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Auktion beim Goodwood Festival of Speed

Maserati 300S für über 5 Millionen

1955 Maserati 300S Sports-Racing Spider. Foto: Bonhams Auctions 71 Bilder

Bei der Bonhams-Auktion während des Goodwood Festival of Speed kommt am 12. Juli ein 1955er Maserati 300 S unter den Hammer.

08.07.2013 Dirk Johae Powered by

Der offene zweisitzige Rennportwagen zählt zu den häufig  im historischen Motorsport eingesetzten Autos. Der spätere Bugatti-Chef Dr. Thomas Bscher setzte den Maserati 300 S mit der Chassisnummer 3053 regelmäßig ein, danach der Engländer Tony Smith, Manager der Rockgruppe "Genesis" und des Musikers Phil Collins. Das Auktionshaus Bonhams gibt den Schätzwert des einsatzbereiten Maserati 300 S mit bis zu 5,2 Millionen Euro an.

Maserati im ursprünglichen Zustand

Neben dem von Cyril Embrey gebauten Rennmotor und dem modifizierten Fünfganggetriebe gehören zum umfangreichen Ersatzteilpaket der authentische Motor sowie das ursprüngliche Vierganggetriebe. Der Vorbesitzer und der Ingenieur, der seine Autos betreut, haben peinlich genau darauf geachtet, die Substanz des Maserati zu erhalten: "Dieser 300 S ist wunderbar in seinem ursprünglichen Zustand", schreibt Walter Bäumer in seinem 2008 erschienenen Standardwerk über den Rennsportwagen aus Modena.

1955 kaufte der kalifornische Millionär Briggs Swift Cunningham, der neben den von seinem Team selbst gebauten Rennwagen auch Autos anderer Hersteller einsetzte, den Maserati 300 S für seinen Freund Bill Spear. Der startete mit italienischen Dreiliter-Sportwagen gemeinsam mit Sherwood Johnston beim 12 Stunden-Rennen von Sebring im März. Johnston fuhr mit diesem 300 S die schnellste Rennrunde. Das Team kam hinter den Gesamtsiegen Mike Hawthorn und Phil Walters in einem Jaguar D-Type und Phil Hill/Carroll Shelby in einem Ferrari 750 Monza auf den dritten Platz.

Rennpremiere des Maserati 300 S

Dieser Einsatz beim zweiten Lauf der Markenweltmeisterschaft gilt mit dem Dakar Grand Prix im Senegal, wo Jean Behra am gleichen Tag mit einem Werks-Maserati startete, als Rennpremiere des 300 S. Im Mai sorgte Behras italienischer Teamkollege Luigi Musso beim Abendrennen von Bari für den ersten Gesamtsieg eines Maserati 300 S.

Bis zum ersten Gesamterfolg in der Sportwagen-Weltmeisterschaft musste die Marke mit dem Dreizack im Emblem jedoch bis 1956 warten: Stirling Moss, der nach dem Ausstieg von Mercedes zu den Italienern gewechselt war, gewann zusammen mit dem Argentinier Carlos Menditeguy den Saisonauftakt in Buenos Aires, zwei Runden vor dem Ferrari-Duo Olivier Gendebien/Phil Hill und dem zweiten Werks-Maserati mit Jean Behra und Froilan Gonzalez.

Stirling Moss über den Maserati 300 S

Sir Stirling Moss lobt den Maserati 300 S, mit dem er als 26-Jähriger zwei Weltmeisterschaftsläufe gewann: "Ohne Frage - neben dem 'Birdcage' war der 300 S mein bevorzugter Frontmotor-Sportwagen von Maserati. Es ist einer der am leichtesten zu beherrschenden, schönsten, am besten ausbalancierten Rennsportwagen, die je gebaut wurden. Der Sechszylinder-Motor war allen Aufgaben gewachsen. Der 300 S bescherte mir neun Siege, drei zweite Plätze, sowie einen dritten und einen fünften Rang, fiel in 13 Rennen nur zwei Mal aus."

"Einer der am leichtesten zu beherrschenden, schönsten, am besten ausbalancierten Rennsportwagen, die je gebaut wurden." - Diese Charakterisierung von Sir Stirling Moss lässt ahnen, warum der Maserati 300 S bis heute so beliebt und erfolgreich im historischen Motorsport ist. Automobilhistoriker Anthony Pritchard fügte in seinem Buch über die Maserati-Renngeschichte hinzu: "Der 300 S ist ein wunderbares Rennauto mit einem sicheren, berechenbares und fortschrittliches Handling, eine exzellente Traktion und eine Wettbewerbsfähigkeit, die es mit dem Ferrari Monza aufnehmen konnte, allerdings ohne die Eigenheiten im Handling des Autos aus Maranello - im Gegensatz zum Monza konntest Du den Maserati fast Deiner Freundin für die Fahrt zum Friseur anvertrauen."

