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"Auto der Woche"

Porsche Carrera GT, das Meisterstück

Porsche Carrera GT Foto: Porsche 59 Bilder

Der Porsche Carrera GT gilt als Meisterstück von Ex-Rallye-Weltmeister Walter Röhrl. Auch wenn der Straßensportler preislich als Luxusgefährt durchgeht, verlangen die Rennwagen-Gene einen erfahrenen Piloten - sonst kann es peinlich werden, wie der Selbstversuch zeigt.

12.03.2013 Carsten Rose

"Wenn das Grollen zum ersten Mal ertönt, ist er noch eineinhalb Kilometer weit weg - und damit noch nah genug für den ersten Gefühlssturm", beschrieb auto motor und sport-Redakteurin Birgit Priemer den Erstkontakt mit dem Porsche Carrera GT bei seiner letzten Testfahrt vor dem Serienstart 2003.

Dabei standen wir gemeinsam an der Döttinger Höhe auf der Nordschleife des Nürburgrings, als das Grollen zum Donnerschlag wurde und Walter Röhrl mit dem Vorserienmodell um die Kehre driftete. Allein der Gedanke an meinen Erstkontakt mit den zwei Überfliegern - einer Legende und ein Traumwagen - lässt den Puls höher schlagen. Dazu später mehr.

Porsche Carrera GT, Mercedes SLR & Maserati MC12 5:40 Min.

Eigentlich wollte Porsche einen Rennwagen für das 24h-Rennen in Le Mans entwickeln. Doch das Rennprojekt wurde verworfen. Pfiffige Ingenieure übernahmen vom Prototypen das Chassis, das Fahrwerk sowie den neuentwickelten V10-Saugmotor und das Sechs-Gang-Schaltgetriebe in eine Sportwagen-Studie. Präsentiert wurde diese erstmals am 28. September 2000 im Pariser Louvre als Carrera GT.

Rennwagentechnik für die Straße

Der Porsche Carrera GT bietet damit reinste Rennwagentechnik für die Straße, die damals noch Zukunftsmusik war und einen technologischen Meilenstein bedeutete. So basiert der Mittelmotor-Roadster auf einem neuen Konstruktions-Konzept, bei dem das Monocoque sowie alle Aggregateträger aus kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) gefertigt werden. Das Ergebnis ist ein Gesamtgewicht der Studie von lediglich 1.250 kg, die spätere Serienversion des Porsche Carrera GT wiegt 130 kg mehr.

Zurück zur Nordschleife, wo ich erstmals den Porsche Carrera GT in der Realität sah. Während der Sportwagen bereits auf Fotos sehr dynamisch wirkt, vermittelt das Höhe-Breite-Verhältnis von 1,16 zu 1,92 m von vorne den Eindruck eines plattgedrückten Elfers, denn die Front ähnelt der Porsche-Ikone. Erst die Seitenansicht des 4,61 m langen Supersportlers mit einem Radstand von 2,73 m offenbart das Mittelmotorkonzept, da sich hinter der Fahrgastzelle die langgestreckte Motorabdeckung anschließt. Ganz futuristisch erscheint das Heck mit den zwei hochgelegten Auspuffendrohren. Letztere posaunen die Musik des Zehnzylinder-Orchesters so fulminant in die Umgebung, dass bereits im Stand die Nackenhärchen mitschwingen.

Porsche Carrera GT mit 612 PS starkem V10-Motor

Als Kraftquelle dient im Porsche Carrera GT ein reinrassiges Renntriebwerk mit Trockensumpfschmierung, bei dem der Hubraum von 5,5 auf 5,7 Litern erhöht wurde. Dadurch beträgt die maximale Leistungsausbeute des V10-Saugmotors 612 PS bei 8.000/min. Bei 5.750/min liegt das maximale Drehmoment von 590 Nm an. Für die Kraftübertragung entwickelten die Porsche-Ingenieure eine Keramik-Kupplung, die Sprintzeiten von 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und 9,9 Sekunden bis 200 km/h ermöglicht.

Die Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h auf gerader Strecke sei kein Problem, meint Walter Röhrl, der maßgeblich bei der Abstimmung des Porsche Carrera GT mitwirkte. Diese fand natürlich größtenteils auf der Nordschleife statt, wo wir die beiden Überflieger damals auch getroffen haben. Allerdings ergänzt der Profi, dass sich im Grenzbereich sofort der Renncharakter zeigt und warnt eindringlich vor der Deaktivierung der Traktionskontrolle.

Dabei ist die Schlupfregelung der einzige Helfer an Bord, denn der Sportwagen-Purist verzichtet auf eine Launch Control, verschiedene Fahrmodi und sogar ESP. Dass es nicht einfach ist, den Straßenrenner zu fahren, sollte die erste Selbsterfahrung mit dem Traumwagen zeigen. Denn bereits bei der Präsentation des Serien-Porsche Carrera GT auf dem Automobilsalon in Paris 2003 sagte man, dass die schlagartig zupackende Keramikkupplung den ersten Startversuch fast zwangsläufig scheitern ließe.

