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Auto der Woche

Opel Tigra, der wahre Manta-Nachfolger

Opel Tigra A Foto: Opel 19 Bilder

Mit dem Opel Tigra wurde vor fast genau 20 Jahren ein kleines, preisgünstiges Coupé vorgestellt, mit dem die Marke aus Rüsselsheim jüngere Käuferschichten ansprechen wollte. Der kleine Kompaktflitzer erreichte Kultstatus und verdient die Würdigung als unser Auto der Woche.

14.01.2014 Tobias Grüner

Als der Manta Ende der 80er Jahre in Rente geschickt wurde, suchte Opel nach einem würdigen Nachfolger. Mit Senator, Omega und der ersten Vectra-Generation lief die Marke mit dem Blitz damals schon Gefahr, ins Biedermann-Image abzudriften. Doch die Konzernleitung hatte bereits einen Plan.

Mit dem Opel Calibra wurde 1989 ein schnittiges Mittelklasse-Coupé auf den Markt geworfen, das beim Publikum auf Anhieb gut ankam. Allerdings lag die Vectra-Flunder preislich ein gutes Stückchen höher als der Jedermann-Sportler Manta zuvor. Doch auch für jüngere und weniger solvente Käuferschichten hatten die Ingenieure schon etwas im Köcher: den Opel Tigra.

Opel Tigra wird weltweit verkauft

Als Opel das Serienmodell 1993 auf der Frankfurter IAA erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, rieben sich die Besucher verwundert die Augen. Die Designer hatten ein zweitüriges Spaßmodell konstruiert, das mit seiner Basis, dem Corsa B, zumindest äußerlich nichts mehr gemeinsam hatte.

Ab 1994 stand das exzentrische Coupé dann nicht nur in den deutschen Showrooms. In England wurde der kleine 2+2-Sitzer von Vauxhall angeboten, in Australien konnte man ihm als Holden Tigra kaufen. In Mexiko und Brasilien wurde der dynamische Kleinwagen mit dem Chevrolet-Logo angeboten.

Motorseitig standen 2 Ecotec-Aggregate zur Auswahl, die man bereits aus dem Corsa kannte. Aber weder der 1.4 Liter mit 90 PS noch der 1.6 Liter mit 106 PS waren für besonderes Temperament oder ihre Laufruhe bekannt. Den kleineren Antrieb gab es sogar mit 4-Gang-Automatik. Und da lag das Problem: Auch wenn er so aussah, so richtig sportlich war der Tigra nie.

Der auto motor und sport-Test bemängelte damals: "Der Opel eilt mit der Gutmütigkeit eines Kleinwagens sicher durchschnelle Kurven. Weil seine schwergängige Lenkung allerdings schon beim Einlenken hohe Kräfte erfordert, fehlt ihm allerdings jene Agilität, die gerade Sportwagen auszeichnen sollte."

Weil er 150 Kilogramm mehr als der Corsa B wog, blieb der Tigra in Sachen Beschleunigung sogar hinter seinem praktischen Schrägheck-Bruder zurück. Nur dank des besseren cW-Werts und einer längeren Getriebe-Übersetzung konnte der Tigra den Corsa GSi wenigstens in Sachen Endgeschwindigkeit toppen. Mit 203 km/h knackte er knapp die magische 200er Marke.

Trotzdem konnten die Tester nicht viel Gutes über den Fahreindruck der 1.4 Liter-Variante schreiben: "Der Tigra erfordert nicht nur im Antritt etwas mehr Geduld. Er will wegen der langen Übersetzung im fünften Gang auch häufiger geschaltet werden. Weitaus störender wirkt sich allerdings die schlechte Laufkultur aus: Das Opel-Triebwerk ruckelt und zeigt bei hohen Drehzahlen unangenehme Vibrationen. Dazu kommt ein intensives Fahrwerksdröhnen. Die straff abgestimmte Federung zeigt auf Querfugen und langen Bodenwellen ein sehr stark eingeschränktes Schluckvermögen."

Nicht unbemerkt blieb zudem, dass Opel bei der Entwicklung stets die Kosten im Blick hatte. "Die Türen schließen blechern, aus dem Armaturenbrett dringen Knistergeräusche und die Karosserie beginnt auf schlechten Straßen zu dröhnen. Nüchtern fällt auch die Gestaltung des Innenraums aus: Allein die poppigen Sitzbezüge geben Hinweis darauf, dass es sich um ein Auto für junge Leute handeln soll, das Cockpit gleicht bis aufs Haar dem des Corsa und versprüht somit nur den Charme eines Kleinwagens."

