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auto motor und sport-Kongress 2012

Hat der Verbrennungsmotor eine Zukunft?

Hat der Verbrennungsmotor eine Zukunft? Ist das Elektroauto die Zukunft der Mobilität auf vier Rädern? Im Plenum 2 am Nachmittag kam der Verbrennungsmotor überraschend gut weg. Sogar Greenpeace sieht in immer sparsameren Motoren die Zukunft in den nächsten 15 Jahren. Umstritten war dagegen das Elektroauto: zu teuer, zu schwer, ökologisch sinnlos meinten die Einen, effizient und betrieben mit grünem Strom die Zukunft, so die Anderen.

13.04.2012 auto motor und sport

Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte der Umweltorganisation Greenpeace, und der frühere Opel-Enwicklungschef Prof. Fritz Indra, die sich beim Thema sparsame Autos oft in den Haaren lagen, waren auf dem auto motor und sport-Kongress zur eigenen Verwunderung völlig einer Meinung: das Elektroauto macht keinen Sinn. „Schon heute ist das E-Auto beim deutschen Energiemix weniger effizient als ein Auto mit Verbrennungsmotor“, kritisierte Prof. Indra. Und zur Lösung der Verkehrsprobleme weltweit sei es schon gar nicht geeignet. In einem Land wie China, das seinen Strom überwiegend aus klimaschädlicher Kohle erzeuge, mache das Elektroauto überhaupt keinen Sinn.

auto motor und sport-Kongress 2012 6:01 Min.

Elektroauto ist ein Auto für Wohlhabende

Einmal in Fahrt, hielt Indra seinen Kollegen auf dem Podium wie VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg vor, viel zu viel Geld in Elektroautos zu stecken. „Sie haben viel zu früh viel zu viel Geld ins Elektroauto gesteckt.“ Elektroautos seien nichts für die Masse der Autofahrer, sondern für Wohlhabende. „Die Kunden des Elektroautos sind die Reichen. Wenn die bedient sind, bricht der Markt zusammen“, prophezeit Indra. „Die Leute fahren dann mit dem Golf und Astra weiter.“

Aussagen, die Greenpeace-Experte Lohbeck teilte. Für ihn ist das Elektroauto ein Auto für Reiche und mache ökologisch überhaupt keinen Sinn. Lohbeck sieht auch weiterhin die Zukunft in immer sparsameren Verbrennungsmotoren. Hier sei das Ende der Entwicklung noch gar nicht erreicht. Deshalb machte er VW auch den Vorwurf, den neuen VW Up nicht als Drei-Liter-Auto konzipiert und mit Blue-Motion-Technik ausgestattet zu haben. Als Marktführer hätte VW hier einen großen Wurf starten können. Stattdessen verbrauche der Up eher fünf als drei Liter.

VW-Entwicklungsvorstand Hackenberg kündigte an, dass der Up künftig noch sparsamer werde und über neue Techniken verfügen werde. Allerdings habe VW aus Kostengründen auf diese Techniken zunächst verzichtet. „Diese Technologien kosten zusätzlich Geld. Unser Ziel war es, den Up für unter 10.000 Euro anzubieten. Das ist uns gelungen.“ Hackenberg verwies auf das Beispiel des VW Lupo, der als erstes 3-Liter-Auto auf Grund seines hohen Kaufpreises kein großer Erfolg gewesen sei.

Autos werden nicht mehr schwerer und stärker

Auch der Chef des TÜV Süd, Horst Schneider, sieht im Verbrennungsmotor weiter eine Zukunft und derzeit eine Trendumkehr. Über Jahrzehnte seien die Autos immer größer, vor allem aber schwerer und stärker geworden. „Dieser Trend ist zum Stillstand gekommen und kehrt sich zum Teil sogar um“, so Schneider. Hackenberg konnte mit zahlreichen Modellen wie dem Audi A3 und der nächsten Golf-Generation diese These mit Fakten belegen. Jedes neue Modell im Konzern muss leichter und sparsamer als sein Vorgänger werden.

Dazu setzt VW weiter auf Downsizing, will aber um den Zweizylinder einen Bogen machen. Der Motor laufe zu unruhig und zu hochtourig. VW setze mehr auf den Drei-Zylinder, so Hackenberg. Allerdings könnte es Fahrzeugkonzepte geben, etwa in Schwellenländern, in denen auch Zwei-Zylinder-Motoren einen Sinn machen.

Ob das Auto in China eine Zukunft hat? Zumindest die Elektromobilität auf zwei Rädern ist in China längst Alltag, wie Prof. Dr. Su Zhou von der Universität Shanghai schilderte. Längst sind Mopeds und Motorräder mit Verbrennungsmotor in den chinesischen Millionenstädten tabu und durch Elektrofahrzeuge ersetzt. „Schon heute fahren die Leute mit Elektro-Fahrrädern in den großen Städten“, so Zhou. Er sieht auch für Elektroautos eine Chance, beispielsweise für die zunehmende Generation der älteren Menschen in den Großstädten. Allerdings war auch Zhou klar, dass dann der Strom aus erneuerbaren Quellen kommen muss.

Staat wird sich fehlende Mineralölsteuer bei den E-Autos holen

Spannend wurde die Diskussion am Schluss, als die Frage aufkam, ob denn das Elektroauto auch in Zukunft so günstig fahren könne und eine Tankfüllung aus der Steckdose eher Cents denn 80 Euro koste. Für Prof. Indra ist es klar, dass bei einem Durchbruch des Elektroautos der Staat nicht auf die dann stark ausbleibende Mineralölsteuer verzichten werde. „Der Strompreis wird nicht so günstig bleiben. Der Staat wird sich die Mineralölsteuer, die er nicht mehr einnimmt, bei den Elektro-Autos wieder reinholen“, ist Indra überzeugt.

Auch Greenpeace-Mann Lohbeck ist davon überzeugt: „Der Kostenvorteil des Elektroautos wird sinken. Der Staat wird auch Elektroautos an den Kosten für die Infrastruktur beteiligen.“ Aussagen, die die Anhänger der Elektroautos bestritten. Der Kostenvorteil werde bleiben, allenfalls sinken.

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