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auto motor und sport Kongress - Panel 1

Langfristige Strategien gefordert

auto motor und sport-Kongress Foto: Hans-Dieter Seufert 6 Bilder

Der Atomausstieg und die künftige Energiepolitik der Bundesregierung war das prägende Thema der Diskussionsrunde 1 zum Thema Energie auf dem auto motor und sport-Kongress in der Messe Stuttgart.

14.04.2011

Unter der Leitung von Moderator Bernd Ostmann, Chefredakteur von auto motor und sport, forderten Linde-Chef Wolfgang Reitzle, dena-Chef Stephan Kohler, Magna-CTO Burkhard Göschel und RWE-Manager Marcus Groll vor allem langfristige Rahmenbedingungen für die künftige Energieversorgung Deutschlands.

Reitzle: „Es gibt kein Konzept, das durchdacht ist“

Reitzle kritisierte die Bundesregierung für ihren überstürzten Atomausstieg und fehlende Energiestrategien scharf. Nach Gesprächen mit der Bundesregierung am Vorabend in Berlin zeigte sich Reitzle auf dem Kongress in Stuttgart enttäuscht und verärgert. „Es ist beängstigend. Da werden Atomkraftwerke abgestaltet, die 50 Prozent der Grundlast erzeugen.“ Dennoch gebe es überhaupt keine Strategie, wie diese Mengen ersetzt werden sollen. „Es gibt kein Konzept, das durchdacht ist.“ Es sei überhaupt nicht klar, was der Ausstieg kostet und wie die Energiemengen ersetzt werden sollen. „Es ist überhaupt nichts mehr durchdacht. Es gibt keine Planungssicherheit mehr, wir sind völlig verunsichert“, so Reitzle.

Die Industrie werde sich nun stärker in die Energiediskussion einmischen. Die sichere und bezahlbare Energieversorgung sei für den Industriestandort unverzichtbar. Die Bundesregierung forderte Reitzle auf, stärkeren Kontakt mit der Industrie zu suchen.

RWE-Manager Marcus Groll: „Der kurzfristige Ausstieg geht so nicht“

Auch der RWE-Manager Marcus Groll krisierte, das Konzepte fehlen. „Es fehlt völlig die langfristige Perspektive“, so Groll, der bei RWE den Bereich E-Mobility verantwortet. „Der kurzfristige Ausstieg geht so nicht, schon aus dem Grund der Versorgungssicherheit.“ RWE baue ein Kraftwerk für 50 Jahre, da brauche der Konzern Planungssicherheit.

Der Chef der Deutschen Energie-Agentur dena, Stephan Kohler, forderte ebenfalls Langfriststrategien. „Wir können uns nicht davon stehlen und erwarten, dass unsere Nachbarn wie Frankreich und Tschechien genug Kraftwerksleistung zubauen, um uns zu versorgen.“ 

Photovoltaik-Entwicklung ist falsch

Deshalb müsse Deutschland über Energie, Netzstabilität und Speicherkapazitäten sprechen.
Verwundert äußerte sich Kohler, wie stark manche Politiker etwa in Bayern nach Fukushima ihre Meinung zur Atomkraft geändert haben. „Isar 1 liegt in der Einflugschneise des Münchner Flughafens. Ich wundere mich über den angeblichen Erkenntnisgewinn durch Fukushiima.“ An der Lage und Gefährdung von Isar 1 habe sich durch Fukushima nichts geändert.
Änderungen forderte Kohler bei der Förderung der privaten Photovoltaik. Das EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) müsse überarbeitet werden. „Wir haben in diesem Bereich überhaupt keine Steuerung“, kritisierte Kohler. Privathaushalte könnten frei Solaranlagen bauen, der Strom müsse über 20 Jahren bezahlt werden, ohne dass es eine Netzsteuerung oder Planung gebe. „In das EEG müssen energiewirtschaftliche Steuerelemente eingebaut werden.“

Auch das RWE hält die Entwicklung im Bereich Photovoltaik für falsch. „Photovoltaik ist eine völlige Fehlentwicklung. Solarthermie in Spanien und Nordafrika ist die Zukunft“, so RWE-Manager Groll. „Dafür braucht man ein europäisches, steuerbares Netz.“ Verwundert zeigten sich vor allem dena-Chef Kohler und Magna-CTO Burkhard Göschel, dass in der aktuellen Energiedebatte Gas eine so geringe Rolle spielt und alle auf das Elektroauto warten. Gas könnte in der Mobillität eine viel größere Rolle spielen, so Kohler. „Wir haben mit Erdgas einen Energieträger, mit dem gleichen Komfort wie Benzin. Wir begeistern uns aber für eine Technik, die noch nicht im Massenmarkt verfügbar ist.“

Magna-CTO Burkhard Göschel: Gas wird wieder kommen

„Gas ist wieder im Kommen, auch im Automobilbereich“, sagte Magna-CTO Göschel. „Bislang ist der Gasantrieb nur daran gescheitert, dass der Kofferraum mit dem Tank voll war.“ Magna setze auf neue Tankarchitekturen. Zudem arbeite Magna daran, auch Lkw und Pick-ups auf Gas umzurüsten. Magna habe in den USA das Konzept schon allen drei großen Lkw-Herstellern präsentiert. Göschel zeigte sich optimistisch, dass bald die ersten Trucks in den USA mit Gas rollen werden.

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