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Teurer Fahrspaß

Autofahren wird für immer mehr Verbraucher zum Luxus

Reiseantrag Foto: Hersteller 48 Bilder

Sollte der rasante Anstieg der Autokosten ungebremst weitergehen, dann würde das Auto im Jahr 2020 rund ein Viertel der monatlichen Haushaltsnettoeinkommen verschlingen. Verbraucher sollten sich daher kritisch fragen, was sie ihre Mobilität kostet.

06.08.2009

Das Auto als Luxusgut - dabei denken die meisten Menschen an Nobelmarken wie Rolls-Royce und Bentley. Kaum einer käme auf den Gedanken, den Besitz eines ganz normalen Mittel- oder Kompaktklasse-Fahrzeugs als "Luxus" zu bezeichnen. Doch genau das könnte nach Einschätzung von Experten der Fall sein, wenn der rasante Anstieg der Autokosten ungebremst weitergeht. Denn dann würde das Auto im Jahr 2020 rund ein Viertel der monatlichen Haushaltsnettoeinkommen verschlingen - und immer weniger Verbraucher könnten sich überhaupt noch eines leisten.

Autokosten sind deutlich gestiegen

Nach Angaben der Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart sind die Autokosten im vergangenen Jahrzehnt "deutlich stärker" gestiegen als die allgemeinen Verbraucherpreise. Lagen diese im Jahr 2007 um knapp 20 Prozent über dem Niveau des Jahres 1995 (jährlicher Anstieg von 1,5 Prozent), so erhöhte sich im gleichen Zeitraum der sogenannte Kraftfahrerpreis-Index um 34,3 Prozent. Als Gründe nennt die Dekra in einer mit dem Institut für Automobilwirtschaft (IFA) in Geislingen verfassten Studie zum "Management der Cost-of-Ownership" gestiegene Spritpreise, höhere Kfz-Steuern, gestiegene Preise für Wartung und Reparaturen sowie deutlich gestiegene Wertverluste. Die Neuwagenpreise hätten sich dagegen nur unterdurchschnittlich erhöht.

Stichwort: Cost-of-Ownership

"Cost-of-Ownership" bezeichnet die Beträge, die für Kauf, Betrieb, Wartung, Reparatur und Wiederverkauf abzüglich des Restwertes eines Autos anfallen. Brisant für Verbraucher wird der Anstieg der Autokosten vor dem Hintergrund der Entwicklung der Einkommen privater Haushalte. Denn real betrachtet stagnieren der Studie zufolge die verfügbaren Einkommen seit 2003. Die realen Masseneinkommen seien bereits seit 2002 rückläufig. Den Haushalten bleibt also immer weniger Geld fürs Auto übrig, sie müssen dafür aber immer mehr Geld aufbringen. 

Auch der Ausblick der Studie macht wenig Hoffnung: "Unterstellt man, dass die in der Vergangenheit wirksamen Trends auch in Zukunft ihre Wirksamkeit behalten, ist davon auszugehen, dass die Cost-of-Ownership in den nächsten Jahren weiter ansteigen", schreiben die Verfasser der Studie. "Ihr Anteil an den monatlichen Haushaltsnettoeinkommen könnte sich von heute 20,4 Prozent auf 22,8 Prozent im Jahr 2015 und 25,0 Prozent im Jahr 2020 erhöhen." "Das Versprechen "freie Fahrt für freie Bürger" wird dann immer weniger aufgehen", sagt Björn Rickert, Referent bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Das Auto würde zum Luxusgut, das sich nur noch Vermögende leisten können.  An den Rahmenbedingungen können Verbraucher wenig ändern. Immerhin können sie aber ihre individuellen Autokosten beeinflussen.

Schon beim Kauf auf Unterhaltskosten achten


Das fängt bereits beim Kauf an. "Viele Verbraucher kaufen blind billige Autos - achten aber nicht auf die Unterhaltskosten", sagt Rickert. Zwar wissen inzwischen viele, dass der Spritverbrauch eine wichtige Kostengröße ist. Über Wartungs- und Reparaturkosten sowie den Wertverlust machten sich aber nur die wenigsten Gedanken. 

Restwertverluste sind versteckte Kosten

Auch der Marktbeobachter Nick Margetts weist auf die Bedeutung der Restwertverluste hin: Denn die stellten "den größten versteckten Kostenblock" dar, sagt der Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Jato Dynamics in Limburg. Und dass bestimmte Modelle schon nach kurzer Zulassungsdauer etliche Tausend Euro weniger Wert sind, beeinflussen der Dekra-Studie zufolge die Hersteller und Händler mit - indem sie etwa mit hohen Rabatten viele Neufahrzeuge in den Markt drücken, was eine restwertschädigende Überschwemmung des Marktes mit jungen Gebrauchtwagen zur Folge hat. Laut Nick Margetts rächt sich hier aber auch der "Spieltrieb" der Autofahrer: "Die vielen Tausend Euro, die man für schöne Sonderausstattungen ausgegeben hat, sind nach den ersten drei Jahren  kaum nennenswert beim Wiederverkauf zurückzuholen." Eigenen Berechnungen zufolge stammen bei manchen Autos 40 Prozent des Neuwagenpreises aus der Sonderausstattungspreisliste.  

Beim Autokauf immer den Rechenstift ansetzen

Als Reaktion auf steigende Kosten empfiehlt Verbraucherschützer Björn Rickert, bei den Überlegungen zum Autokauf den Rechenstift anzusetzen. Verbraucher sollten sich kritisch fragen, was sie ihre Mobilität kostet. "Brauche ich tatsächlich ein eigenes Auto für meine täglichen Wege?", so Rickert.  

Dabei helfe es, das Auto "nüchtern" als ein - relativ teures - Verkehrsmittel zu betrachten und nicht als das "goldene Kalb" der Mobilität: "Was kostet mich ein Auto, das zu 95 Prozent der Zeit herumsteht, aber zu 100 Prozent fixe Kosten verursacht?" Denn dadurch errechneten sich die zum Teil erschreckend hohen Kilometerkosten. "Die Rechnung geht schon heute nicht mehr auf", sagt Rickert. Nicht zuletzt deshalb leide die Automobilindustrie an einer Absatzkrise.

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