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Autobranche im Wandel

Was sich in nächster Zeit ändern wird

Martin Winterkorn, VW Foto: VW

Bernd Ostmann über die Herausforderungen der Autoindustrie und das VW-Zukunftsprogramm "Future Tracks".

04.04.2014 Bernd Ostmann

Noch nie war es so deutlich: Die Automobilbranche befindet sich im Umbruch. Neue Player wie Tesla verunsichern die Branche. Erst fährt der Newcomer in Amerika elektrisch an der Nobelkonkurrenz aus Deutschland vorbei. Jetzt will er den Markt mit preiswerten Batterien aus einer Mega-Fabrik beglücken.

VW-Chef Martin Winterkorn lässt das kalt: "Batterien kann ich heute überall in ausreichender Menge kaufen." Er wartet auf den nächsten Schub der Batterietechnologie – und verrät nur so viel: 2016 soll er kommen. In der Zwischenzeit will er die Plug-in-Hybrid-Strategie im Audi A8, A6, Q7 und VW Passat weiter ausbauen und die Kosten dabei weiter senken.

Denn der Kostendruck wächst: durch schärfer werdende Emissionsgrenzwerte, die Globalisierung mit neuen Fabriken und neuen Vertriebswegen, die Auffächerung des Produktangebots, der immer größere Wunsch nach Mobilität – und nicht zuletzt die Digitalisierung.

Hier zeigt sich die Branche gespalten: Euphorische Goldgräberstimmung auf der einen, tiefste Verunsicherung auf der anderen Seite. Opel möchte das GM-Kommunikationssystem On Star in Kombination mit einem Notfallsender in alle Modelle einführen. Und Firmenboss Karl-Thomas Neumann ist sich sicher: "Das wird unser Geschäft verändern. Wir haben den Zugang zum Kunden. Uns gehört die Stunde." So viel Zeit verbringt ein Autofahrer durchschnittlich pro Tag im Auto. Für Neumann ist klar: Das muss ein Geschäftsmodell werden.

Auf dem Genfer Salon wurden Kooperationen mit Apple gefeiert

Daran wollen allerdings noch ganz andere teilhaben – beispielsweise die IT-Branche, allen voran Apple und Google. Ferrari, Volvo und Mercedes feierten auf dem Genfer Salon Kooperationen mit Apples neuem Infotainment-System CaApple-Schreibweise: CarPlayrPlay. Mercedes bestückt damit die neue C-Klasse und sieht sich als einziger deutscher Premium-Hersteller mit diesem neuen System bereits auf der Überholspur. Stellt sich die Frage: Wer macht künftig Geschäfte mit smarten Services – und wem gehören die erhobenen Daten?

BMW hat deshalb einen Kreis von externen Spezialisten eingeladen, außerhalb des Firmengeländes diese Fragen zu beantworten. "Wir wollen keine Abhängigkeit von einem Betriebssystem", erklärt ein hochrangiger BMW-Manager. "Das ist der letzte freie Raum. Der Umgang mit den Daten ist nicht geregelt."

Experten ist längst klar: Google forscht nur am autonomen Fahren, um den Fahrer dann mit seinen elektronischen Angeboten zu unterhalten – und schließlich abzukassieren. Sei es bei den Online-Diensten direkt oder indirekt durch die gesammelten Daten. Winterkorn: "Eine andere Welt kommt auf uns zu. Die Branche steht in den nächsten Jahren vor den größten Umbrüchen seit Erfindung des Automobils." Die Digitalisierung und der sich ändernde Mobilitätswunsch der Kunden wird dabei eine Rolle spielen. "Die IT-Branche bringt ihre Technologien und Produkte in immer kürzeren Zyklen zum Kunden. Das sind Themen, die uns auch in der Automobilindustrie intensiv beschäftigen."

Schließlich ändern sich die Bedürfnisse der Kunden nicht nur immer schneller, sie unterscheiden sich auch in den verschiedenen Regionen der Welt immer deutlicher. Winterkorn mahnt: "Wir müssen unser Denken und Handeln neu justieren und schneller auf Kundenwünsche reagieren." Er fordert: "Die Modellzyklen müssen deutlich kürzer werden." Der Druck komme sowohl aus Amerika als auch von den Leasing-Kunden, die nach drei Jahren Laufzeit nach einer Neuheit Ausschau halten. Und er stellt die Frage: "Muss jedes Modell automatisch einen Nachfolger haben? Eine Frage, die unsere Branche im Kern berührt."

Mobilität im Wandel

Ein Fragezeichen macht er beispielsweise hinter den Sharan. "Brauchen wir in fünf Jahren einen Nachfolger, wenn der Trend vom Van zum SUV geht?" Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass BMW zur gleichen Zeit in Genf seinen ersten Van präsentiert. Aber eine Bereinigung der Produktpalette strebt nicht nur VW an. Der neue Peugeot-Citroën-Chef Carlos Tavares etwa meint, dass sich PSA mit zu vielen verschiedenen Typen verzettele: "Wir bringen nicht die richtige Botschaft an den Kunden."

Für Winterkorn ist klar: "Die Erwartungen der Menschen an die Mobilität wandeln sich fundamental. Die Wünsche unserer Kunden an das eigene Auto verändern sich weltweit immer schneller." Deshalb hat Volkswagen einen Kreis von Mitarbeitern zusammengezogen, um ein Zukunfts-Szenario zu erarbeiten. Sein Titel: "Future Tracks".

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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