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Auto-Kauf im Internet

Ins Netz gegangen

Foto: ams

Der Auto-Kauf im Internet ist Thema beim Verkehrsgerichtstag in Goslar. Die Juristen wollen die Verbraucher besser vor Betrug schützen.

17.01.2007

Nur wenige Klicks reichen oft, und der Traumwagen ist gefunden. Kein Stress, kein Aufwand. Alles spielt sich in wenigen Minuten ab. Wer heute nach einem Fahrzeug sucht, geht häufig online. Das Internet hat sich zum wichtigen Medium für Autokäufer entwickelt. "Jeden Monat verzeichnen wir 3,5 Millionen Menschen, die Wagen anbieten oder suchen", berichtet Peter F. Schmid, Geschäftsführer der Börse mobile.de

Somit ist die virtuelle Welt auch für Betrüger interessant geworden, die ahnungslose Verbraucher über den Tisch ziehen wollen.

Western Union Trick


Das Ganze hat bereits ein solches Ausmaß angenommen, dass Juristen Handlungsbedarf sehen. Der Verkehrsgerichtstag in Goslar wird sich Ende Januar mit dem Thema "Autokauf im Internet" ausführlich beschäftigen. "Es geht uns um den Schutz vor Betrügern im Internet", erklärt der Kölner Rechtsanwalt Guido Reinking.

Oft missbrauchen die Gauner für ihre Zwecke die Dienste der so genannten Geldtransferunternehmen wie etwa Western Union. Die Postbank (www. postbank.de) hat online einige dieser Tricks zusammengestellt.

Abzocke per Vorauszahlung


Ein Beispiel: Im Internet wird ein Auto als Schnäppchen angeboten. Der Besitzer muss den Wagen angeblich unter Wert verkaufen. Als Bezahlung schlägt er den Transfer via Western Union vor.

So soll der Käufer den Betrag schon mal einzahlen und dann den Beleg faxen. Damit der Empfänger nicht über das Geld verfügen kann, sollen die "Money Transfer Control Number" (MTCN) oder das Codewort abgedeckt werden. Der Betrag steht aber schon wenige Minuten nach Bareinzahlung weltweit in den Agenturen von Western Union zur Auszahlung bereit - auch ohne MTCN oder das Codewort. Jeder, der sich als Empfänger ausweist und Details zum Zahlungsauftrag kennt, erhält das Geld.

Die andere Variante

Eine andere Variante: Ein Käufer meldet sich und möchte das inserierte Auto kaufen. Er ist mit dem Preis einverstanden und schickt einen Scheck mit einer höheren Summe. Per Mail erklärt der Käufer mit fadenscheinigen Argumenten, warum der Betrag größer ist. Er schlägt vor, die Differenz via Western Union zu begleichen.
Die Bank schreibt den Scheck unter Vorbehalt dem Konto gut. Der Verkäufer zahlt das zu viel überwiesene Geld zurück. Kurze Zeit später platzt der Scheck. Der Differenzbetrag ist weg. 

Western Union warnt

Die Firma Western Union warnt mittlerweile davor, Geld an unbekannte Personen zu senden. Dennoch fallen viele darauf rein. Das sind nur einige typische Muster, wie auch der ADAC-Jurist Ulrich May weiß: "Täglich tauchen neue Tricks und Maschen auf."

Mehr Verbraucherschutz

Die Juristen wollen nun den Verbraucherschutz stärken. Eine zentrale Forderung ist es, die Informationspflicht für Anbieter und Internet- Plattformen zu verschärfen. May: "Die Börsen müssen die Kunden sofort über neue Betrugsmaschen aufklären." Die Firma mobile.de engagiert sich in dieser Sache schon seit Längerem.

"Wir haben großes Interesse daran, Be trug zu vermeiden", sagt Geschäftsführer Schmid. "Deshalb wurde ein Drei- Stufen-Modell eingeführt, das aus Vorbeugung, Früherkennung und Nachverfolgung besteht." So gibt mobile.de auf seiner Seite zum Beispiel in der Rubrik  "Sicherheit" Hinweise, worauf zu achten ist. Außerdem werden alle neu eingestellten Inserate elektronisch überprüft.

Alarm bei unseriösen Angeboten

Die Software untersucht etwa, ob sich in den Anzeigen deutsche Adressen mit ausländischen Telefonnummern befinden oder Autos zu billig angeboten werden. Diese Aspekte lösen Alarm aus. Ein Team schaut sich das Inserat dann genauer an und löscht es gegebenenfalls. Passiert doch etwas, wird sofort die Polizei eingeschaltet. Peter F. Schmid sieht aber gerade bei den Behörden enormen Nachholbedarf. "Sie sind zwar sehr bemüht", sagt er, "es fehlt jedoch an der Koordinierung."

Das bemängelt auch Ulrich May: "Bei den Ermittlungen hapert es meist, weil es an Wissen und Zusammenarbeit der verschiedenen Dienststellen in diesem Bereich fehlt." Darüber will der Verkehrsgerichtstag ebenso beraten wie über eine freiwillige Selbstverpflichtung der Branche, in der sich die Börsen selbst überwachen und Regelverstößen nachgehen. Dieser Gedanke stößt auch bei den Autobörsen auf Zustimmung.

Schiedsstellen für Online-Auktionen

Des Weiteren ist die Einrichtung einer Schiedsstelle im Gespräch. Sie könnte gerade im Bereich der Online-Auktionen tätig werden und Rechtsstreitigkeiten vermeiden. Während man bei mobile.de und Co. nicht direkt kaufen kann, ist es bei den Netz-Auktionen möglich.

Wer zum Beispiel bei Ebay das höchste Gebot abgibt, steht später als Käufer fest und hat einen Kaufvertrag geschlossen. Viele Autos werden bereits auf diese Weise gehandelt. Für den Rostocker Rechtsanwalt Andreas Schmidt ist nicht das eigentliche Problem, wann der Kauf zustande kommt, sondern mit wem er getätigt wird. "Stammt die Ware wirklich von einer Privatperson? Im Internet können sich Gewerbetreibende gut maskieren, um der Sachmangelhaftung oder dem Widerrufsrecht zu entgehen", klagt der Jurist. "Hier muss sich etwas ändern."

Darüber wird der Verkehrsgerichtstag genauso beraten wie über die Zahlungssicherheit bei Online-Auktionen. Ware ersteigert, Geld überwiesen, Gegenstand nie erhalten - das passiert häufig. Deshalb fordern viele Juristen so genannte Treuhand-Konten von den Auktionshäusern. Auf ihnen wird das Geld so lange geparkt, bis die Ware beim Kunden angekommen ist. Anbieter Ebay zum Beispiel stellt bereits ein solches Konto zur Verfügung, das allerdings mit Kosten verbunden ist. "Das schreckt viele Verbraucher ab", weiß Schmidt.

Je höher der Gewinn, desto größer der Leichtsinn

In Goslar will man nach Lösungen suchen, wie sich dieses System attraktiver gestalten lässt. Ganz gleich, was dabei in puncto Autokauf im Internet herauskommt: Auch die Verbraucher können sich gegen Betrug schützen. Sie sollten sich nicht von billigen Angeboten blenden lassen. Denn Andreas Schmidt stellt immer wieder fest: "Je größer der vermeintliche Gewinn bei einer Sache, desto leichtsinniger werden viele."

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