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Autokauf

Luxus-Boom am Big Apple

Foto: press-inform 20 Bilder

Die amerikanische Autobranche wankt. GM flirtet mit Chrysler, der Benzinpreis fährt Achterbahn und die US-Kunden sind verstörter denn je. Doch deutsche Luxuskarossen sind begehrt wie nie - besonders in New York.

13.10.2008

Bei diesen Nachrichten machen selbst die Wirtschaftsweisen große Augen. Der seit Jahren schwächelnde US-Automarkt kennt nicht nur Verlierer. Brian Miller ist das beste Beispiel. Wer den Mittfünfziger mit seinen nach hinten gekämmten Haaren, ausgeblichenen Jeans, Sneakern und Schlabber-Shirt sieht, dürfte kaum auf einen der erfolgreichsten Autoverkäufer von New York schließen. Eine handvoll bunter Gallardos, ein paar 911er, hier ein Bentley, da ein SLR - der unscheinbare Verkaufsraum an der 11th Avenue hat es in sich. Schöne, Reiche und CEO's holen sich seit mehr als zwölf Jahren bei Manhattan Motors und ihrem "good friend" Brian Miller ihre automobilen Spielzeuge ab. Kein Pomp, keine Puderei - Miller sitzt hinter einem betagten Schreibtisch und zeigt auf die wenig imposante Bürokommode hinter sich. "Da drin steckt ein Vermögen", grinst er mit einem fast schon schamlosen Lächeln, das von einem Ohr bis zum nächsten reicht. Er greift wahrlos in den Stapel beiger Umschläge und zählt auf: "Bentley Brooklands, Rolls Royce Coupé, Porsche 911 - alles schon verkauft. Und hoffentlich kommt endlich bald der Panamera. Jeder der hier unterschrieben hat, hat bereits ein paar tausend Dollar Anzahlung geleistet", erzählt der wohl skurrilste Luxus-Autohändler in Big Apple.

Porsche liegt in der Käufergunst vorn

Die meisten Fahrzeuge bei Manhattan Motorcars tragen das Stuttgarter Porsche-Wappen. Zehn Porsche die Woche seien bei ihm normal, erklärt Miller emotionslos und wartet bereits auf die nächste Lieferung. "Die 911er gehen einfach am Besten - besonders die Sportversionen GT2 oder GT3, aber auch der Turbo - Hauptsache teuer. Aber auch der Cayenne ist ein Renner." Während andere Autohändler im Land der unbegrenzten Möglichkeiten um jeden Kunden kämpfen müssen und selbst Premiummarken nur mit mächtigen Rabatten im Geschäft bleiben, hat Miller ganz andere Sorgen. Viele Bestellungen laufen lange ein, bevor das erste Fahrzeug auf dem Markt ist. Dann ist warten angesagt. Pro Jahr gehen bei Manhattan Motors so mehr als 700 Fahrzeuge über den Tisch; bevorzugt Porsche, Lamborghini, Maserati, Bentley oder Spyker. Die finanzkräftigen Kunden haben genug Geld, aber niemals Zeit. Daher kommen sie gerne in der Mittagspause oder auf dem Weg zu einem der Flughäfen vorbei und geben im Vorübergehen über 150.000 Dollar oder mehr aus.

Finanzkrise macht auch Gebrauchte interessant

Doch die aktuelle Bankenkrise und der schwache Dollar machen das ganze nicht einfacher. Insbesondere die Bonuszahlungen der großen Finanzfirmen seien in diesem Frühjahr deutlich magerer ausgefallen. "Das merkt man schon. So sind auch weniger Kunden bei uns im Showroom gewesen", erzählt der Self-Made-Mann. Immer mehr Kunden würden daher zögern oder für einen gebrauchten Spaßmacher aus Zuffenhausen, Santa Agatha oder Goodwood interessieren. "Das hat es vorher nicht gegeben", erzählt Brian Miller. Doch mit Veranstaltungen wie Modeschauen, Partys oder Benefiz-Galas ließe sich das ganze wieder ausgleichen.

