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Aus für Saab

Schweden beantragen Gläubigerschutz

Foto: Saab 50 Bilder

Der Autobauer Saab beantragt in höchster Not eine Auszeit: Gläubigerschutz mit einem Zwangsverwalter von außen soll Zeit im Kampf gegen die bedrohlich nahe gerückte Pleite bringen. Experten äußern sich skeptisch.

07.09.2011 dpa

Der angeschlagene Autobauer Saab hat Gläubigerschutz beantragt und will das bedrohlich näher rückende Aus mit einem Zwangsverwalter abwenden. Wie das schwedische Unternehmen am Mittwoch (7.9.) in Trollhättan nördlich von Göteborg mitteilte, sei ein entsprechender Antrag am Morgen beim zuständigen Gericht Vänersborg eingereicht worden. Saab steckt seit Monaten in großen Schwierigkeiten.

Das Gericht kündigte seine Entscheidung über den Antrag für Mittwochmittag an. Unter Gläubigerschutz - im Schwedischen "Unternehmenssanierung" - wäre Saab vor möglichen Insolvenzanträgen geschützt und könnte versuchen, das Unternehmen mit dem Zwangsverwalter an der Spitze neu aufzustellen.

Zeitgewinn für Saab durch freiwillige Rekonstruktion

Saab hat im ersten Halbjahr 224 Millionen Euro Verluste eingefahren und, bedingt auch durch Produktionsausfälle, nur 13.000 Autos abgesetzt.

Saab teilte zu dem Antrag mit, angesichts der "begrenzten finanziellen Ressourcen" sei eine "freiwillige Rekonstruktion" die beste Lösung. Schon einmal hatte das schwedische Unternehmen als zum Verkauf stehende Tochter des US-Konzerns General Motors 2009 Gläubigerschutz beantragt und wurde von einem vom Gericht eingesetzten Zwangsverwalter geführt. 2010 übernahm der kleine niederländische Sportwagenhersteller Spyker Cars Saab.

Für den Eigner, der sich in Swedish Automobile umbenannt hat, sagte dessen Chef Victor Muller, die freiwillige Rekonstruktion werde Saab die nötige Zeit verschaffen, das Unternehmen zu stabilisieren und kurz- und langfristig nötige Mittel zu beschaffen. Er verwies auf Zusagen der chinesischen Auto-Unternehmen Pang Da und Youngman, die zusammen 250 Millionen Euro bereitstellen wollen.

Saab kam Insolvenzantrag von Gewerkschaften zuvor

Mit dem erneuten Antrag auf Gläubigerschutz kam Saab auch einem bevorstehenden Insolvenzantrag von Gewerkschaften zuvor, nachdem die vergangene Woche fälligen Löhne und Gehälter für August bisher nicht ausgezahlt werden konnten. Mit der Einsetzung eines Zwangsverwalters unter Gläubigerschutz tritt ein staatliches Garantiesystem für Löhne und Gehälter in Kraft.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht für das schwedische Traditionsunternehmen keine Zukunft mehr. "Saab hat keine Chance und wird nun abgewickelt", sagte der Experte von der Uni Duisburg-Essen der dpa. Mit Blick auf den Saab-Antrag auf Gläubigerschutz sagte Dudenhöffer: "Das war nur eine Frage der Zeit." Es sei vielmehr "überraschend", dass dies jetzt erst passiere. Saab spiele in einer Liga mit den großen Oberklasse-Herstellern BMW, Audi, Daimler oder auch Volvo. Diese hätten aber weitaus größere Stückzahlen.

Gericht hat Entscheidung auf Gläubigerschutz aufgeschoben

Das Amtsgericht im schwedischen Vänersborg hat seine Entscheidung auf Gläubigerschutz für den Autohersteller Saab aufgeschoben. Wie der Rundfunksender SR berichtete, will das Gericht seine zunächst für Mittwochnachmittag angekündigte Entscheidung am Donnerstag verkünden. Eine Begründung für den Aufschub wurde nicht gegeben.

Von Liebhaber-Marke zur Bedeutungslosigkeit

In Deutschland ist Saab zuletzt vom Nischenmodell für Liebhaber in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. 2008, im Jahr vor der Insolvenz der damaligen Mutter General Motors (GM), waren nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes noch 3.797 Saab in Deutschland verkauft worden, der Marktanteil betrug 0,1 Prozent. In den ersten acht Monaten dieses Jahres verkauften die Händler in Deutschland nur noch 449 Fahrzeuge der früheren schwedischen Kultmarke (Januar bis August 2008: 2.805) im August 2011 waren es gerade einmal 15 - nach 40 im August 2010.

Unterdessen berichteten schwedische Medien über die Chancen einer Rettung von Saab.

Saab mit wenig Überlebenschancen

Kaum noch Überlebenschancen für den angeschlagenen Autohersteller Saab sehen die schwedischen Medien nach dem Antrag des Unternehmens auf Gläubigerschutz. Vor der für Donnerstag (8.9.2011, 14.00 Uhr) angekündigten Gerichtsentscheidung über den Antrag meinte die Zeitung Dagens Nyheter: "Saab hat weder Geld, eine laufende Produktion noch neue Modelle oder einen Geschäftsplan". Der vor Gericht vorgelegte Plan mit schwarzen Zahlen 2013 bei etwa 100.000 verkauften Autos sei "völlig unrealistisch".

Göteborgs-Posten schrieb: "Alles andere als eine Ablehnung des Antrags auf Gläubigerschutz wäre unlogisch und eine große Überraschung." Saab-Chef Victor Muller habe "keine Finanziers zur Hand". Muller hatte den Antrag am Mittwoch mit der Hoffnung begründet, dass von zwei chinesischen Unternehmen zugesagte 245 Millionen Euro den Weg für eine Sanierung öffnen würden. Auch die Wirtschafts-Tageszeitung Dagens Industri ist pessimistisch: "Wir erleben höchstwahrscheinlich den Todeskampf von Saab, auch wenn Muller noch eine zusätzliche Gnadenfrist bekommen sollte." Alle bisherigen Geschäftspläne und Visionen des Niederländers seien "meistens Luft" gewesen sowie eine "Mischung aus Überschätzung der Anziehungskraft von Saab als kleinem Markennamen und Unterschätzung der Kosten".

Verluste über 224 Millionen Euro

Bei grünem Licht für Gläubigerschutz würden die Lohnkosten für alle 3.700 Beschäftigen im Stammwerk Trollhättan für drei Monate von einem staatlichen Garantiefonds übernommen. Bei einer Ablehnung durch das Gericht gilt die Insolvenz als unausweichlich. Allein für die ersten sechs Monate dieses Jahres fuhr Saab Verluste über 224 Millionen Euro bei einem Umsatz von 359 Millionen Euro ein.
Ganze 13.000 Autos - PS-starke Oberklassewagen - konnten die Schweden in dieser Zeit absetzen.

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