Handarbeit made in Germany

Im August 2003 begann die Serien-Produktion des Extremsportlers im Porsche-Werk in Leipzig. Da die Fertigung weitgehend von Hand erfolgte, wurden maximal drei Modelle pro Tag fertiggestellt. Rund 130 Stunden kalkulierte der Konzern für den Aufbau ein und weitere 45 Stunden wurden für die Motormontage benötigt. Während anfangs eine Limitierung auf 1.500 Einheiten angekündigt wurde, lief im April 2006 der letzte Supersportwagen vom Band - es wurden bis dahin allerdings nur 1.270 Exemplare gefertigt.

Bei dieser Stückzahl sind die Chancen auf ein Zusammentreffen mit dem Supersportler sehr gering. Dennoch kam der Tag, als ich den Porsche Carrera GT pilotieren durfte. Respektvoll wurde der Über-Porsche geentert. Die 10,3 Kilogramm leichten Schalensitze sind bequemer, als sie den Anschein erwecken. Dabei ist das lederbezogene Kohlefaser-Gestühl nur längs verstellbar, ebenso wie das Lenkrad, bei dem sich die Neigung nicht ändern lässt. Vertrauen bringen die aus dem Elfer bekannten fünf verschachtelten Rundinstrumente.

Rennwagentechnik will gemeistert werden 

Links den Zündschlüssel drehen und dann die Kupplung gleichmäßig kommen lassen. Der Klangorkan baut sich auf und ... verstummt. Motor abgewürgt. Es folgt der Blick auf die Schaulustigen, während sich die Frage nach dem Warum aufdrängt. Antwort gibt eine kleine rote Anzeige. Die Handbremse ist angezogen. Versteckt zwischen Fahrersitz und Tür liegt der Handbremshebel. Allerdings immer unten am Boden, um den Ein- und Ausstieg nicht zu behindern. Versuch zwei gelingt problemlos.

Problemlos gleitet der Supersportwagen selbst im Bummeltempo durch den Stadtverkehr. Der leichte Buchenholzschalthebel liegt optimal in der Hand. Mit dem großen Lenkrad lässt sich der Porsche Carrera GT zielgenau dirigieren und selbst das Fahrwerk mit Doppelquerlenker-Pushrodachsen vorn und hinten bietet einen erstaunlichen Komfort. Dabei scheint man die Straßen aufzusaugen und schwebt wie im Tiefflug darüber. Als Anker dient die Keramikbremse, die in der Praxis ebenso problemlos funktioniert wie die Zweischeiben-Trockenkupplung. Übung macht den Meister.

Sportwagen für knapp eine halbe Million war ein Erfolg

In Deutschland wurden mindestens 452.690 Euro für den Porsche Carrera GT aufgerufen. Mit Sonderlackierungen und Individualausstattungen ließ sich der Preis auch auf eine halbe Million steigern. Ein erfolgreiches Konzept, wie Wendelin Wiedeking, damals Porsche-Vorstandsvorsitzender, bestätigte: "Mit dem Carrera GT hat Porsche darüberhinaus auch Geld verdient. Insofern ist dieser Sportwagen wie geplant auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg für unser Unternehmen geworden." Fast die Hälfte aller Porsche Carrera GT wurde nach Nordamerika verkauft. Größere Stückzahlen wurden auch auf den klassischen Porsche-Märkten Deutschland, Großbritannien, Italien sowie im Mittleren Osten abgesetzt.

Porsche Carrera GT mit Nordschleifen-Rekord

Bei den Testfahrten mit dem Porsche Carrera GT-Vorserienmodell auf der Nordschleife erzählte Walter Röhrl noch Details zur Rundenzeit: "Wir haben mit 7.57 Minuten angefangen, dann 7.43 und 7.40. Jetzt bin ich bei 7.37 Minuten, aber so richtig ernsthaft bin ich noch nicht auf Zeit gefahren."

Horst von Saurma, Chefredakteur von sport auto, hat mit dem Porsche Carrera GT im Supertest 2004 die Nürburgring-Nordschleife in 7.32 Minuten umrundet. "Es war ein Ritt auf Messers Schneide. Die Strecke war an einigen Stellen schmutzig, was die Sache nicht einfacher machte", strahlte der Kollege, der damit damals den Rekord für die schnellste gemessene Rundenzeit eines Straßensportlers aufstellte.

Sicherlich haben bei der Rekordfahrt ebenfalls Leute an der Döttinger Höhe gestanden und das durch Mark und Bein gehende Grollen vernommen. Wer selbst den Fahrersitz entern will, muss einen der gebrauchten Porsche Carrera GT erwerben, allerdings sind dafür mindestens 300.000 Euro fällig.

Technische Daten
Premiere: Studie 2000, Serie 2003 Paris
Bauzeit: 2003 - 2006
Stückzahl: 1270 Exemplare
Motor: V10-Zylinder-Saugmotor
Hubraum: 5.733 ccm
Leistung: 612 PS
bei 8.000/min.
Drehmoment: 590 Nm
bei 5.750/min.
Getriebe: Manuelles Sechsgang-Getriebe
0 bis 100 km/h <4 s (Hersteller)
0 bis 200 km/h <10 s (Hersteller)
V-Max: >330 km/h (Hersteller)
Leergewicht: 1.380 kg (Hersteller)
Länge: 4.613 mm
Breite: 1.921 mm
Höhe: 1.166 mm
Radstand: 2.730 mm
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