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Autoindustrie profitiert vom starken Auslandsgeschäft

Autobauer strotzen vor Optimismus

Neuwagen Transport Abwrackpr�mie Schrottplatz Foto: dpa

"Außen  hui, innen pfui" - Die deutschen Autohersteller schwächeln nach dem Abwrackboom 2009 im eigenen Land. Doch der Absatz im Ausland lässt die Kassen wieder kräftig klingeln. Vor allem die weiter boomenden Märkte in Asien verheißen Wachstum und Wohlstand.

05.07.2010

Was waren das für triste Bilder; leere Fabrikhallen, stehende Bänder, Kurzarbeit. Trotz der staatlich finanzierten Abwrackeuphorie haben die deutschen Autobauer in den vergangenen zwei Jahren die schwerste Branchenkrise durchlebt. Nur wenige Monate später ist die Tristesse nahezu verschwunden, aber nicht vergessen.

Automärkte in Asien boomen

Doch der zuletzt oft zur Schau gestellte vorsichtige Optimismus der Konzernlenker weicht zunehmend einer wieder erwachten Begeisterung - vor allem dank der boomenden Märkte in Asien. "Nicht euphorisch, aber zuversichtlich" nennt der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, die Lage. "2010 steht diese Industrie nach einem Jahr der Krise wieder auf einem festen Fundament."

Das sei auch der großen Innovationskraft der deutschen Konzerne zu verdanken. Sie hätten erkannt: "Du darfst in der Krise alles kürzen, nur nicht die Blutzufuhr zum Kopf." So seien die Entwicklungsetats im Krisenjahr 2009 um 4,4 Prozent erhöht worden. Trotzdem: Baustellen gibt es noch genug. Von den Herausforderungen an moderne und alternative Antriebe bis hin zur scharfen internationalen Konkurrenz, die Hersteller müssen noch viele Hausaufgaben erledigen.

Pkw-Exporte legten um 44 Prozent zu - Deutscher Markt schwächelt

Dabei erholt sich die deutsche Autoindustrie überraschend schnell. Im ersten Halbjahr stieg die Pkw-Inlandsproduktion um 23 Prozent auf 2,85 Millionen Fahrzeuge, fürs gesamte Jahr erwartet der VDA ein Plus von mindestens zehn Prozent. Die Pkw-Exporte erhöhten sich im Vergleich zur Vorjahresperiode sogar um 44 Prozent auf 2,16 Millionen Autos. Schwach entwickelt hat sich der Absatz in Deutschland. Im ersten Halbjahr seien 1,47 Millionen Pkw neu zugelassen worden, 29 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2009. Der Markt sei nach der Abwrackprämie "natürlich überzeichnet durch das hohe Neuzulassungsvolumen des Vorjahres", sagt Wissmann.

Trotzdem brummt es besonders bei den Luxuswagenherstellern BMW, Daimler und Audi wieder kräftig. Es werden Sonderschichten gefahren oder über Mehrarbeit und kürzere Werksferien verhandelt. Die boomenden Märkte in Asien treiben die Produktion wieder nach oben. "Das habe selbst ich nicht erwartet", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche auf einer "Handelsblatt"-Tagung in München. "Es macht ja schon fast wieder Spaß, Zeitung zu lesen." Zetsche weiß, worüber er spricht, 2009 hatte der Premiumhersteller noch tiefrote Zahlen und einen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 1,5 Milliarden Euro verbucht, nun peilt er wieder Milliardengewinne an. 

Zetsche: 2010 könnte Rekordjahr werden

Die ersten Monaten des Jahres seien besonders erfolgreich gewesen. "Auch das Gesamtjahr 2010 könnte eines der besten Jahre in der Geschichte des Automobils werden", sagt Zetsche. Gerade das Premium- Segment entwickele sich besonders dynamisch. "China kommt dabei eine Schlüsselrolle zu." Das Reich der Mitte ist mittlerweile der größte Automobilmarkt der Erde und gerade die schweren deutschen Luxuswagen erfreuen sich dort großer Beliebtheit und bescheren den Herstellern zudem große Gewinnspannen. Doch sie sind nicht allein.

Auch die Amerikaner sind wie viele andere Nationen dort aktiv. Im ersten Halbjahr verkaufte die Branchengröße General Motors in China erstmals mehr Autos als in der Heimat: 1,2 gegen 1,1 Millionen. Während in den USA wieder die Sorge umgeht, dass die Konjunktur erneut eintrübt, sind die Chinesen ungebrochen optimistisch. Um fast 50 Prozent stiegen die Verkäufe gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch auch in Schwellenländern wie Brasilien oder Indien hoffen die Hersteller künftig auf kräftigen Zuwachs.

Kurzarbeit bei allen deutschen Autoherstellern beendet

Bei den deutschen Autobauern merken das auch die Beschäftigten. Im Februar 2009 waren 273.000 Beschäftigte auf Kurzarbeit gesetzt, vor drei Monaten noch 70.000, berichtet Wissmann. Nun ist es niemand mehr. Allerdings sei mit fünf guten Monaten der vorherige Absturz nicht wettzumachen, sagt Wissmann: "Diese Krise hat enorm Substanz gekostet." Das gelte vor allem für die mittelständischen Unternehmen, etwa Zulieferer, deren Eigenkapitaldecke stark geschrumpft sei. Und auch Zetsche weiß, dass es noch viele Risiken gibt.  

USA: 14 Prozent Plus bei Neuwagenverkäufen

In den USA drückten Sorgen über die wirtschaftliche Zukunft auf die Stimmung. Die Hersteller schlugen zwar mehr Autos los als im Krisenjahr 2009. Doch von den glänzenden Geschäften der Vormonate blieben sie weit entfernt. 983.000 Neuwagen fuhren nach Berechnungen des Branchenblattes "Automotive News" im Juni von den Höfen der amerikanischen Händler. Das sind 14 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Mai, dem bisher stärksten Monat des Jahres, hatte die Branche allerdings noch rund 1,1 Millionen Autos unters Volk gebracht.

Continental steigerte den Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten um 38 Prozent auf rund 12,5 Milliarden Euro. Das um Abschreibungen und Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) werde bei wenigstens 1,2 Milliarden Euro liegen, nach 248,8 Millionen Euro im Vorjahr, teilte Conti bei Bekanntgabe vorläufiger Zahlen in Hannover mit. Für das Gesamtjahr sei es nun realistisch, dass der Umsatz gegenüber den gut 20 Milliarden Euro des Vorjahres um rund 15 Prozent gesteigert werden könne, sagte Conti- Chef Elmar Degenhart.  

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