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Autofriedhof Kaufdorf

Alles muss raus - Der Bagger rückt an

Auto-Friedhof Foto: Hardy Mutschler 75 Bilder

Seit Montag, 21.09., knackt und kracht und kreischt es auf dem Gelände des Autofriedhofs im schweizerischen Kaufdorf. Die Bergung der Oldtimerwracks hat begonnen. Und sie wird noch lange dauern - rund 800 Fahrzeuge müssen aus dem Pappelwald geborgen werden.

24.09.2009 Powered by

Bei der Auktion am 19. September hat die Oldtimergalerie Toffen rund 530 Fahrzeuge verkauft. Über den Erlös haben Franz Messerli, der Besitzer des Autofriedhofs, und Reinhard Schmidlin, Geschäftsführer der Oldtimer Galerie Toffen, eine Stillschweigevereinbarung geschlossen. Die schweizerische Automobilrevue nennt ein Auktionsergebnis von "über 450.000 Franken", was rund 300.000 Euro entsprechen würde.

Alle 40 Sekunden fiel die Entscheidung: In die Presse oder in die Werkstatt
 
Mehr als 3.000 Bieter, Oldtimerfreunde und Schaulustige waren bei der Auktion anwesend. Jeder von Ihnen musste den Eintritt mit 15 Franken (ca. zehn Euro) bezahlen. Dafür gab es ein einmaliges Erlebnis. In etwas mehr als neun Stunden wurden die rund 800 Fahrzeuge aufgerufen, Hände zum Gebot gehoben - im  40-Sekundentakt wurde über die Zukunft der einzelnen Automobilwracks entschieden. Der Auktionator Reto Breitenmoser legte ein Tempo vor, das man selten bei einer Automobilauktion gesehen hat. Das Mindestgebot war bei allen gleich: 50 Schweizer Franken. Mit Auktionsgebühren von zwölf Prozent und der Pauschale für die Bergung mussten also mindestens 256 Franken berappt werden - etwa 170 Euro.

Rost zu Geld: Rund 600.000 Franken wechseln die Besitzer
 
Neben dem Auktionserlös kann Franz Messerli auch noch mit den Einnahmen durch die Eintrittskarten (etwa 30.000 Euro), den Katalogverkauf und die Bergekosten rechnen. Pro versteigertem Fahrzeug berechnet er eine Berge-Pauschale von 200 Franken. Bei 527 Fahrzeugen sind das 105.400 Franken (rund 70.000 Euro). 
 
Der größte Teil: Nicht einfach Schrott – Edelschrott
 
Was der Bieter für sein Geld bekommt, wenn das Fahrzeug aus dem Pappel-Wald geborgen sein wird, weiß er nicht. Denn in den Auktionsbedingungen der Oldtimer Galerie Toffen ist ganz klar zu lesen: "Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass an den verkauften Autowracks bei der Bergung und Transportbereitstellung weitere Schäden entstehen können. Für diese sind weder die OG, die Verkäuferschaft noch die für die Bergung, Transportbereitstellung und Verladung beauftragten Dritten haftbar."
 
Die meisten Fahrzeuge sind halb im Boden versunken, zwischen Bäumen eingewachsen oder unter weiteren Autoüberresten vergraben. Roger Linder, Mitarbeiter von Schrottplatz-Besitzer Franz Messerli, schafft sich mit Handsäge und hartem Körpereinsatz seinen Weg zu den Autos. Wenn der Einsatz des Baggers nicht zu verhindern ist, was in vielen Fällen der Fall ist, verwandelt sich das Autowrack mit dem ersten Zugreifen des Hydraulikgreifers zum Teileträger oder Edelschrott.

Nachgebote möglich: 275 Autos sind noch zu haben
 
Wer die Auktion verpasst hat, bekommt eine zweite Chance: Die Oldtimer Galerie Toffen führt auf ihrer Internetseite eine Liste mit den unverkauften Fahrzeugen. Derzeit (24.09.2009) umfasst sie 275 Fahrzeuge, darunter drei Auto Union 1000 S, ein BMW 2000 Touring, eine Isabella DeLuxe von Borgward, sieben DKW 3=6 und Junior, 35 Fiat, je zwei Lancia Fulvia und Flavia, ein Opel GT und acht Simca Aronde.
 
Die Internetseite des Auktionshauses informiert außerdem über die Bergung und die zur Abholung bereit stehenden Fahrzeuge. Rund 40 Fahrzeuge sind bisher geborgen worden.
 
Der Bergeprofi: "Es dauert, solange es dauert"
 
Wie lange es dauern wird, bis auch der letzte Wagen, der letzte verrottete Motor und die letzten Blechfragmente zur Schrottpresse abtransportiert wurden, ist derweil nicht abzusehen. Allen Beteiligten dürfte - spätestens nach den ersten zwei Tagen der Bergearbeiten - klar sein, dass die Räumung des Areals weit in das Jahr 2010 reichen wird. Derzeit schiebt sich Roger Linder erstmal mehrere Wege frei, um die Autowracks zwischen den Bäumen mit seinem Bagger erreichen zu können.

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