Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

ams-Kongress 2016

Die Frau, die im Zug lebt

ams-Kongress 2016, Leonie Müller Foto: Hans-Dieter Seufert

Leonie Müller ist eine Frau, die im Zug lebt. Die Digitalisierung macht ein Leben auch auf den Achsen der Deutschen Bahn möglich.

01.04.2016 Axel Mörer-Funk

Keiner der fast 400 Automanager, die im Plenum des 7. auto motor und sport Kongresses saßen, können sich so ein Leben vorstellen. Im Auto, vielleicht. Aber ein Leben im Zug, ohne Wohnung? Die BahnCard 100, die unbegrenztes Fahren mit der Bahn erlaubt, ist Leonie Müllers Mietvertrag.

Zug-Vorurteile contra BahnCard 100

„Ich fahre nicht gerne Zug“, bekennt gleich zu Anfang eines ungewöhnliches Gespräches Ralph Alex, Chefredakteur von auto motor und sport. Züge kommen zu spät. Sie sind voll. Nicht immer sauber. Und, und, und ... Die Urteile und Vorurteile gegen die Bahn waren schnell aufgezählt. Ja, dieser Mann fährt wirklich nicht gerne Zug.

Leonie Müller kennt das. Sie lebt seit einem Jahr ohne eigene Wohnung, dafür mit einer BahnCard 100, mit der sie quer durch die Republik fährt. Sie studiert in Tübingen, ihr Freund lebt in Köln, die Mutter in Berlin und der Rest der Familie und ihre Freunde verstreut über die Republik. Ideal für jemanden, der es mal ausprobieren will, ob man auch im Zug leben kann.

ams-Kongress 2016
Die Zukunft der Mobilität ist schon da 5:05 Min.

Mietstreit führt zum Selbstversuch

Ganz offensichtlich kann man. Seit einem Jahr ist Leonie Müller auf Achse, fährt quer durch die Republik und schreibt gerade im Zug ihre Master-Arbeit – über sich selbst. Ihr Thema ist ihr Selbstversuch und wie die Medien damit umgehen.

Geplant war das nicht. „Ich hatte Streit mit meiner Vermieterin in Stuttgart“, verrät Leonie. Sie wollte dort nicht mehr wohnen. Das Ende des Studiums in Tübingen war schon in Sicht, und angesichts ihres Freundes in Köln war sie sowie viel unterwegs. Die Idee war geboren: Kann man im Zug leben?

Inzwischen kennt sie sich aus im Zug: Wo man am besten sitzen kann, welche Zugverbindungen meistens klappen und die Erkenntnis, dass der Zug ein guter Arbeitsplatz ist. „Man kennt ja keinen und wird deshalb nicht ständig unterbrochen.“ Und so kommt sie gut voran mit der Abschlussarbeit, hat den Laptop immer dabei, die Literatur ist digital gespeichert. Wenn sie Pause machen will, dann spaziert sie in den Speisewagen, trinkt Kaffee und genießt die vorbeifliegende Landschaft.

Der Hausstand passt in einen Rucksack

„Und wo waschen Sie Ihre Wäsche?“, fragt Alex neugierig. „Bei Freunden oder im Waschsalon.“ Viel zum Leben braucht die Studentin nicht. Alles passt in ihren Rucksack. „Sind Sie rastlos?“ – „Nein, es ist doch normal, dass man heute an vielen Orten lebt.“

Ihr Motiv? „Ich wollte einmal ausprobieren, wie es ist, in Deutschland unterwegs zu sein und keine Wohnung zu haben.“

Aber sie könnte ja auch im Auto leben. Müller: „Man kann deutlich besser im Zug arbeiten als im Auto.“ Und selbst, wenn es autonome Autos gibt, wird sie den Zug vorziehen. Denn der ist größer als ein Auto, bietet Raum und die Möglichkeit zu gehen. Da kann das Auto wirklich nicht mithalten.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Autokredit berechnen
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden