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auto motor und sport-Kongress 2012

Strom und Gas bei Infrastruktur im Vorteil

Foto: Birgit Jeske 11 Bilder

Fahren wir in Zukunft elektrisch, mit Wasserstoff oder doch überwiegend mit Gas? Im Panel 1 des auto motor und sport-Kongresses zur Frage, welche Infrastruktur die Mobilität in Zukunft braucht, nahmen die Zuhörer mit, dass zwei Infrastrukturen praktisch schon flächendeckend vorhanden sind: ein Gas- und ein Stromnetz. Wasserstoff ist dagegen von einer Netzinfrastruktur noch weit entfernt.

13.04.2012 auto motor und sport

„Wir haben 100 Millionen Steckdosen in Deutschland, an denen man nachts sein Elektroauto volltanken kann“, betonte Willi Balz, Chef des Windkraftunternehmens Windreich. Die Grundstruktur für das Betanken von Elektroautos sei damit schon vorhanden. Auch Timm Kehler, Geschäftsführer des Verbandes erdgas mobil, betonte die Vorteile der vorhandenen Infrastruktur für Gas in Deutschland. „Wir haben schon ein Erdgas-Netz im Boden liegen“, hob Kehler hervor. Und stieß damit besonders beim Chef der Deutschen Energie-Agentur Dena, Andreas Jung, auf Gegenliebe. Denn das vorhandene Gasnetz ermögliche es auch, Biogas ins Netz einzuspeisen und damit Autos sogar mit Gas aus erneuerbaren Energien zu betreiben.

Eine Zukunftsvision, die mit heutigen Techniken schon machbar ist. Das Plenum hält das Fahren mit Gas auch für die wahrscheinlichste Lösung. Mehr als Zweidrittel der Kongress-Teilnehmer hielten in einer Abstimmung das Fahren mit Gas für die beste Lösung, weit vor dem Elektroantrieb.

auto motor und sport-Kongress 2012 6:01 Min.

Doch Gas wird nicht nur in der Mobilität, sondern auch bei der Energiewende eine wichtige Rolle in der Stromerzeugung spielen. „Wir brauchen ein flexibles Back-up, wenn mal der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint“, so Kehler. „Flexible und sehr effiziente Gaskraftwerke sind dafür ideal geeignet, weil man sie schnell hochfahren kann.“ Doch Kehler beklagte auch, dass viel zu wenig in neue Gaskraftwerke investiert werde.

Ein Punkt, den Prof. Siegried Russwurm, Vorstandsmitglied der Siemens AG, nicht wunderte. Denn es fehlten die richtigen Rahmenbedingungen, um die Investitionen in Gaskraftwerke zu fördern. Denn je mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert werde, umso seltener müssten Gaskraftwerke einspringen. Die Folge: „Der Investor weiß nicht, wie oft und lange sein Gaskraftwerk läuft und wie sich das rechnet“, so Russwurm. Von der Effizienz her seien Gaskraftwerke ideal. Russwurm verwies auf das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Irsching, das einen Wirkungsgrad von mehr als 60 Prozent erreicht. Bei Nutzung von Fernwärme ließe sich der Wirkungsgrad noch verbessern.

Technische Herausforderungen gelöst

Gegen den Vorwurf, dass es an Rahmenbedingungen fehlt, wehrte sich dagegen Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer. „Die Kritik, die Energiewende gehe nicht schnell genug, stimmt nicht. Wir haben zügig gehandelt“, so Heitzer und verwies auf zahlreiche Gesprächsforen mit der Industrie und gesetzlichen Neuregelungen bis hin zur EEG-Novelle. Die Entwicklung der Netzinfrastruktur erfordere noch erhebliche Anstrengungen. Dabei wolle die Bundesregierung auch die Vernetzung mit den Stromnetzen der Nachbarländer verbessern, um nach Abschaltung des letzten Atomkraftwerkes 2020 den Stromaustausch in Europa zu verbessern. Dazu müssten viele neue Umspannwerke gebaut werden. Dies werde auch den verstärkten Import umweltfreundlich erzeugten Stroms aus Österreich, Norwegen und Schweden erlauben.