Praktischer Nutzen des Opel Tigra begrenzt

Das dynamische Design und der günstige Preis (Grundpreis: 26.485 Mark) reichten aber trotz der erwähnten Schwächen aus, um die anvisierte Klientel für den Fun-Flitzer zu begeistern. Zwei Drittel der Tigra-Fahrer waren unter 40 Jahre alt. Vor allem bei der weiblichen Käuferschicht kam das Coupé gut an - was einerseits an den kompakten Dimensionen aber anderseits auch an einem erfolgreichen Werbespot mit Franziska van Almsick lag. Die Schwimmerin verschwand dabei mitsamt ihrem Auto in einer Wasserlache.

Große Männer stießen dagegen im flach geschnittenen Coupé schnell an ihre Grenzen. Generell war der Tigra nicht gerade als Raumwunder bekannt. Der Kofferraum unter der gewölbten Glasscheibe war mit einem Volumen von 215 Litern schon mit kleinem Gepäck ausgefüllt. Dafür konnten die hinteren Notsitze als zusätzliche Taschenablage verwendet werden.

Zur Beförderung von Passagieren taugte die zweite Reihe nur bedingt. Opel schrieb vor, dass im Fond nur Personen sitzen dürfen, die kleiner als 1,60 Meter sind. Doch selbst Kindern war es wegen der beengten Verhältnisse nicht zuzumuten, dort über Kurzstreckenfahrten hinaus Platz zu nehmen.

Die ungewöhnliche Form des Autos hatte sicher ihre Nachteile, was die Besitzer aber oft nur wenig störte. Immerhin konnte der Tigra beim Thema Standfestigkeit punkten. Der im spanischen Saragossa gebaute Flitzer leistete sich dank robuster Großserientechnik keine großen Schwächen. Doch was an Werkstattkosten gespart wurde, ging meist für den vergleichsweise hohen Benzinverbrauch und die ungünstigen Versicherungseinstufungen drauf.

Opel Tigra wird zum beliebten Tuning-Objekt

Der Tigra war ein verlässliches, einfaches Auto für junge Leute. Die Führerscheinneulinge fuhren aber nicht nur schnell und bauten überdurchschnittlich viele Unfälle, sie interessierten sich Mitte der 90er Jahre auch verstärkt für das Thema Tuning. Der Tigra kristallisierte sich auch diesbezüglich als legitimer Manta-Nachfolger heraus.

Der Zubehörhandel hielt eine reichhaltige Auswahl in Sachen Spoiler, Felgen, Federn und Schürzen bereit. In den Gebrauchtwagenbörsen stehen auch heute noch hunderte verbastelte Modelle. Käufer sollten vor allem auf getönte Versionen der markanten Rückleuchten des Tigras achten. Sie wurden oftmals einfach schwarz lasiert, was weder dem TÜV noch aufmerksamen Polizisten gefällt.

Weil das Serien-Modell so gut ankam, stellte Opel 1995 sogar eine 3,0 Liter V6-Mittelmotor-Version mit Heckantrieb auf die Räder, die aber nie über den Concept-Car-Status hinauskam. Auch ein offener Tigra Roadster wurde als Studie aufgelegt. Tuner Irmscher verwandelte den Sportler sogar in einen Pickup namens "Fun", von dem 25 Exemplare aufgelegt wurden.

Cabrio-Nachfolger für den Tigra

Nach knapp 8 Jahren Bauzeit lief die Produktion im Herbst 2001 aus. Weltweit hatte sich der Opel Tigra 256.392 Mal verkauft. Damit konnte er zwar nicht annähernd mit dem legendären Manta mithalten, aber immerhin übertrumpfte er seinen Konzernbruder Calibra.

Mit dem Tigra Twin Top versuchte Opel nur 4 Jahre später an die Erfolge des Tigra A anzuknüpfen. Ohne hintere Sitzbank, dafür mit Klappdach und deutlich höherem Kofferraumvolumen (440 Liter) konnte die offene Version in Sachen Kultfaktor aber nicht an seinem Vorgänger heranreichen.

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