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auto motor und sport-Kongress 2014

Robuste E-Autos für Afrika

Studenten der TU München und aus Nigeria zeigen nach der Mittagspause Mobilitätsmöglichkeiten für Subsahara-Afrika. Foto: Michael Rassinger

Beim globalDrive-Projekt der TU München in Zusammenarbeit mit afrikanischen Unis stellte sich heraus: Einfache E-Autos mit viel Ladefläche, die bis zu 60 km/h erreichen, genügen vollauf.

11.04.2014 Axel Mörer-Funk 1 Kommentar

Sie waren die heimlichen Stars des auto motor und sport-Kongresses: Studenten der Technischen Universität von Owerri in Nigeria und der TU München. Sie imponierten den Automanagern - aber nicht mit Hightech-Pilotsystemen oder ausgefeilter Hybridtechnik. Nein, die angehenden Ingenieure präsentierten einen Pritschenwagen, der 800 kg Last transportieren kann, ausgesprochen robust ist und dann sogar elektrisch angetrieben wird. Ein Auto für die Zukunft Afrikas.

Der Vortrag der jungen afrikanischen und deutschen Studenten löste einen echten Aha-Effekt aus. Denn plötzlich wurden Bilder von Pisten statt Straßen, von chaotischem Verkehr und einfachster Infrastruktur auf die Leinwand geworfen. Nur ein Viertel aller Straßen in Afrika sind befestigt. Auf 1.000 Einwohner kommen nur 52 Autos, in Deutschland hat fast jeder zweite ein Auto. Also werden Fahrzeuge in Afrika vor allem für den Transport von Gütern benutzt, der Personenverkehr läuft über öffentliche Systeme - oder zu Fuß und mit dem Rad.

Deshalb haben sich die Ingenieure aus Afrika und Deutschland zunächst die Probleme angeschaut und dann das dazu passende Fahrzeugkonzept entwickelt. Zunächst müssen Autos in Afrika ausgesprochen robust sein. Sie müssen die schlechten Pisten aushalten, müssen vor Ort repariert werden können und deshalb einfach konstruiert sein.

Zuverlässigkeit ist der Schlüssel in Afrika

Es geht nicht um Schnelligkeit, sondern Zuverlässigkeit. Zudem muss ein Auto heute viele Waren transportieren können, morgen besonders viele Menschen. Ein universeller Lastesel auf vier Rädern war deshalb die Lösung.

Herausgekommen ist ein einfacher Pritschenwagen, der von drei Elektromotoren angetrieben wird und 800 kg zuladen kann. Mit ein paar Handgriffen lässt sich die Ladefläche so umbauen, dass leicht auch Personen auf der Pritsche transportiert werden können. 60 km/h sind die Spitzengeschwindigkeit des Autos - völlig ausreichend für Afrika.

Ein Fahrzeugkkonzept, das zum Ende des Kongresses auch dem früheren BMW-Entwicklungschef Prof. Burkhard Göschel in seiner Zusammenfassung der Kongressergebnisse Respekt abnötigte. "Das ist eine ganz andere Welt, die sich da auftut", so Göschel. "Dort werden ganz andere, einfache Autos gebraucht. Das ist ein Markt, den unsere Autoindustrie noch nicht im Fokus hat."

Riesiger Markt tut sich in Afrika auf

Dabei ist dieser übersehene Markt riesig. In Afrika leben 911 Millionen Menschen, fast doppelt so viele wie in Europa. Ein gewaltiger Zukunftsmarkt - und ein Verdienst der jungen Studenten, dass jetzt auch die Automanager von den Bedürfnissen Afrikas mehr wissen.

Das Projekt der TU München hat auto motor und sport mit Unterstützung des Autoherstellers Smart mit 30.000 Euro gefördert. Beteiligt an der Entwicklung eines Fahrzeugkonzeptes für Afrika sind neben der TU München die Technischen Hochschulen und Institute in Owerri/Nigeria, Kumasi in Ghana und Nyeri in Kenia.

Neuester Kommentar

Hoffentlich übernehmen die Afrikaner dieses Projekt und nicht die Europäer.
Man sollte helfen ohne groß zu verdienen, das wird nicht einfach werden.
Hier sollte nicht nach dem Konzept - wer zu erst kommt, malt zu erst -
gehandelt werden.
Sonst sollten die Afrikaner einfach mehr Zoll für Einfuhren verlangen.

Wowire 21. Oktober 2016, 13:03 Uhr
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