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auto motor und sport-Kongress 2013

IT wird im Auto immer wichtiger

Foto: Beate Jeske 13 Bilder

Die automobile Mobilität kann nicht so bleiben, wie sie ist, wenn sie eine Zukunft haben will. „In Sao Paulo stehen die Menschen pro Jahr durchschnittlich einen Monat im Stau“, sagte Dr. Volker Breid, Geschäftsführer der Motor Presse Stuttgart, zur Begrüßung der Teilnehmer des vierten auto motor und sport-Kongresses am Donnerstag (11.4.2013) auf der Messe Stuttgart. Sao Paulo sei aber nicht der einzige Ballungsraum auf der Welt, wo die automobile Mobilität an ihre Grenzen stoße.

11.04.2013

Die Smog-Bilder aus dem letzten Winter in Peking verdeutlichten, vor welch gewaltiger Umbruchphase das Geschäftsmodell Auto und die Automobilindustrie insgesamt stehe. Mit einer durchschnittlichen Pkw-Geschwindigkeit von 16 km/h in Shanghai sei man wieder beim Postkutschentempo um 1900 angelangt. Daher müsse die Entwicklung in Richtung neuer Mobilitätskonzepte gehen, angesichts von Ballungszentren mit bis zu 250 Millionen Einwohnern, wie sie in weniger als einem halben Jahrhundert wohl Realität in Asien sein werden.

Papa, das ist peinlich.

Dass das Auto nur Zukunft hat, wenn es sauber wird, verdeutlichte Ralph Alex, Chefredakteur von auto motor und sport, mit einer Anekdote eines Toyota-Managers, der täglich seine Tochter mit dem Hybrid-Auto Prius zur Schule fährt. Als der Prius nicht zur Verfügung stand und die tägliche Fahrt mit dem SUV Hilux erfolgte, ließ sich die Tochter lieber 300 Meter vor der Schule absetzen. Auf das verwunderte Nachfragen des Vaters reagierte die Tochter mit der Antwort: „Papa, der Motor geht nicht aus, wenn wir stehen. Das ist peinlich.“

„Autofahren ist faszinierend, aber wir dürfen kein schlechtes Gewissen haben“, zitierte Alex in seiner Einführung Lanxess-Chef Axel Heitmann. Eine Umweltbelastung wie in Peking sei eine Katastrophe. Längst werden in Peking schon Dosen mit frischer Landluft verkauft, zum Stückpreis von 60 Cent. „Der Chef der Firma behält aber nicht das Geld, sondern er kauft davon Fahrräder“, so Alex.
Die Alternative zum Auto muss aber nicht allein das Fahrrad sein, meinte Alex. „Die Alternative zum Auto könnte auch das Auto sein. Saubere Autos.“

Die IT verändert auch die Autowelt

Saubere Autos auf die Straße zu bringen, das ist Joachim Schmidt, Vertriebs- und Marketingchef von Mercedes-Benz Cars, schon gelungen. Allein 300.000 Kunden hat die Carsharing-Tochter Car2Go schon gewonnen, sagte Schmidt in der Diskussion des Panels 1, das sich mit der Veränderung des Geschäftsmodells Auto durch neue Antriebstechniken und Marktplayer beschäftigte.

Die neuen Möglichkeiten der IT verändern auch radikal die Möglichkeiten der Mobilität, waren sich die Experten einig. „Dank der IT-Technik ist viel Neues denkbar“, so Mercedes-Manager Schmidt. „Wir stehen vor einer Revolution. Vor fünf Jahren hätte jeder vor Car2Go gewarnt, heute ist dank IT und neuer Techniken alles möglich. Parkplatzsuche, Autosuche, Rabatte für Smartfahrer im Parkhaus. Alles per App.“

Schmidt hielt ein Plädoyer für das Elektroauto, dem in vielen Medienberichten schon wieder das rasche Ende prophezeit werde. „Gerade in den Städten hat die Elektromobilität eine große Zukunft“, ist sich Schmidt sicher. Dazu mache das Fahren mit einem Elektroauto unheimlich Spaß.

