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Auto der Woche

Lancia Thema 8.32, im Herzen ein Ferrari

07/2013 Lancia Thema 8.32 Auto der Woche Foto: Lancia 39 Bilder

Ein Ferrari-Motor offiziell in einem Nicht-Ferrari. Das klingt nach Exklusivität, Power, Sensation. Umgesetzt wurde diese Idee im Lancia Thema 8.32 im Jahr 1986. Damals wie heute ein absoluter Exot.

06.08.2013 Uli Baumann

Wir schreiben die 80er Jahre, Fiat verkaufte noch Autos in Massen, seinerzeit den Uno, und zeigte sich auch gegenüber seinen Töchtern mitunter spendabel. 1986 traf es die Nobel-Tochtermarke Lancia, die das biedere Mittelklasse-Fiat-Modell Croma als Thema im Programm hatte. Eine Kooperation mit der anderen Tochtermarke Ferrari wurde eingefädelt. So wanderte der Dreiliter-V8-Motor aus dem Ferrari 308 QV in den Lancia Thema. Aus dem quer eingebauten Mittelmotor wurde ein quer eingebauter Frontmotor. Die Kraft floss nicht mehr ins Heck, sondern an die Vorderräder.

Weil man im Lancia Thema 8.32 - 8 steht für die Zylinderzahl, 32 für die Zahl der Ventile - aber gehobenen Antriebskomfort bieten wollte, musste sich der Ferrari-Antrieb einige Anpassungen gefallen lassen. Zugunsten der Laufkultur wurde die Kurbelwellenkröpfung auf 90 Grad zurückgeschraubt, kostete zwar 25 PS Leistung, brachte aber Ruhe und 25 Nm mehr Drehmoment. Geblieben ist der V8 aber dennoch ein Sportmotor. Seine 215 PS - ein Kat kostete ihn später 10 PS - standen erst ab 6.750/min bereit, das maximale Drehmoment von 285 Nm waren erst ab 4.500/min versammelt. Drehzahlen über 7.000/min - kein Problem, aber auch Bummeln knapp über Standgas verkraftete der Ferrari-Triebsatz anstandslos.

Lancia Thema 8.32 war flott und schluckfreudig

Ein Problem war seinerzeit der Grip an den Vorderrädern. Elektronische Regelsysteme gab es noch nicht, so musste ein Differentialsperre am manuellen Fünfganggetriebe reichen, um den Schlupf zu minimieren. Im Test von auto motor und sport aus dem Jahr 1987 zeigten sich die 205 Millimeter breiten Vorderräder auf exklusiven Campagnolo-Rädern und die elektronisch geregelte Servolenkung nur bei heftigem Leistungseinsatz im ersten Gang wirklich überfordert. Ein Allradantrieb war bei Steyr in Entwicklung, kam aber nie mehr zum Serieneinsatz.

Wer wollte konnte den 1.400 Kilogramm schweren Lancia Thema 8.32 in 7,6 Sekunden auf 100 km/h treiben, als Höchstgeschwindigkeit wurden damals beeindruckenden 237 km/h ermittelt. Das elektronisch einstellbare Fahrwerk agiert straff, aber nicht gänzlich unkomfortabel. Beeindruckend war auch der Spritverbrauch. Im Mittel wollte der Ferrari-V8 im Lancia-Kleid mit 15,7 Liter Super gefüttert werden. Maximal zog er sich 18,4 Liter rein, unter 11,9 Liter ging nichts.

Zuückhaltende Optik, luxuriöser Innenraum

Deutlich zurückhaltender zeigt sich die Optik des Lancia Thema 8.32. Nebelscheinwerfer, etwas Extra-Chrom, handgemalte Zierstreifen auf den Flanken und die Campagnolo-Sonderfelgen differenzierten der Ferrari von den Standard-Themas. Und natürlich der im Kofferraumdeckel versenkbare, elektrisch ausfahrbare Heckspoiler. Kommandiert durch einen Drehknopf am Scheibenwischerhebel lies sich der Abtrieb an der Hinterachse um gut 30 kg bei 200 km/h, oder einfach nur die Publikumswirkung im Flaniertempo erhöhen. Ein Ferrari-Logo sucht man am Thema 8.32 aber vergeblich - man sagt Enzo Ferrari wollte sein Cavallino Rampante nicht an einem Lancia sehen. Lediglich auf dem Ventildeckel darf sich der 8.32 mit einem "Lancia by Ferrari" zieren.

Äußerlich dezent setzte der Lancia Thema 8.32 dafür auf starke innere Werte. Alcantara oder gegen Aufpreis exklusives Leder von Poltrona Frau kleidete den Innenraum aus. Exquisites Wurzelholz ziert die Armaturentafel, Teile der Türverkleidungen und der Mittelkonsole. Der Fond konnte sogar mit einer Einzelsitzanlage bestückt werden. So viel Luxus musste sein, man kommandierte schließlich einen Ferrari-Motor.

Lancia Thema 8.32 kam nur auf rund 4.000 Exemplare

Und dessen Einsatz lies sich Lancia seinerzeit auch bezahlen. Mit knapp 73.000 Mark war der Lancia 8.32 zwar deutlich günstiger als ein Ferrari, aber eben auch gut 30.000 Mark teurer als ein kaum langsamerer Thema 16V Turbo. In zwei Serien wurde der Lancia Thema 8.32 bis 1992 angeboten, zuletzt zu einem Preis von rund 110.000 Mark. Es entstanden nur knapp 4.000 Fahrzeuge. Erwähnenswert wäre lediglich noch der Lancia Thema 8.32 SW - ein Kombi-Unikat, das sich Fiat-Patriarch Gianni Agnelli 1989 für seinen persönlichen Fuhrpark fertigen lies. Eine Idee, die später auch der ein oder andere Thema-Fan in Eigenregie anging.

Der Lancia Thema 8.32 war ab 1992 Geschichte, seine luxuriöse Innenausstattung lebte aber als LX-Topversion noch bis zum Produktionsende des Thema 1994 weiter. Auf die Fortsetzung der Ferrari-Motor-Story in einem Nicht-Ferrari warten wir noch heute.

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