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Auto-Kollektion von Gerard Lopez

Die geilste Garage Europas

Garage Gerard Lopez 2013 Foto: Reinhard 56 Bilder

Eine der verrücktesten Autosammlungen Europas versteckt sich in einem Gewerbegebiet in Luxemburg. Wir haben Lotus F1-Teambesitzer Gerard Lopez und seine private Garage besucht. Treten Sie ein in das Paradies für Auto-Liebhaber!

30.08.2013 Tobias Grüner 1 Kommentar Powered by

Wir stehen vor einer unscheinbaren Halle irgendwo im Dunstkreis von Luxemburg Stadt. Bis auf die verstärkte Sicherheitstür deutet nichts darauf hin, dass sich hinter den Mauern Millionenwerte auf vier Rädern verbergen. Viel haben wir gehört. Die Spannung ist groß. Doch eintreten dürfen wir leider noch nicht. Gerard Lopez hat dummerweise den Schlüssel vergessen. Nach einigen Minuten Warten eilt endlich ein Mitarbeiter mit dem Türöffner heran.

Lopez lässt es sich nicht nehmen die Metalltür selbst zu entriegeln. "Eintreten bitte", sagt der Luxemburger in fast akzentfreiem Deutsch. Die Besucher schreiten gespannt durch die Pforte. Es ist der Eingang zum Paradies. Die Blicke fallen auf ein eng geparktes Meer von Autos. Den Augen fällt es schwer in dem vermeintlichen Chaos einzelne Modelle auszumachen. Unter kaltem Neonlicht stehen die motorisierten Schätze Spiegel an Spiegel eng zusammen.

Direkt hinter der Pforte begrüßt eine Shelby Cobra die Ankömmlinge. "Ist die echt", staunt der unbedarfte Reporter und bereut die Frage noch während er sie ausspricht. Natürlich ist die echt. Dumme Frage. Hier ist alles echt. Der Zustand der Autos ist erstaunlich. Als wären die Preziosen direkt aus der Produktion in die Halle gerollt worden. Sogar die mächtigen Avon-Gummis auf der Cobra sind nagelneu, obwohl sie vom Look her aus einer anderen Zeit stammen müssten.

Angestellte fahren und warten Autos für Lopez

"Die Autos werden natürlich regelmäßig gefahren", versichert Lopez den ungläubigen Besuchern. Da der umtriebige Geschäftsmann zwischen Formel 1-Rennen und Business-Terminen auf der ganzen Welt nicht immer Zeit hat, sich um seine Schätze zu kümmern, sind zwei Angestellte mit der Wartung und der Pflege beauftragt. "Die können sich am Wochenende auch gerne Autos für Ausflüge ausleihen", grinst der Millionär. Traumjob wäre hierfür wohl eine maßlose Untertreibung.

Die Autoliebe von Lopez ist allerdings zum Problem geworden - zu einem Platzproblem. Die Sammlung seiner Formel 1-Renner ist in der Lotus-F1-Fabrik in Enstone untergebracht. Die Straßenautos sind über mehrere Garagen verteilt. Doch immer wieder muss sich der Autonarr von einigen seiner Lieblingen trennen. Meistens natürlich mit Gewinn.

Dummerweise wartet die Gelegenheit zum nächsten Kauf aber oft schon an der nächsten Ecke. Die zwei Angestellten pflegen nicht nur die bereits gekauften Autos sondern helfen auch bei der Suche nach interessanten Neuerwerbungen - wie zum Beispiel mit der blauen Cobra. Die hatte Lopez einem Rentner abgekauft, der das potente US-Car als Alltagsauto an der Côte d'Azur gefahren ist.

Die Liebe zu motorisierten Gefährten kam bei Lopez nicht erst mit dem Geld. Als der mittlerweile 41-Jährige zum Studieren in die USA ging, hatte er bereits einen ausgeprägten Automobil-Tick. Damals träumte er vor allem von zwei Modellen: einem Peugeot 205 GTI. "Weil ich mir den eines Tages würde leisten können." Und den Lamborghini Countach. "Weil ich mir den nie leisten würde können." Heute steht der Countach irgendwo mittendrin in dem gigantischen Autokino. Genauso wie 4 oder 5 unterschiedlichen Peugeot 205 GTI - einer davon eine vollgepanzerte Spezialanfertigung.

