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Branche lockt mit Rabatten

Foto: dpa

Ein Auto unterm Weihnachtsbaum - das würde die Autoindustrie gerne bei ihren Kunden sehen. Mit satten Rabatten und vorweihnachtlichen Aktionen versuchen die Automobilhersteller in den letzten Wochen des Jahres, den Absatz anzukurbeln.

19.12.2005

Die Hersteller und Händler wollen ihre Ziele bei Absatz und Marktanteil noch erfüllen. Dafür setzen sie auf Tageszulassungen, die die Statistiken nach oben korrigieren, aber auch auf Preisnachlässe. Quer durch die Branche sind alle dabei.

Der französische Hersteller Peugeot zahlt seinen Kunden ein "Weihnachtsgeld" beim Kauf einer sofort verfügbaren Limousine. Bei Chevrolet gibts einen Tankgutschein oder einen Satz Winterreifen. Selbst die wachstumsstarke asiatische Konkurrenz greift neuerdings zu Preissenkungen. Die japanische Marke Mitsubishi setzt auf "Wirtschaftswunderwochen" mit mehreren tausend Euro Kundenvorteil, Toyota bietet Niedrigzinsen für die Finanzierung an. Aber auch die so genannten Premiumhersteller fahren munter mit. Audi hat Sonderzinsen im Angebot, und der Kleinwagenhersteller Smart aus dem Hause Daimler-Chrysler tankt seinen Kunden den Forfour ein Jahr lang kostenlos voll.
"Die Branche produziert in zu vielen Werken zu viele Autos", sagt Autoanalyst Eric Heymann von der Deutschen Bank. "Deshalb werden die Fahrzeuge in den Markt hineingedrückt." Nach einer Studie des Forschungsinstituts B&D Forecast liegen die Rabatte derzeit im Schnitt bei 14 Prozent des Listenpreises. Das entspreche einem Margenverlust von 2.800 Euro pro Fahrzeug. "Auch wenn wir den Höhepunkt überschritten haben, ist das Niveau immer noch unnatürlich hoch", sagt Geschäftsführer Ferdinand Dudenhöffer.

2005: Stellenabbau und Export-Rekord

Von den Stückzahlen her ist das Jahr 2005 für die deutschen Autohersteller gut gelaufen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet mit 5,3 Millionen produzierten Fahrzeugen, das wäre der zweithöchste je erreichte Wert. Mehr als 70 Prozent der Wagen gehen ins Ausland - der Export solls richten, solange es im Inland schleppend läuft. Von den guten Zahlen darf sich aber niemand blenden lassen. Viele Käufe kommen nur durch großzügige Preisnachlässe zustande - und die drücken auf die Gewinnspannen und hinterlassen tiefe Spuren in der Bilanz. "Die Qualität des Geschäfts ist getroffen", sagt VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Die steigenden Stahlpreise bereiteten zusätzlich Probleme.

Der Wettbewerbsdruck hat viele deutsche Autobauer 2005 zu harten Schnitten und Stellenabbau gezwungen. Opel hat seit Frühjahr knapp 9.000 Stellen gestrichen, bei Mercedes fallen 8.500 Arbeitsplätze weg, bei VW sollen es Tausende von Arbeitsplätzen sein und bei Ford 1.200. Allein der "Opel-Effekt" drückt die Belegschaft der Autobranche laut VDA in diesem Jahr um 0,8 Prozent auf 767.000 Mitarbeiter. 2006 wird dieser Trend weitergehen, weil erst dann viele Pläne umgesetzt werden - nicht nur bei den Herstellern. "Die größte Gefahr für weiteren Stellenabbau ist bei den zahlreichen Zulieferbetrieben zu sehen, die den Herstellern nach Osteuropa und Asien folgen müssen", sagt Prof. Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft an der Universität Bamberg.

Mancher Autobauer leidet unter hausgemachten Problemen, zum Beispiel unter mangelnder Qualität wie Mercedes. "Bei der Haltbarkeit und Zuverlässigkeit haben die deutschen Hersteller 2005 einen Image-Schaden erlitten", sagt Autoexperte Christoph Stürmer vom Wirtschaftsforschungsinstitut Global Insight. "Auch die Debatte um Diesel-Partikelfilter im Frühjahr hat den Herstellern die Bilanz verhagelt."

Insgesamt können die Autobauer aber optimistisch in das Jahr 2006 blicken. Der Sparkurs zeigt sowohl bei Volkswagen wie auch bei Opel Wirkung, die schwarzen Zahlen sind in greifbare Nähe gerückt. Das hohe Alter der Autos auf deutschen Straßen von durchschnittlich acht Jahren und die vielen neuen Modelle auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA werden den deutschen Automarkt beleben. Nach 3,34 Millionen Neuzulassungen in diesem Jahr rechnet der Verband für 2006 mit 3,35 Millionen - allerdings auch wegen der für 2007 geplanten Mehrwertsteuererhöhung, die einen Vorzieheffekt von bis zu 80.000 Fahrzeugen bescheren soll. Was dann kommt, ist ungewiss. Anfang 2007 könnten die Autohäuser gähnend leer bleiben.

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