese Arbeiten keinen optischen Bonus. Versäumnisse machen sich allerdings in einer mangelnden Stabilität des Sitzes bemerkbar – besonders kritisch bei hohem Körpergewicht.

Sorgfältige Arbeit bei der Montage zahlt sich im Betrieb aus. So verteilt eine Lage Nadelfilz das Körpergewicht auf dem Federkern und verhindert gleichzeitig, dass einzelne Federn durch den Bezug drücken können. Ein zweites und passend zugeschnittenes Stück Filz sollte zwischen Federkern und Sitzschale liegen. Ein Quietschen wird so unterbunden. Auch das an den entsprechenden Stellen des Sitzes notwendige Abschnüren und Befestigen des Bezugs wird bei allzu preiswerten Offerten gern übersehen. Die wahre Qualität findet sich, wie so oft, im Inneren.

Tipps

Es lohnt sich, alte Sitze so aufzubauen, wie sie das Werk verlassen haben. Federkerne durch Schaumstoffkissen zu ersetzen, mag preiswerter sein, kann aber im Ergebnis nicht befriedigen. Wer einen alten Sitz mit einem neuen Federkern sanieren möchte, sollte mit 90 bis 120 Euro pro Exemplar rechnen, Spezialanfertigungen sind möglich. Dazu kommt der Aufwand für die Montage der Bezüge.

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