Siemens-Vorstand Russwurm betonte, dass die technischen Herausforderungen der Energiewende gelöst seien. „Die Energiewende ist machbar und eine Chance für Deutschland“, so der Siemens-Manager. „Wenn wir das schaffen, hat das weltweit Modellcharakter. Und das bietet neue Exportchancen für die deutschen Unternehmen.“ Die technischen Fragen von der Erzeugung, Übertragung, intelligenten Verteilung bis hin zur effizienten Nutzung im Haushalt, in der Mobilität und der Industrie seien gelöst. Jetzt brauche es hohen finanziellen Einsatz, um die notwendigen Investitionen zu stemmen.

Für Dena-Chef Jung ist der Flaschenhals der Energiewende derzeit die mangelnde Akzeptanz neuer Übertragungsleitungen durch die Bevölkerung. „Viele Verfahren dauern sehr lange“, so Jung. „Es bleibt das Problem, dass der Ausbau des Netzes mit der Dynamik der Erneuerbaren Schritt hält.“

Wasserstoff mit Widerspruch

Linde sieht die Zukunft der Mobilität in der Nutzung von Erdgas und Wasserstoff, sieht aber keinen Königsweg in nur einer Technik. „Entscheidend ist das Nutzungsverhalten“, so Andreas Opfermann, Leiter des Innovationsmanagements bei Linde. Im Stadtverkehr könnten Elektroautos Sinn machen, im Langstreckenverkehr biete Gas den Vorteil großer Reichweiten. „Nicht ein Konzept ist für jeden Zweck das beste. Wir werden keine Monokultur bekommen.“

Wenig zufrieden war Opfermann mit der zögerlichen Verbreitung der Wasserstoff-Technik in Deutschland und erwartet, dass die Autohersteller in Japan und Südkorea dabei mächtig aufs Gas drücken werden. Ob man erst die Infrastruktur oder die Fahrzeuge benötige, also das Henne-und-Ei-Problem, würden die dortigen Autohersteller rasch lösen. „Es geht nicht mehr um das Ob.“ In Deutschland werde man um die Öl-Konzerne mit ihrem Tankstellennetz nicht herumkommen, wolle man rasch ein flächendeckendes Netz von Wasserstofftankstellen aufbauen, so Opfermann.

Beim Thema Wasserstoff gab es allerdings Widerspruch von Windreich-Chef Balz. „Der Gesamtwirkungsgrad eines Elektroautos beträgt rund 80 Prozent, der eines klassischen Autos liegt bei 35 Prozent. Wasserstoff kommt dagegen nur auf einen Wirkungsgrad von rund 10 Prozent“, kritisierte Balz, der die Technik deshalb für einen Schritt in die falsche Richtung hielt. Ein Wasserstoff-getriebenes Auto habe ja einen noch schlechteren Wirkungsgrad als herkömmliche Autos. „Wollen Sie das?“, fragte Balz in die Runde.

Andere Experten wie Siemens-Vorstand Russwurm sehen zwar auch den hohen Energieeinsatz bei der Erzeugung von Wasserstoff und die Probleme beim Transport. Doch Wasserstoff sei ein sehr guter Energiespeicher. Überschüssige Windkraft an Land und auf See ließe sich dezentral in Form von Wasserstoff speichern. Es sei doch sinnvoll, Windräder nicht abzuschalten, wenn sie nicht gebraucht werden, sondern den überschüssigen Strom für die Erzeugung von Wasserstoff zu nutzen. Denkbar seien sogar dezentrale Wasserstofftankstellen, die den Wasserstoff aus erneuerbaren Energien selbst herstellen, so Russwurm.

Dem Plenum war nach dieser Diskussion zumindest eines klar: Einen Königsweg gibt es nicht.

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