Autos mit eigener Geschichte

Viele Autos in der exklusiven Garage haben ihre eigene Geschichte. Wie der Original-Mini aus dem Film Italian Job. Oder der BMW M5 Touring, vom dem nur 15 Modelle in der "Elekta"-Spezial-Ausstattung gebaut wurden. Oder ein BMW M3 E30 Sport Evo, der Straßenvariante des Münchner Tourenwagenmodells, der in der Halle direkt vor seinem DTM-Pendant Mercedes 190E AMG 2.5 16V Evo parkt.

Oder ein Alfa Romeo 8C, den sich Lopez ab Werk mit einem besonderen Porsche-Lack liefern ließ. "Dort wo die Farbe im Typenschild steht, haben die dann absichtlich den Namen Porsche falsch geschrieben", diktiert Lopez den fassungslosen Reportern in den Block. Oder die Renault Alpine A310 aus den 70ern mit gerade einmal 159 Kilometern auf dem Tacho. "Den leiht sich manchmal sogar Renault für Events aus, weil der quasi noch wie neu ist."

Ein Ford GT40 aus Le Mans ist mit fünf bis sechs Millionen Euro wohl das teuerste Exponat der PS-Galerie. In der Ecke stehen auch noch vier moderne Viper GT-Renner vom 24h-Klassiker. "Für mich der legitime Nachfolger der Cobra", so Lopez.

Seine heimliche Liebe sind aber die Porsche der Firma Ruf. Er hat sie in einer Ausgabe von Road & Track kennengelernt, die er sich in den USA am Flughafen gekauft hatte. "Der CTR war in Nardo das schnellste Auto der Welt. Ich konnte es nicht glauben." Lopez schrieb einen Fan-Brief ins Allgäu und bekam tatsächlich zwei Poster und Videos von heißen Runden auf der Nordschleife.

Fünf Jahre später hatte Lopez seine erste Firma gegründet und wieder verkauft, und mit dem Erlös wurde er bei Alois Ruf vorstellig. "Diesmal nahm ich das Auto mit. Herr Ruf konnte sich an die Story mit dem Poster noch erinnern." Lopez und Ruf verbindet mittlerweile mehr. Dem Luxemburger gehört ein Teil des Sportwagenherstellers.

Lopez mit eigener Rennfahrer-Karriere

Da man ja nie genug schnelle Autos haben kann, hat er sich auch schon einen La Ferrari bestellt. Der Italiener gewann das Sympathierennen gegen den neuen McLaren P1. Lopez bewegt seine Schätze übrigens nicht nur auf der Straße sondern auch auf der Rennstrecke. Eine Zeit lang war er sogar selbst aktiv in der FIA GT3-Weltmeisterschaft unterwegs.

Auch bei Bergrennen hat sich der Luxemburger früher ausgetobt. "Da bin ich mit einem Lamborghini Miura die Hügel hochgeprügelt. Die anderen haben mich angesehen, als ob ich sie nicht mehr alle hätte", grinst der Selfmademan.

Irgendwann wurde der Miura dann aber so selten und so wertvoll, dass es auch Lopez nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte. "Das konnte ich den Fans doch nicht antun." Er verkaufte den Italiener und auch viele andere Exemplare der ehemals größten Lamborghini-Sammlung der Welt.

Auch heute noch fährt der Besitzer viele seiner Schätze selbst, wenn die Zeit es zulässt. Bevor Lopez ans Steuer kann, ist allerdings etwas Geduld gefragt. Die beiden Angestellten müssen erst 20 Minuten rangieren bis eine Gasse zum Ausfahrttor geschaffen ist. Die Zündschlüssel muss man übrigens nicht lange suchen. Sie hängen alle in den Scheibenwischern.

In unserer Bildergalerie nehmen wir Sie mit auf einen Rundgang durch den Auto-Himmel von Gerard Lopez.

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Bild 49/56: Sieht eher nach einem MG TD aus...

HankH 4. September 2016, 15:59 Uhr
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