Auto-Buch: Scirocco. Aufregend vernünftig

Pünktlich zum Debüt des neuen VW Scirocco bringt die Historische Kommunikation der Volkswagen AG eine Monografie zum Thema, verfasst von einer jungen Kulturwissenschaftlerin, die mit erstaunlicher Präzision und inhaltlicher Tiefe die verworrene Geschichte des Kultcoupés aufdröselt.

Dass sie sich viele Fakten nur angelesen hat, den technischen Background nicht wirklich kennt und das Ganze in Form einer wissenschaftlichen Abhandlung abfasst, ist hinnehmbar - denn die Fakten selbst wurden vom Werksarchiv penibel gegengecheckt und die Lesbarkeit ist trotz Fußnoten und bierernsten Anhangs in keinster Weise beeinträchtigt. Da kennen wir weit schlimmere Möglichkeiten, ein gutes Buch-Thema kaputt zu schreiben.

Das Thema der frühen 70er-Jahre war die Ablösung des Käfers -  und dafür hatte man gleich drei Lösungsansätze parat. Nach langem Hin und Her verworfen wurde die Porsche-Idee eines Autos mit Unterflur-Mittelmotor. Die VW-Entwickler hatten eine Limousine mit Frontmotor und Transaxle-Getriebe erdacht, von VW-Tochter Audi kam die Anregung, einen Fronttriebler zu bauen - allerdings mit längs installiertem Motor. Letztere Lösung gefiel am besten, nur wurden letztendlich Motor und Getriebe quer eingebaut. Gleichzeitig entschied man, das VW-Programm künftig auf mehrere volumenstarke Säulen zu setzen - neben dem eigentlichen Käfer-Nachfolger - dem späteren Golf - sollte auch ein Kleinwagen debütieren, der vom Audi 50 abgeleitet werden sollte: der künftige VW Polo.

Umbruch mit Eyecatcher


Um diesen Umbruch attraktiv darstellen zu können, brauchte es einen Eyecatcher - ein begeisterndes Auto, das gleichermaßen den Karmann-Ghia ablösen sollte. Hier kam Giorgio Giugiaro ins Boot, der nicht nur die Urform des Golf, sondern auch ein entsprechendes Sportcoupé formte. Im März 1974 wurde es der Öffentlichkeit präsentiert - und die Kunden waren begeistert. Bis zu 88.000 Einheiten jährlich gingen weg wie warme Semmeln, gebaut wurden sie ab 1974 bei Karmann in Osnabrück. Als Gegner galten damals der Ford Capri und der Opel Manta.

Die zweite Generation des Scirocco - 1981 bis 1992 - erreichte diesen Erfolg nie, obwohl sie doch rundum alles besser konnte. Aber sie wirkte zu weichgespült, um als echter Sportler durchzugehen. Und größer durfte das Auto nicht werden, weil es sonst dem Audi 80 Coupé interne Konkurrenz gemacht hätte. Hut ab, dass die im VW-Auftrag aktive Autorin so deutlich Bilanz gezogen hat und nicht schönfärberisch das Thema verfehlte. Damit war erst mal Schluss mit dem Scirocco, eine auf Polo-Basis vorgesehen Coupé-Variante als dritte Generation des Kultmobils zerschlug sich. Und der Corrado von 1988 (Projektname Taifun) zählte nie als echter Nachfolger - aus heutiger Sicht war er es jedoch - denn dieses Coupé hatte wieder zur innovativen Sportlichkeit des Ur-Scirocco zurückgefunden. Aber auch diesem Auto war der ganz große Erfolg nie beschieden. Denn VW hatte damals noch nicht das Markenimage, das es für einen solchen nicht ganz billigen Flitzer gebraucht hätte.

Die ganze Geschichte findet auf 128 Seiten statt, bestens illustriert und mit den wichtigsten technischen Daten und Produktionsstatistiken angereichert. Fans des Autos, der niedersächsischen Marke und des Hauses Karmann kommen um den Erwerb dieses Buches nicht herum.

Buch-Facts: VW Scirocco. Aufregend vernünftig.
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auto motor und sport Wertung: ***
Titel: VW Scirocco. Aufregend vernünftig.
Umfang: 128 Seiten
Größe: 27,4 x 21,2 x 1,8 cm
Verlag: Heel
ISBN-10: 3935112335
ISBN-13: 978-3935112338
Preis: 19,80 Euro
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Eberhard Kittler

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