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Renault 5 Turbo, der Porsche-Schreck

Renault 5 Turbo Foto: Archiv 30 Bilder

Der Renault 5 Turbo schockte 1980 mit dicken Backen, aufgeladenem Mittelmotor und Fahrleistungen auf dem Niveau eines Porsche 911 SC - in unter sieben Sekunden auf 100 km/h. Die Literleistung des 1,4-Liter-Motors konnte auf über 210 PS gesteigert werden.

24.12.2013 Kai Klauder

Renault überrascht mit dem Mittelmotor-Kleinwagen die etablierte Sportwagen-Konkurrenz. Dank 0,8 bar Ladedruck leistet der 1,4-Liter-Motor gepfefferte 160 PS. Der Basis-R5 hat gerade mal 34 PS.

Renault 5 Alpine als unscheinbarer Vorgänger

Der Renault 5 Turbo folgt seinen berühmten Alpine-Vorgängern: Nach den großen Erfolgen von Alpine A 106 (1955) und Alpine A 110 (1962) übernimmt Renault 1973 die Mehrheit an Alpine und gründet eine Renault Motorsport-Abteilung. Erstes Ergebnis ist der Renault 5 Alpine, der ab 1975 gebaut wird. Er basiert auf dem Serien-R5 und besitzt einen 93 PS starken 1,4-Liter-Vierzylinder, später leistet der weiterhin vorne eingebaute Motor dank Turbolader 108 PS.

Ist der Renault 5 Alpine kaum von seinen 45 PS starken Brüdern zu unterscheiden, markiert der ab 1980 angebotene Renault 5 Turbo das andere Ende der Fahnenstange. Er zeigt, was er hat - und das überdeutlich: Dicke Backen, Heck-, Front- und Dachspoiler, überbreite Reifen - Renault macht Ernst. Während etwa die normalen 5er von Renault auf 135 Millimeter breiten Asphalt-Trennscheiben mit 13 Zoll Durchmesser unterwegs sind, messen die Reifen beim Renault 5 Turbo 220/55 R 14 hinten und 190/55 R 14 vorne.

Top-Fahrwerk mit neutralem Fahrverhalten und extremen Kurvengeschwindigkeiten

Auch das Fahrwerk hat kaum noch etwas mit dem des Ur-R5 gemein, schließlich musste es komplett von Frontmotor-Frontantrieb auf Heckmotor-Heckantrieb umgemodelt werden. Vorn übernehmen Doppelquerlenker und Torsionsfederstäbe sowie ein Stabilisator die Aufgaben, hinten ebenfalls Doppel-Querlenker und Stabilisator, jedoch mit Schraubenfedern.

Die Tester bescheinigen dem Renault 5 Turbo ein "nahezu neutrales Fahrverhalten" und "außerordentlich hohe Kurvengeschwindigkeiten." Ein Grund dafür ist die gute Gewichtsverteilung - unter den Sitzen finden die Benzintanks mit insgesamt 93 Liter Volumen Platz und sorgen so mit dafür, dass 60 Prozent des Fahrzeuggewichts auf der Hinterachse liegen. Allein auf nasser Straße empfehlen die Tester erhöhte Vorsicht - der unvermittelt einsetzende Turboschub kann die Traktion der Antriebsräder überfordern.

Doch entscheidender als die Optik ist der starke Eingriff in das technische Konzept. So wandert der Motor von vorne hinter die Vordersitze.Über das Getriebe vom Renault 30 TX treibt er die Hinterräder an. Zudem wird das Triebwerk von einem Garrett-T3-Turbolader unter Druck gesetzt, in der Serie mit 0,86 bar. Für die Kraftstoffversorgung wird eine Bosch K-Jetronic eingesetzt und das Verdichtungsverhältnis von 10:1 auf 7:1 abgesenkt. Heraus kommen dank dieser Eingriffe stolze 160 PS, das bedeutet eine Literleistung von rund 115 PS. Ein extremer Unterschied zu den Einstiegs-Renault 5, die von einem 34 PS-Motörchen angetrieben werden.

Die Fahrleistungen liegen dank des geringen Gewichts von nur 970 Kilogramm auf dem Niveau eines Porsche 911 SC: In 6,9 Sekunden sprintet der Renault 5 Turbo auf 100 km/h, bei 205 ist Schluss - ein Tribut an die nicht gerade überragend gute Aerodynamik mit der um 20 Zentimeter verbreiterten Karosserie - der Luftwiderstandsbeiwert liegt bei cW 0,45.

Schreck beim Blick in den Innenraum

Nicht nur die Fahrleistungen schocken vor 30 Jahren, sondern auch das eigenwillige Innenraumdesign von Bertone sorgt für Kopfschütteln: Ein Albtraum aus Rot und Blau empfängt die Passagiere, der Blick auf das futuristische Instrumentenbrett mit zehn Uhren schmerzt - ebenso wie der Preis, der für den R 5 Turbo aufgerufen wird: 44.600 Mark. Dennoch werden 1.690 Exemplare gebaut und viele davon erfolgreich im Motorsport eingesetzt.

Der Turbo wurde auch im Renault 5 Markenpokal und der Rallye-WM eingesetzt. Unter anderem starteten Harald Grohs, Christian Danner, Peter Oberndorfer und Volker Strycek beim Markenpokal ihre Karriere. In der Rallye-Weltmeisterschaft fuhren Jean Ragnotti und Jean-Marc Andrie auf dem Renault 5 Turbo spektakuläre Siege ein - 1981 bei der Rallye Monte Carlo, 1982 und 1985 bei der Tour de Corse.

Der Renault 5 Turbo wurde von 1980 bis 1982 rund 1.690 Mal gebaut, vom Turbo 2 entstanden bis 1986 insgesamt 3.180 Exemplare.

Seit 2013 gibt es einen würdigen Nachfolger, den Renault Twin Run - der ist allerdings nur eine Studie und ein Unikat.

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