Intel-Manager: Den Stallgeruch der Autoindustrie gerochen

Den Vorwurf, sich noch viel zu wenig den neuen Möglichkeiten der IT geöffnet zu haben, machte den Automanagern der Intel-Manager Dieter Hoffend. „Es ist interessant, den Stallgeruch der Autoindustrie zu riechen“, sagte der Chef des Großkundengeschäfts bei Intel. Doch die Zusammenarbeit von IT und Autoindustrie sei noch zu punktuell. „Es gibt Kooperationen zwischen Auto- und IT-Industrie, aber keine richtige Zusammenarbeit, um beispielsweise Standards festzulegen“, so Hoffend. Derzeit sei es so, dass die Autoindustrie etwas erfinde oder festlege. „Ich wünsche mir einen gemeinsamen Standard, auf den die Autohersteller dann Mehrwert aufsetzen.“

Eine intensivere Kooperation mit der IT-Industrie erlaube den Autoherstellern ganz neue Möglichkeiten, die derzeit gar nicht ausgeschöpft würden. „Der Himmel ist das Limit.“ Dabei sei das Auto ein „Bindeglied zwischen dem digitalen Heim und dem digitalen Office. Diese zunehmende Zeit im Stau kann man besser nutzen.“ Man müsse beispielsweise das Breitband-Netz mit dem Auto verbinden. „Sobald ich Autos als IP-Adresse ins Netz einbinde, wird es spannend.

IT ist ein CEO-Thema

Auch Burkhard Göschel, früherer BMW-Entwicklungsvorstand, sieht in der IT einen wichtigen  Treiber für die wachsende Attraktivität des Automobils. „Die Funktionalität der Elektronik wird sich verbessern und wird eine dominierende Größe werden. Die Apps sind schon im Auto integriert und der Fahrer kann neue Apps hinzufügen.“

Genau dafür müssten die Hersteller sich aber wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, so Hoffend. „Die Autoindustrie muss sich Partner in anderen Industrien suchen. Sie sollte sich auf ihre Kernkompetenz besinnen und veredeln, was die IT-Welt anbietet.“ Heute sei es so, dass die Autohändler zunehmend zu Software-Häusern werden.
Die Frage der IT werde von den Autoherstellern noch nicht ernst genug genommen. „IT ist ein CEO-Thema. Die wenigsten CEOs haben die IT aber auf der Agenda“, meint Hoffend. „Es geht da allenfalls darum, ob der Bildschirm größer ist als beim Wettbewerber, nicht aber, welche Innovationen es gibt.“

Da Hackerangriffe auf Autos eine Riesengefahr darstellen, müssten die Hersteller sicherstellen, dass die Autobesitzer zusätzliche Software installieren können, aber es müsse eine geschützte Kernsoftware geben, die das Auto steuert, so Hoffend. Das sei eine schwierige Aufgabe, die die Autohersteller nicht alleine schaffen können. „Liebe Automobilindustrie, macht es nicht alleine. Versucht es gemeinsam mit der IT-Industrie.“

Ein ganz anderes Problem, nämlich zuviel IT im Auto, sieht Burkhard Göschel. „Ich sehe schon die Diskussion aufkommen, welche Informationen wir wie dem Fahrer anbieten. Denn der Autofahrer soll fahren. Es geht also um Darstellungsformen und um die Mengen der Information.“ Das vernetzte Auto und das Einbinden von Telefon und Entertainment ins Auto sei eine Frage der Sicherheit.

Roland Berger: IT- und Autoindustrie müssen sich vernetzen

Eine stärkere Vernetzung von Auto- und IT-Industrie hält auch Ralf Kalmbach für notwendig, Mitglied der Geschäftsführung der Unternehmensberatung Roland Berger. „Die Autoindustrie ist eine sehr kapitalintensive Industrie. Sie braucht viel Geld, um Autos zu entwickeln.“ Deshalb wäre es wichtiger, die Aufgaben und damit auch die Kosten zu teilen. „Fahrzeughersteller müssen sich mit den IT-Unternehmen vernetzen, nicht nur mit den Hardware-Anbietern, sondern auch den Software-Unternehmen. Die Hersteller müssen definieren, was sie selbst entwickeln wollen und was IT-Unternehmen übernehmen. Ein intelligenter Verzicht ist die Lösung.“

Dabei sieht Kalmbach die Autohersteller vor einem Spagat. „Sie müssen in den stagnierenden entwickelten Märkten immer höhere technische Anforderungen erfüllen und in den Wachstumsmärkten Basistechnik liefern wie in Indien.“ Doch diesen Spagat müssten die Hersteller aushalten. „Diese Märkte darf man nicht aus dem Auge verlieren.“

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