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auto motor und sport-Kongress 2011

"Mobilität der Zukunft braucht verlässliche Energieströme"

Günther Oettinger Foto: Philippe Sautier

Neue Antriebs- und Mobilitätskonzepte, da ist auch die Politik gefordert. Elektromobilität braucht  sauberen, bezahlbaren Strom und gute Infrastruktur. Eine Aufgabe von EU-Kommissar Oettinger.

11.03.2011

Wie wird die EU die Stromnetze für Konkurrenz öffnen, die Infrastruktur ausbauen und die Erzeugung sauberen Stroms verstärken, um CO2-freies Autofahren mit Elektrofahrzeugen zu ermöglichen? Das sind Herausforderungen, mit denen sich EU-Kommissar Oettinger in seiner Key Note auf dem auto motor und sport-Kongress beschäftigen wird.
Bezahlbare Energie wird das Thema der kommenden Jahre sein, so Oettinger: „Wenn wir es schaffen, das Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln und den Übergang zum kohlenstoffarmen Wirtschaften zu bewältigen, können wir im internationalen Wettbewerb bestehen. Dies ist eine gewaltige Herausforderung, die wir gemeinsam in Europa angehen müssen.“

Es sind vor allem zwei Dinge, für die sich Oettinger einsetzt: den Aufbau eines europäischen Energiemarktes mit Strom- oder Gasleitungen quer durch Europa und das Energiesparen. Laut Oettinger wird der Energie-Importbedarf der EU, der aktuell bei 55 Prozent liegt, in 20 Jahren bis auf 75 Prozent ansteigen. Eine äußerst beunruhigende Perspektive, findet der EU-Kommissar. Nötig wären für den Aufbau einer europaweiten Energieinfrastruktur laut Oettinger bis 2020 eine Billion Euro. Investieren soll vor allem die Industrie. Das europäische Energienetz soll die Abhängigkeit von Lieferanten reduzieren und damit auch die Preise stabilisieren. Oettinger: „Die Mobilität der Zukunft braucht verlässliche Energieströme.“
Gleichzeitig sieht Oettinger nicht genutzte Einsparpotenziale: Die freiwilligen Zusagen der EU-Staaten, ihren Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent zu senken, würde er lieber heute als morgen gesetzlich verankern. „Ich könnte mir verbindliche Vorgaben schon jetzt vorstellen. Aber dazu sind die Mitgliedstaaten nicht bereit.“

Ginge es nach ihm, würden in Zukunft alle Massenprodukte inklusive Autos mit einem Öko-Hinweis versehen. „Der Verbraucher sollte nicht nur über die Leistungsstärke von Produkten informiert werden, sondern auch über ihre Energiebilanz. Das wird ihre Kaufentscheidung beeinflussen.“ Autoliebhaber Oettinger selbst hat sich schon für einen alternativen Antrieb entschieden: Er fährt einen Mercedes S 400 mit Hybrid-Antrieb.
Von der Autoindustrie fordert Oettinger Innovationen:  „Wir müssen ja zur Technik sagen und in den Wettbewerb gehen, wir brauchen Leistungsbereitschaft und dürfen keine Generation der Erben werden. Entscheidend wird sein, wer das Auto der Zukunft gestaltet und dass Europa im Wettbewerb mit China das Innovationszentrum bleibt.”
Günther Oettinger, geboren 1953 in Stuttgart, ist seit dem 10. Februar 2010 EU-Kommissar für Energie. Zuvor führte der deutsche CDU-Politiker als Ministerpräsident fünf Jahre lang die Geschäfte des Landes Baden-Württembergs. Oettinger studierte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Tübingen. 1982 schloss er das Studium mit dem zweiten juristischen Staatsexamen ab.

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