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Auto der Woche

Renault Twingo, der Kleinwagen-Charmeur

Renault Twingo, 1. Generation Foto: Renault 32 Bilder

Mit dem Twingo kreierte Renault Anfang der 1990er Jahre nicht nur ein Erfolgsmodell, sondern auch ein Kultauto. Der knuffige Kleinwagen mit den Kulleraugen verzückte insbesondere die Frauenwelt.

10.12.2013 Andreas Haupt

Eltern tun sich manchmal schwer bei der Namensgebung ihrer Kinder. So ist das auch bei Automobilherstellern mit neuen Modellen, die deshalb und aufgrund der Werbewirkung sogenannte Werbetexter engagieren. Als Renault Anfang der 1990er Jahre einen passenden Namen suchte, überließen die Franzosen ihr Baby - einen neuen Kleinwagen - Manfred Gotta. Der gebürtige Hesse schloss sich mit dem Auto ein, streichelte es, legte sich darunter, darauf und hinein. Schaute dem Wagen in das Gesicht mit den halbkreisförmigen Scheinwerfern und erblickte ein Lächeln.

Renault Twingo feiert sein 20-jähriges Bestehen

"Ein Auto ist wie ein Mensch. Es hat eine Seele, einen Hintern, ein Gesicht", sagte Gotta, dessen Spezialgebiet die Entwicklung von Markennamen ist, einmal zur Wochenzeitung "die Zeit". Getauft wurde der Kleinwagen schließlich Twingo, ein Phantasiewort aus "Twist" (Drehung), "Swing" (Schwung) und "Tango". "Das Kunstwort Twingo ist eigenständig und international gut auszusprechen, außerdem strahlt es Originalität und Lebensfreude aus", erklärte Gotta (auto motor und sport, Heft 19/1992).

In diesem Jahr feiert der Renault Twingo seinen 20. Geburtstag. Und der Kleinwagen hat allen Grund die Sektkorken knallen – pardon – den Auspuff qualmen zu lassen. Bis heute wurde der Twingo der ersten Generation weltweit rund 2,5 Millionen Mal verkauft, über 500.000 Mal in Deutschland. Jeder fünfte Wagen also. Kurzum: Der Renault Twingo hat das Thema Kleinwagen neu definiert und den Status eines Kultautos erlangt.

Den Namen für sein neues Modell verraten, wollte Renault der Öffentlichkeit zunächst nicht.  Nur der damalige Renault-Präsident Raymond Lévy, sein Nachfolger Louis Schweitzer, Designchef Patrick Le Quément, Projektleiter Yves Dubreil und Manfred Gotta kannten die wahre Bezeichnung. Wahrscheinlich um vor der Präsentation auf dem Pariser Automobilsalon im Oktober 1992 dauerhaft Gesprächsthema zu bleiben. Renault streute ein Dreivierteljahr lang sogar bewusst falsche Namen. Mal hieß der Twingo Tango, dann Tonga oder Mignon. Erst kurz vor Beginn der Pariser Automobilmesse wurde das Geheimnis gelüftet. 

Eine Mischung aus Kleinwagen und Minivan

Was die Journalisten, Fachbesucher und Autointeressierten in Paris zu Gesicht bekamen, hatte es zuvor noch nicht gegeben - trotz Kleinwagen wie dem Fiat Cinquecento oder Nissan Micra. Designchef Le Quément hatte das Konzept des Renault Espace minimiert und schaffte mit dem Twingo eine Mischung aus Kleinwagen und Minivan.

"Dass er nicht nur einfach ein neuer kleiner Renault ist, sondern im Kleinwagenbereich zu dem ansetzt, was der künftige VW-Chef Ferdinand Piëch gerne als Quantensprung bezeichnet, verdankt er allein seiner Karosserie", urteilte auto motor und sport-Reporter Klaus Westrup später nach einem Test. "Sie ist, das zeigt sich schon nach flüchtiger Kontaktaufnahme, sowohl stilistisch als auch raumökonomisch ein Unikat, wobei letzteres bei der Beurteilung noch größere Meriten verdient."

