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auto motor und sport-Kongress 2012

E-Netze, Wasserstoff- und Erdgas-Tankstellen

auto motor und sport-Kongress, Autos, alternative Antriebe Foto: Hans-Dieter Seufert

Showdown der Infrastruktur: E-Netze, Wasserstoff- und Erdgas-Tankstellen

29.01.2012 Brigitte Haschek

Die elektrische Zukunft der Automobilität scheint greifbar nahe: Die ersten Batterie-Elektroautos stehen bei den Händlern, und 2014 möchte Mercedes mit der Brennstoffzelle in den öffentlichen Verkauf. Doch ist die Technik, der Markt und die Infrastruktur überhaupt schon bereit für die große Elektrifizierung? Was wird sich durchsetzen und wie?

Schon heute kann jedes Elektroauto theoretisch überall am öffentlichen Stromnetz aufgeladen werden, aber gerade in den Städten und beim Arbeitgeber fehlt es an Lademöglichkeiten. Die langen Ladezeiten und niedrige Reichweiten verhindern zudem einen Einsatz für große Distanzen. Die ersten Feldversuche zeigen, dass der Umgang mit den klassisch kabelgebundenen Ladevarianten die Kunden vor viele Probleme stellt. Kommen deshalb komfortable Alternativen wie die induktive Ladung, und welches Potenzial haben die Schnellladevarianten wie Chademo und Co.? Machen sie in Zukunft zusammen mit erheblich größeren Akkukapazitäten das Elektroauto auch für die Langstrecke tauglich? Spielen Batteriewechselsysteme in diesem Zusammenhang in großen Ländern überhaupt eine Rolle oder wird allein die Brennstoffzelle Langstreckentauglichkeit ermöglichen? Hersteller wie Mercedes versprechen schon Brennstoffzellen-Autos zum Preis eines gehobenen Dieselmodells. Aber wird der Aufbau eines Wasserstoff-Tankstellennetzes überhaupt schnell genug umgesetzt?

Auf der anderen Seite herrscht international noch nicht mal Einigkeit über eine Norm für elektrische Ladestecker, die Herstellungskosten für Akkus sind immer noch frustrierend hoch, und das europäische Stromverbundnetz ist marode.
 
Für die effektive Nutzung von regenerativen Energiequellen aus Wind- und Solarkraftwerken benötigt man europaweit Hochspannungstrassen und Energiezwischenspeicher. Kann dieser Ausbau in dichtbesiedelten Landstrichen gegen die Interessen der Bürger durchgeführt werden? Oder bekommt die Umwandlung von Strom in Wasserstoff oder Methan vor diesem Hintergrund eine wichtige Bedeutung?

Der Atomausstieg und die knapper werdenden Ölreserven haben dem Erdgas eine dominante Rolle zugespielt. Denn Erdgas ist noch in großen Mengen vorhanden. Neue Fördermethoden haben gerade Amerika zum größten Gasproduzenten der Welt gemacht – vor Russland, dem Iran und Katar. Der europäische Erdgas-Verbrauch wird zur Zeit noch zu 67 Prozent aus europäischen Quellen gedeckt. Das wird sich ändern: Neue Pipelines werden die Abhängigkeit vom Erdgas aus Russland vergrößern. Und Russland gibt sich längst nicht mehr allein mit der Rolle des Lieferanten zufrieden. Man will auch in die Stromerzeugung einsteigen, eigene Kraftwerke betreiben.
 
Und während man in Europa noch an diversen Pipelines – North- oder South-Stream oder Nabucco -  arbeitet, droht ein ganz anderes Problem. Der energieverzehrende Aufschwung in China und die Frage: Kaufen die Chinesen künftig den Europäern das Öl weg?
 
Deutschland steht vor einem Energiewechsel. Neue Energien brauchen neue Infrastrukturen – und die stoßen einerseits auf Ablehnung, andererseits sind sie mit hohen Kosten verbunden. Bleibt auch hier die alles beherrschende Frage, ob die neuen Energien auf absehbare Zeit für den Kunden bezahlbar werden.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft