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auto motor und sport-Kongress 2012

"Urbanisieren Sie das Auto!“

Foto: Daniel Schneider

Wie kommt man in den nächsten Jahren in einer Megacity von einem Ort zum anderen? Zu Fuß? Mit dem Elektro-Fahrrad? Mit der U-Bahn oder einem Elektro-Auto, das einem gar nicht mehr gehört? Über die Bedeutung der Stadt bei der Lösung der Verkehrsprobleme der Zukunft sprach die Soziologin Saskia Sassen, Professorin der Columbia University und Mitglied des Club of Rome, auf dem auto motor und sport-Kongress.

12.04.2012 auto motor und sport

Megacity – das hört sich in Europa merkwürdig an, gibt es doch nur eine einzige Megacity in Europa, betont der stellvertretende Chefredakteur Ralph Alex bei seiner Einführung ins Thema. Nur Moskau überspringt die 10-Millionen-Marke der Megacities in Europa. Stuttgart sei ein Dorf mit seinen nicht mal 600.000 Einwohnern, so Alex. Berlin hat 3,5 Millionen Einwohner – weltweit eine Kleinstadt. Paris hat in seinem Kern sogar weniger als drei Millionen. Zum Vergleich: Tokio, die größte Stadt der Welt, hat 38 Millionen Einwohner.

auto motor und sport-Kongress 2012 6:01 Min.

Tokio als leuchtendes Vorbild

Allerdings hat sich Tokio für 7 Mrd. Euro ein intelligentes Verkehrssystem geleistet. Das gesamte Stadtautobahnnetz wird durch Kameras beobachtet, deren Daten von Rechnern ausgewertet werden. Autos mit besonderen Navigationsgeräten erhalten dann individuelle Empfehlungen für ihre Fahrstrecke.


Ein Beispiel für Prof. Saskia Sassen, wie Städte Motor sind für neue technische Lösungen. Zugleich sind sie der Ort, wo neue Lösungen ihre Bewährungsprobe bestehen müssen. Für Sassen gleicht die DNA der Stadt der Open-Source-Technologie. Technologie, an deren Veränderung jeder mitwirken kann. "Die Urbanisierung der Technologie ist wichtig, denn gerade die Kombination von Unvollkommenheit und Komplexität von Großstädten hat es ihnen ermöglicht, Unternehmen, Königreiche und Nationalstaaten zu überdauern", betont Sassen.

Stadt als Hacker

"Die Stadt stellt Technologien auf die Probe. Die Stadt ist der ultimative Hacker komplexer technologischer Systeme." Der Hacker dringe in geschlossene Systeme ein, um sie zu verändern. Sassen schildert das am Beispiel des Auto. Gebaut sei es eigentlich, um mit schnellem Tempo über lange Strecken zu fahren. Doch die Stadt nehme ihm diesen Vorteil: In der Stadt komme es nur noch im Kriechtempo voran.

Ohne eigenes Auto in der Großstadt

Transportwünsche müssten künftig anders gelöst werden, so Sassen, und verweist auf das Pariser Fahrradsystem, das ein Vorbild sei. Künftig werde man in Großstädten ein Fahrzeug nutzen, ohne es zu besitzen, glaubt Sassen. Das Auto werde nur noch ein Element in der Kombination mehrerer Verkehrsmittel sein.
Der nächste Schritt sei nun, auf den zur Verfügung stehenden Platz für Mobilität in den Städten zu schauen. "Und das ist die Aufgabe der Ingenieure", so Sassen: "Urbanisieren Sie das Auto!"

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