Größte Erfolge des Maserati 300 S

Zu den größten Erfolgen für den Maserati 300 S gehört der Gesamtsieg beim 1.000 Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring mit dem Werksfahrer-Quartett Jean Behra, Harry Schell, Piero Taruffi und Stirling Moss. Der Engländer erinnert sich an das Rennen auf dem Nürburgring am 27. Mai 1956: "Von der Mille Miglia aus, wo ich einen 350S 'Spezial' steuerte, reiste ich zum 1.000 Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring. Mein Teamkollege war Jean Behra, der immer ein sehr guter Fahrer war. Doch ausgerechnet in seinem 'stint' brach die hintere Feder vom Chassis weg und warf uns aus dem Rennen. Maserati-Teamchef Nello Ugolini setzte uns auf das Schwesterauto von Taruffi/Schell (Startnummer 6, Chassis 3059), die zu dem Zeitpunkt auf dem dritten Platz (hinter den beiden Ferrari 860 Monza) lagen. Jean kämpfte sich auf den zweiten Platz vor. Damit lagen wir hinter Fangios führendem Ferrari. Als ich das Steuer übernahm, lagen wir 66 Sekunden zurück. In solchen Situationen zog ich meinen Vorteil aus einem riesigen Adrenalinschub. Ich liebte wirklich diese Herausforderung, einen Rückstand aufzuholen. Es putschte mich auf, später zu bremsen, sie früher wieder zu lösen, so schnell wie irgend möglich wieder am Gas zu sein, um meine Rundenzeiten nach unten zu schrauben, ohne das Auto zu hart heranzunehmen. Fangio nahm ich sechs Sekunden pro Runde ab. Als er zum Tankstopp an die Box fuhr, überholte ich ihn und konnte mit 26 Sekunden Vorsprung gewinnen. Es war der zweite Weltmeisterschaftserfolg überhaupt für Maserati."

Konkurrenten des Maserati 300 S

Ferrari 860 Monza (1956, 4 Zylinder, 3.432 ccm, 280 PS, 860 kg), Ferrari 290 MM (1956, V12, 3.491 ccm, 320 PS, 880 kg), Jaguar D-Type (ab 1955: 6 Zylinder Reihe, 3.442 ccm, 250 PS, 862 kg), Mercedes-Benz 300 SLR (1955, 8 Zylinder Reihe, 2.979 ccm, 300 PS, 830 kg).

Technische Daten Maserati 300 S (1955 - 58)

Motor:

  • Flüssigkeitsgekühlter 6 Zylinder Reihenmotor
  • 2 obenliegende Nockenwellen, Antrieb über Zahnräder
  • 2 Ventile pro Zylinder
  • 7-fach gelagerte Kurbelwelle (Thinwall)
  • Bohrung x Hub: 84 x 90 mm
  • Hubraum: 2991 cm3
  • Verdichtung: 9,5:1
  • Leistung: 260 PS bei 6500/min
  • Gemischaufbereitung: 3 Weber 45 DCO 3
  • Zündung: Magnet (Doppelzündung, Magnetti Marelli)
  • Besonderheiten: Konstruktion von Ing. Giulio Alfieri

Kraftübertragung:
 

  • Viergang-, ab 1958 Fünfgang-Schaltgetriebe (synchronisiert)
  • Transaxle
  • Kupplung: Mehrscheiben-Trockenkupplung
Karosserie/Fahrwerk

  • Ovalrohrrahmen (Stahl) aus Längs- und Querrohren mit offener zweisitziger Karosserie aus Aluminium (Fantuzzi)
  • Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung an doppelten Querlenkern, Schraubenfedern
  • Hinterradaufhängung: De Dion Achse, Querblattfeder
  • Dämpfung: hydraulische Dämpfer (Houdaille)
  • Bremsen: Trommel (hydraulisch betätigt)
  • Lenkung: Schnecke (worm and roller)
  • Räder: vorn und hinten 16 Zoll
  • Bereifung: vorn 6x16, hinten 6.50x16
Maße/Gewichte

  • Radstand: 2.310 mm
  • Spur vorn/hinten: 1.300/1.250 mm
  • Länge x Breite x Höhe: 4.165 x 1.651 x 1.054 mm
  • Gewicht (trocken): 780 kg
Fahrleistungen

  • Höchstgeschwindigkeit: bis 280 km/h
Bauzeit/Stückzahl

  • 1955 bis 1958: 27 Autos

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