Äußerlich verzückt der 3,43 Meter lange Renault Twingo vor allem von vorne. Charakteristisch ist seine kurze Frontpartie samt halbrunden Scheinwerfern, die wie Kulleraugen wirken. In Kombination mit dem Stoßfänger scheint der Twingo seinen Betrachter anzulächeln. Eine Stupfnase in Form des Renault Emblems sowie Lufthutzen in der Motorhaube wie hochgezogene Augenbrauen bilden das restliche Gesicht des Twingos. Dem Charme des Kleinwagens erlag insbesondere die weibliche Kundschaft. Rund Zweidrittel der Twingo-Fahrer der ersten Generation waren weiblich.

Das äußere Erscheinungsbild runden ein Einarmwischer, die stark geneigte Windschutzscheibe, breite Türen sowie das für Kleinwagen unüblich steile Stummelheck ab. Zum Verkaufsstart bot Renault seinen Twingo in vier Farben an: "Outremer Blue", "Corail Red", "Coriandre Green" und "Indien Yellow".

Renault Twingo mit verstellbarer Rücksitzbank

Großes gelang Renault mit dem Innenraum. Der Autohersteller kombinierte pragmatisches mit neuartigem Denken: großer Passagierraum in einem Kleinwagen. "Die Überraschung liegt hinten - da, wo der Kleinwagen bekanntlich meist besonders klein ist. Denn hier ist der Kleine riesig." (auto motor und sport, Heft 26/1992).

Mit einem Radstand von 2,34 Meter, einer Karosseriehöhe von 1,42 Meter und Breite von 1,63 Meter schafften die Franzosen auf den farbenfroh gemusterten Sitzen ausreichend Platz für vier Erwachsene. Der Clou: die in Längsrichtung um 17 Zentimeter verstellbare Rücksitzbank – zugunsten des Fondknieraumes, zulasten des Kofferraumvolumens (168 bis 261 Liter) oder umgekehrt.

Reichlich Stauraum für kleinere Mitbringsel bietet der Twingo in den Türen und auf der Mittelkonsole. Die Bedienelemente zeigen sich in poppigen Farben. Das Cockpit weist Eigenheiten auf. Wo üblicherweise der Tacho sitzt, verbaute Renault lediglich Kontrolllampen für Licht, Lichtmaschine und Öldruck. Auf einem Sockel mittig auf dem Armaturenbrett platziert, ist die digitale Tachoanzeige untergebracht.

Angetrieben wurde der Renault Twingo zunächst vom alten Stoßstangentriebwerk aus dem Renault 6 und R 12. Vierzylinder, quer eingebaut, etwas mehr als 1,2 Liter Hubraum, 55 PS und 150 km/h Höchstgeschwindigkeit: der Twingo umgarnte seine Käufer mit Charme statt Kraft. "Der Vierzylinder hängt gut am Gas und ist in den unteren Gängen durchaus lebhaft", befand auto motor und sport (Heft 26/1992). Zu bemängeln war der lang übersetzte fünfte Gang und die mangelnde Power bei Anstiegen.

Modellpflege mit neuen Motoren und optischen Retuschen

Später stattete Renault seinen Kleinwagen unterhalb des Clios noch mit 60 und 75 PS-starken Triebwerken aus. Außerdem kam es im Zuge eines Facelifts unter anderem zu optischen Retuschen an der Karosserie, die Sicherheitsausstattung wurde verbessert und die in der Sitzfläche zu klein geratenen Vordersitze getauscht.

14 Jahre lang baute Renault auf die erste Generation des Twingos (Einstiegspreis: 16.200 D-Mark), die anfangs nur das Faltschiebedach und eine FCKW-freie Klimaanlage als Optionsausstattung bot. 2007 bekam der Twingo eine neue Ausrichtung, er wurde erwachsen. Im kommenden Jahr soll die dritte Generation in Zusammenarbeit mit Daimler an den Start gehen. Für alle Ur-Fans: Der Kleinwagen mit dem niedlichen Namen rollt noch heute im kolumbianischen Envigado vom Band.

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