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auto motor und sport Kongress 2015: Panel 2

Chiphersteller werden immer wichtiger

Burkhard Göschel Foto: Beate Jeske

Internet, Smartphones, Apps, Wearables: Sie alle werden das Auto der Zukunft massiv beeinflussen. Sie individualisieren das Auto, sie erschließen neue Funktionen und machen auch ganz neue Mobilitätskonzepte möglich.

09.04.2015 auto motor und sport

Teilen wichtiger als Besitzen

Gerade das Carsharing und das verkehrsübergreifende Reisen profitiert von den neuen Möglichkeiten, die das Internet und die Vernetzung bieten, wie Roland Keppler im Rahmen des auto motor und sport-Kongress vorstellte, Geschäftsführer des App-Anbieters Moovel. Moovel kombiniert car2go, mytaxi, ÖPNV, Taxizentralen, Mitfahrgelegenheiten, Mietfahrräder und den Zugverkehr in einer App.

Und das komme gerade jungen Menschen zugute, so Keppler. "Das Teilen ist für viele Menschen, vor allem für viele junge Menschen, wichtiger geworden als besitzen. Das gilt ganz besonders fürs Auto." Die Bedeutung des eigenen Autos nehme ab. War es früher üblich, dass man mit 18 ein eigenes Auto besitzt, gelte das heute nur noch zum Teil.

Autoentwicklung von Gamers oder IT-lern?

"Die großen Städte wie London, Peking und Mexiko wachsen immer schneller, und Mobilität macht in diesen Städten keinen Spaß mehr", so Kepler. Dazu gehörten nicht nur das Fahren, sondern auch das Suchen und das Bezahlen eines Parkplatzes.

Der Trend gehe deshalb klar in Richtung Carsharing und geteiltem Nutzen von Autos. So stieg die Zahl der Menschen, die Carsharing nutzen, Ende 2014 auf erstmals über eine Million in Deutschland, das war ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor.

Dr. Walter Friederichs, Managing Director und Head of Global Automotive bei der Agentur Russell Reynolds Associates in Frankfurt, die Führungskräfte vermittelt, lenkte den Blick darauf, welche Kompetenzen Führungskräfte in der Automobilindustrie heute brauchen. Ist der Maschinbauer noch der richtige an der Spitze?

"Vor 20 Jahren ging es bei der Suche nach Führungskräften vor allem um die Kompetenz. Heute geht es darum, was macht eine Führungskompetenz anders", so Friederichs. "Wenn man also das Auto weiterentwickeln will, dann kann es auch sinnvoll sein, nicht einen Automenschen an die Spitze eines Autoherstellers zu setzen, sondern einen Manager aus der IT-Welt oder aus der Gaming-Welt."

Die Kompetenz Autos zu bauen, hätten die Hersteller ja genug im Unternehmen. Deshalb sei es aktuell viel wichtiger, zur Weiterentwicklung des Autos auch Querdenker und Menschen aus ganz autofremden Branchen ins Unternehmen zu hohen.

Ex-BMW-Entwicklungschef Göschel warnt vor Abhängigkeiten der Autohersteller

Prof. Burkhard Göschel, früherer Technik-Vorstand Magna und ehemaliger Entwicklungschef von BMW, wollte mit seinem Vortrag ebenfalls die Manager aufrütteln. Er sieht die zunehmende Gefahr, dass die Autohersteller von ganz wenigen Halbleiterherstellern abhängig werden.

Göschel befürchtet, dass die hohen Anforderungen der Autohersteller an die Datenverarbeitung im Fahrzeug dazu führt, dass am Ende nur noch zwei Halbleiterhersteller diese Technik beherrschen. "Da entsteht eine enorme Marktmacht", warnt Göschel.

Zunehmend stelle sich auch die Frage, ob die Hersteller noch in der Lage seien, die Komplexität von Software, Funktionen und Prozessen zu beherrschen. Es stelle sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, dies als Hersteller zu können. Hardware und Software seien beide von zentraler Bedeutung beim Auto der Zukunft. Die Rolle der IT-Unternehmen wachse, darauf müssten sich die Autohersteller einstellen.

80 Prozent der Innovationen kommen heute aus der Elektronik. Das ist in der Branche kein Geheimnis, so Göschel. Aber der Halbleiter sei die Basis für diese Innovationen. Deshalb müsse sich die Branche um die Standardisierung kümmern. Jeder Hersteller allein sei das in Zukunft völlig überfordert.

Wearables überwachen den Fahrer

Zum Steuergerät für die heimische Heizung, zur rollenden Geldbörse und zum Datenspeicher der Lieblingsmusik wird das Auto bei Klaus Beck, Vice President Engineering, Research and Development Infotainment beim Audio- und Elektronikhersteller Harman. Er überraschte die Zuhörer, was sich alles vom vernetzten Auto aus steuern lässt. Gerade die Integration von Wearables in die Autoelektronik personalisiere das Auto immer stärker.

So könnten Wearables den Fahrer überwachen, Müdigkeit feststellen und eine Pause empfehlen. Sie könnten künftig Sekundenschlaf feststellen und gleich auch noch die Lieblingsmusik des Fahrers spielen.

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