Vom Autowäscher zum Super-Verkäufer

Während Brian Miller mit seinem Angebot sozusagen die Spielzeug-Etage in einem automobilen Luxus-Kaufhaus abdeckt, geht es bei Jeffrey A. Roberts bodenständiger zu. Der smarte dunkelhäutige Träger von Maßanzügen hat im Kern die gleichen Kunden wie Brian Miller. Doch statt bunter Lambos und extravaganter Porsche-Kreationen bringt der Starverkäufer von Mercedes-Benz Manhattan die Luxuslimousinen für das harte New Yorker Alltagsgeschäft an Mann und Frau. Stilecht residiert die Marke mit dem Stern an der prestige- und finanzträchtigen Park Avenue im Herzen von Manhattan. Jeffrey A. Roberts und seine Geschichte kennt in dieser Ecke jeder. "Ich habe vor 16 Jahren hier als Autowäscher begonnen und mich Jahr für Jahr hochgearbeitet", erzählt der breitschultrige Modellathlet sein wahr gewordenes Automärchen. Heute ist Jeffrey nicht nur einer der begehrtesten Autoverkäufer für "the bold and the beautiful", sondern auch ein beliebter Partygast der New Yorker Prominenz.

"Wenn bei uns jemand in den Showroom kommt, dann weiß er zumeist bereits was er will. Er hat sich über die S-Klasse oder den Wochenend-SL für die Hamptons bereits informiert und will nur den Kaufvertrag unterschreiben", berichtet Roberts, "alle Kunden haben es eilig. Ihre Zeit ist das wertvollste, was sie haben. Deshalb sind wir hier an der Park Avenue. In kaum einem Mercedes-Showroom auf der Welt dürfte mehr los sein." Die Kunden sind vielschichtig und nicht selten skurril. "Vor einigen Monaten ist ein unauffällig gekleideter Mann sehr lange um einen Maybach 62 gekreist und hat sich nicht nur für Modellfeinheiten, sondern auch Preis und Lieferzeit erkundigt. Zwei Stunden später kam er ohne Ankündigung mit einem Koffer voller Bargeld zurück - mit mehr als 450.000 Dollar", erzählt der Mercedes-Verkäufer, "er hat den Wagen nach der Versicherungszusage gleich mitgenommen."

Zeit ist wichtiger als Geld

Finanzkrise hin oder her - 15 Luxuskarossen verkauft Jeffrey A. Roberts monatlich in jedem Fall. Der schwarze S 550 in Vollausstattung ist sein Bestseller. Und wer bewusst auf die Straßen von Manhattan schaut, wird sich wundern: vor welchem Wolkenkratzer steht eigentlich gerade keine S-Klasse? Für die Wochenendhäuser in den Hamptons gönnt sich der Geschäftsmann von Welt gerne einen SL, einen SLR oder bemüht die beliebte Buchstabenkombination AMG. Besonders gut laufe es im Frühjahr bei den Bonuszahlungen und vor Feiertagen wie Valentinstag oder Weihnachten. Welche Dame des Herzens freut sich nicht über einen SL 63 AMG unter dem Weihnachtsbaum?

In einem sind sich die Luxus-Car-Dealer in Big Apple einig: Sie kennen ihre Kunden und das einzige Problem - Zeit ist Geld. Da macht BMW keine Ausnahme. Aus diesem Grund haben die US-affinen Bayern direkt auf der Wall Street einen Verkaufssalon eröffnet. Das hat kein anderer Hersteller. "Hier hat kein Kunde Zeit und warten will sowieso niemand", so Jeffrey Falk, Chef von BMW of Manhattan, "besonders 6er und 7er sind beliebt. Pro Jahr verkaufen wir im Raum New York rund 18.000 Autos. Mehr sind es nur in Florida und Kalifornien." Er hat wenig Zeit. Da kommt der nächste Kunde.

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