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"Auto der Woche"

AMC Pacer, amerikanischer Kult-Flop

AMC Pacer Foto: AMC 22 Bilder

Mit dem Pacer wollte die American Motors Corporation (AMC) in den 1970ern den amerikanischen Automarkt aufmischen und landete ... einen Flop. Trotzdem reifte der schrullige und überbreite Kompaktwagen zum gefragten Kultobjekt.

11.06.2013 Franz-Peter Hudek, Thomas Gerhardt

Drei Karosserieformen ragten Ende der siebziger Jahre wie die höchsten Gipfel der Rocky Mountains aus den grauen Wolkenmassen der US-Cars heraus: Chevrolet Corvette, Jeep CJ7 und AMC Pacer. Alle drei sind noch heute aufgrund ihrer einzigartigen Silhouetten schon von Weitem sofort zu erkennen. Der unbekannteste der drei ist der AMC Pacer, den wir hier vorstellen.

AMC Pacer ist breiter als neue S-Klasse

Optisch zeichnet sich der AMC Pacer mit einer kurzen Motorhaube, der niedrigen Gürtellinie und dem großzügig verglasten Heck aus, für das sich der amerikanische Kompaktwagen im Laufe der Jahre den Spitznamen "rollendes Aquarium" einfing. Als kompakt dürfte er allerdings nur wegen seiner Länge gelten, die mit 4,44 Metern der eines Opel Astra entspricht. Die Fahrzeugbreite kratzt schon an der 2-Meter-Marke (1,96 Meter), womit der AMC Pacer sogar die neue Mercedes S-Klasse überragt. 

Eine weitere Eigenart sind die beiden riesigen Türen, die beim AMC Pacer unterschiedlich lang sind. Damit zwei Passagiere leichter auf der schmalen, zwischen den Radhäusern platzierten Rückbank Platz nehmen können, ist die Beifahrertür nochmals rund 10 Zentimeter länger als die bereits üppig dimensionierte Fahrertür.

Zuletzt wirken die beiden unter zwei Wölbungen herausschauenden Scheinwerfer - besonders bei den früheren Modellen ohne angehobene Motorhaube - wie der Blick einer Kuh, wenn es donnert.

Das alles war pure Absicht. AMC-Präsident Robert Evans sagte Anfang der siebziger Jahre angesichts der mächtigen Konkurrenz durch Chrysler, Ford und General Motors: "Wir können nicht einfach ein weiteres hübsches Gesicht auf der Straße sein, wir müssen deutlich anders sein." Entsprechend dieser Vorgabe spezialisierte sich die American Motors Corporation, die 1954 aus der Fusion von Hudson und Nash hervorging, vor allem auf Klein- und Kompaktwagen (zum Beispiel AMC Gremlin oder AMC Spirit). Offroader kamen erst 1970 durch die Übernahme von Jeep in den Konzern; die oft skurril geformten Straßenautos waren dagegen selbstgemacht.

Viel Hubraum, wenig PS

Ursprünglich waren für den AMC Pacer Frontantrieb und ein Wankelmotor vorgesehen, den die AMC-Techniker von General Motors zukaufen wollten. Man versprach sich dadurch ein geringes Fahrzeuggewicht und einen geräumigen Innenraum. Doch GM stoppte 1974 aufgrund der schlechten Ro-80-Erfahrungen in Europa die Wankelmotor-Entwicklung. AMC musste deshalb auf die hauseigenen Motoren zurückgreifen, die unter anderem auch den Jeep Wagoneer antrieben.

Aufgrund dessen musste zudem der für einen kompakten Wankelmotor konzipierte Motorraum des Pacer nachträglich vergrößert werden, indem man die Spritzwand auf Kosten des Innenraums nach hinten verschob. Deshalb sitzt jetzt das Getriebe im AMC Pacer unter dem Instrumentenbrett und verhindert die in den USA sehr beliebte Mitfahrt eines dritten Front-Passagiers. Neben den beiden Reihensechszylindermotoren mit 90 PS (3,8 Liter Hubraum) und 120 PS (4,2 Liter) wurde der Pacer auch mit einem knapp 130 PS starken 5-Liter-V8 ausgestattet.

Als sportlich-luxuriöse Topversion mit V8-Motor besitzt der AMC Pacer einen auf der Mittelkonsole platzierten Automatikwahlhebel mit kugelförmigem Knauf, der eine Handschaltung suggeriert. Zwei bequeme, lederne Einzelsitze, ein formschönes, knuffiges Lederlenkrad vor dem gemaserten Holzinstrumentenbrett machen schon beim Anschauen Lust auf gelassenes Cruisen. Die geschmackvoll aufeinander abgestimmten Farbtöne des Innenraums im AMC Pacer einschließlich des holzgemaserten Instrumentenbretts und der dicken Bodenteppiche schaffen eine Wohnzimmer-ähnliche Atmosphäre.

AMC Pacer mit sehr wenig Platz im Fond

Nach dem Zuschwingen der schweren, reichlich mit Schaltern, Chromleisten und sogar Bodenteppich dekorierten AMC Pacer-Tür entsteht der Eindruck, in einem schicken Oldsmobile Delta 88 oder Plymouth Fury zu sitzen - beide mindestens fünfeinhalb Meter lang: It's not a trick, it's a Pacer (in Abwandlung des Sony-Slogans).

Na ja, ein bisschen haben die AMC-Entwickler doch getrickst; das spüren vor allem die, die im AMC Pacer hinten sitzen. Dort rücken sie auf der schmalen Bank schon zu zweit ziemlich eng zusammen, was in klaren Sternennächten hinter weit in das Dach reichenden Fenstern noch als romantisch durchginge, sonst aber schlicht als Platzmangel empfunden wird. Die AMC Pacer-Sitzbreite auf der zwischen den Radkästen platzierten Rückbank beträgt nämlich nur knapp 120 Zentimeter - ein hoher Tribut, den der kurze Radstand des AMC Pacer von den Fond-Passagieren fordert. Auch der flache Kofferraum bietet wenig Platz.

Vorn Sitzende genießen im AMC Pacer jedoch die Annehmlichkeiten einer ausgewachsenen US-Limousine aus den späten Siebzigern: den leise zischelnden, aufmerksam am Gas hängenden Fünfliter-Motor; die leichtgängige, ziemlich entschleunigend wirkende Lenkung und den guten Federungskomfort.

Produktion nach knapp 5 Jahren beendet

Im deutschen Straßenbild war und ist der AMC Pacer weitgehend unbekannt, was zu einen daran liegt, dass er in Deutschland nie offiziell verkauft wurde. Eine Begegnung im Straßenverkehr ist zwar möglich aber auch nur mit viel Glück - vereinzelte Exemplare haben es als Importe über den großen Teich geschafft und erleben als Oldtimer ihren zweiten Frühling.

Ein weiterer Grund ist, dass der AMC Pacer alles andere als ein Verkaufsschlager war. Vor allem wegen seiner antiken und durstigen Motoren verlor der AMC Pacer rasch seine anfangs große Popularität. Die Verkäufe rutschten von 117.224 Stück im Jahr 1976 auf 10.215 in 1979. Ein Jahr später war Schluss. Dennoch gehört der Pacer heute zu den kultigsten US-Autos seiner Zeit. Auch wegen diverser Filmauftritte wie zum Beispiel in der Komödie "Wayne's World".

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