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Auto-Krise

Wirtschaftsminister gegen Hilfspaket für Autobauer

Foto: dpa

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat Forderungen nach einem Hilfspaket für die deutsche Autoindustrie nach US-Vorbild zurückgewiesen. "Unsere Autokonzerne haben gegenüber den amerikanischen (...) einen technologischen Vorsprung, den man auch mit 40 Milliarden Dollar nicht ausgleichen kann", sagte Glos der "Bild am Sonntag" (7.12.).

07.12.2008 2 Kommentare

Trotz einbrechender Autoverkäufe sei kein Rettungsschirm für die deutsche Autobranche nötig. "Die deutschen Autofirmen sind stark genug, um diese Krise auch ohne Milliardenhilfen vom deutschen Steuerzahler durchzustehen", sagte Glos. 

In den USA können sich die ums Überleben kämpfenden amerikanischen Autohersteller Hoffnungen auf dringend benötigte staatliche Milliarden-Kredite machen. Der Opel-Mutterkonzern General Motors und der drittgrößte amerikanische Autobauer Chrysler brauchen mehrere Milliarden noch in diesem Monat.

Bis Ende März wollen sie 14 Milliarden Dollar haben. Laut "Washington Post" zeichnet sich im Kongress eine Einigung auf Kredite in einer Größenordnung von rund 15 Milliarden Dollar ab.  Insgesamt verlangen die "Großen Drei" - GM, Chrysler und Ford - bis Ende kommenden Jahres 34 Milliarden Dollar.

BMW-Vorstand für Zulieferer-Rettungsschirm


BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner sprach sich unterdessen für einen staatlichen Rettungsschirm für angeschlagene Automobilzulieferer aus. "In einer so schwierigen Krisensituation muss der Staat einspringen", sagte Eichiner dem Nachrichtenmagazin "Focus". Es gebe Anzeichen, dass sich die Lage einiger Zulieferer verschärfe. Die Autohersteller seien damit überfordert, die Blockade des Kapitalmarktes zu überwinden und Mittel zur Verfügung zu stellen. "Wir können das nicht alleine stemmen", sagte Eichiner, der erst vergangene Woche das Finanzressort bei BMW übernahm.

Schuldzuweisungen an die Banken

Vor diesem Hintergrund wird auch die Kritik an der Finanzwirtschaft lauter: Der Vorstandschef des Automobilzulieferers ZF Friedrichshafen, Hans-Georg Härter, wird vom "Spiegel" mit den Worten zitiert, die Banken "lassen sich mit Steuermitteln sanieren, anstatt ihrer Aufgabe nachzukommen, Kunden Geld in Form von Krediten zukommen zu lassen". Bosch-Chef Franz Fehrenbach sagte dem Nachrichtenmagazin: "Es ist unverantwortlich, wenn im Kern gesunde Unternehmen in den Ruin getrieben werden, weil sie sich nicht mehr refinanzieren können"


Auch für Glos hat die Kreditwirtschaft eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der Krise. "Die Geschäftsbanken müssen dringend ihr Verhalten ändern. Im Moment misstrauen die Banken sich ja nicht nur gegenseitig, sondern auch noch ihren Kunden", sagte der Minister. "Die Banken haben eine dienende Funktion und bilden den Blutkreislauf der Realwirtschaft. Wenn der Kreislauf nicht funktioniert, dann kann auch der Patient nicht gesund werden."

Die Deutsche Bundesbank hatte erst am Freitag prognostiziert, dass deutsche Wirtschaft 2009 in eine tiefe Rezession stürzt und vor dem schärfsten Abschwung seit 1993 steht. Die Zentralbank rechnet, damit dass die Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent schrumpft. Noch härter hatten die Wirtschaft bislang nur die Folgen der Ölkrise vor mehr als 30 Jahren getroffen - mit einem Minus der Wirtschaftsleistung von 0,9 Prozent im Jahr 1975. Insbesondere die Autoindustrie steckt nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA in einer Talfahrt, die es in diesem Tempo noch nicht gegeben hat. 

Winterkorn: Ein verheerender Flächenbrand

Angesichts dieser Entwicklung gehen vielen Managern die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung nicht weit genug. VW-Chef Martin Winterkorn sorgt sich darum, dass die Krise zu einem "verheerenden Flächenbrand eskaliert". Bei der aktuellen Lage handele es sich um «eine absolute Ausnahmesituation mit den herkömmlichen politischen und wirtschaftlichen Instrumenten kommen wir da nicht weiter», sagte er dem "Spiegel".

Porsche-Vorstand Holger Härter verlangte, die Reaktion auf den erwarteten Nachfrageeinbruch müsse "in Deutschland deutlich stärker ausfallen". Geld müsse der Staat auf jeden Fall ausgeben. "Wenn er es jetzt nicht für ein Konjunkturprogramm investiert", so Härter, "dann muss er später umso mehr Geld ausgeben, um die sozialen Folgen der Krise abzumildern".

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Henryclark 2. September 2017, 17:20 Uhr
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