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Die Straßen von Abu Dhabi

Luxus um jeden Preis

Automarkt Abu-Dhabi Foto: press-inform 27 Bilder

Zum ersten Mal machte der Formel-1-Zirkus Station in Abu Dhabi und wurde zum gesellschaftlichen Großereignis. Spektakulärer als die Formel-1-Renner waren jedoch die Nobelboliden auf den Parkplätzen des neuen Yas Marina Circuits.

14.11.2009

Formel 1-Piloten und deren Boliden kann man alle zwei Wochen sehen, wenn die bekannteste Rennserie der Welt über die fünf Kontinente zieht. Doch die Monoposti haben so viel mit Serienautos gemeinsam wie die Vereinigten Arabischen Emirate mit architektonischer Zurückhaltung. Ein Spiegelbild der Automobilwelt von Abu Dhabi gab es am ersten Novemberwochenende auf den Parkplätzen des gigantischen Yas Marina Circuit und den umliegenden Hotels zu bewundern.

Ein Rolls Royce fällt in Abu Dhabi nicht auf

Nach einem gewöhnlichen Rolls Royce Phantom dreht sich im größten der Vereinigten Arabischen Emirate keiner mehr um. Doch wie ernüchternd muss es für einen stolzen Autofan aus Europa oder den USA erst sein, einen gewöhnlichen Mercedes SL zu besitzen und keinen interessiert es. Was hierzulande an der innerstädtischen Ampel durchaus noch für Aufmerksamkeit sorgt, bringt in Abu Dhabi keinen dazu, überhaupt nur vom Bordstein aufzublicken. Porsche 911 Turbo, Maserati Quattroporte, Lexus LS 460 L oder Ferrari 430 gehören ebenso zum Straßenbild wie die allgegenwärtigen beigen Toyota-Camry-Taxis oder Kleinlastwagen in heller Lackierung. Die Zahl der BMW M5 und Audi S8, die am Rennwochenende die Auffahrt zum zentralen Yas-Hotel befahren, ist ungezählt.

Wenn man auffallen will, muss man schon einen der Handvoll produzierten Lamborghini Reventon oder einen Ferrari Enzo besitzen. Am Steuer hier wie da weiß gekleidete Scheichs, die teure Automobile seit Jahren zu ihren Lieblingsspielzeugen auserkoren haben.

Auf den Porsche Panamera haben die Kunden gewartet
 
"Bereits vorab war die Nachfrage bei uns nach dem neuen Porsche Panamera riesengroß", so Danielle Stanners, Verkaufsleiterin bei Porsche Abu Dhabi, "auf eine Luxuslimousine von Porsche haben hier viele gewartet. Sportwagen und Geländewagen haben sowieso alle unserer Kunden – auch von anderen Marken." Derzeit kaufen in den Emiraten 60 Prozent aller Porsche-Kunden einen Cayenne – bevorzugt vom Typ Turbo und GTS. "Wenn der Panamera erst einmal eingeführt ist, erwarten wir eine Drittelung der Verkäufe aus Panamera, 911 und Cayenne", berichtet Danielle Stanners weiter.

Porsche verkauft mehr als Audi und Peugeot
 
Ein Blick auf die Zulassungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigt, dass der Zuffenhausener Sportwagenhersteller seine Verkaufszahlen in den letzten Jahren mehr als verdoppeln konnte. Mit mehr als 3.600 Fahrzeugen im Jahre 2008 liegen die Schwaben sogar noch vor Firmen wie Peugeot, Audi oder Jeep. Betrachtet man die lokalen Volumenmarken, so hat jedoch der Weltmarktführer Toyota in den Emiraten fest die Hosen an. Mit knapp 80.000 verkauften Autos im vergangenen Jahr haben die Japaner exakt doppelt so viele Fahrzeuge verkauft wie Konkurrent Nissan auf Platz zwei.

Toyota ist Marktführer, Mercedes beherrscht das Luxussegment
 
Besonders Fahrzeuge wie der Toyota Camry, Corolla, Yaris und Land Cruiser sind in der Wüstenregion ein Renner. Das ist kein Einzelfall. Die Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate stehen auf japanische Autos. Die Mischung aus günstigen Preisen und guter Qualität hat sich herumgesprochen. "Was soll man denn sonst fahren?", fragt einer der zigtausend Taxifahrer im Zentrum von Abu Dhabi City. Als er hört, dass der deutsche Taximarkt in Mercedes-Hand ist, schüttelt er nur den Kopf: "Das ist wirklich verrückt – auch AMG?" In den Emiraten ist Mercedes die bekannteste und renommierteste Luxusmarke. Mit knapp 8.000 verkauften Fahrzeugen im letzten Jahr ist Mercedes nicht nur Nobelmarke Nummer eins, sondern auch der erfolgreichste deutsche Hersteller. BMW konnte immerhin knapp 7.000 Fahrzeuge veräußern. Am besten laufen die großen Modelle Mercedes S-Klasse, ML und der kantige G oder BMW 7er und der X5 – bevorzugt als AMG- und M-Versionen. Dieseltriebwerke? Wo eine Tankfüllung nicht einmal 20 Euro kostet, ist für Selbstzünder kein Raum. Alles andere als unbedeutend ist in Abu Dhabi der in Stolpern geratene US-Hersteller Chevrolet. Modelle wie Tahoe, Caprice, Lumina oder Equinox sieht man an jeder Straßenecke. 15.500 verkaufte Autos sichern Platz sechs in der Zulassungsstatistik.

Kleinlaster tragen vorwiegend die Farbe Weiß
 
Fast genauso charakteristisch wie die Luxusmobile auf den Straßen von Abu Dhabi sind die kleinen und mittelgroßen Lastwagen. An jeder Ecke der Halbinsel wird seit Jahren gebaut. Materialien jeder Größe und Arbeitskräfte jeder Zahl müssen daher durch die gesamten Emirate transportiert werden. Die Kleinlastwagen von Nissan, Mitsubishi, Ford oder Toyota sind daher genauso verbreitet wie die Luxuslimousinen und Geländewagen. Eines haben Lkw- und Pkw-Modelle gemeinsam: Egal für welche Marke oder welchen fahrbaren Untersatz sich der Einwohner von Abu Dhabi sich auch entscheidet, das Auto ist bevorzugt weiß. Ganzjährige Temperaturen von weit über 30 Grad im Schatten lassen die Lackierung zu einem wichtigen Ausstattungsmerkmal werden. Denn Schatten gibt es nur in Tiefgaragen und Hotelvorfahrten. In der Sonne zeigt das Thermometer zumeist 45 bis 60 Grad.

Auffallen um jeden Preis
 
Wer mit seiner spektakulären Luxuskarosse auffallen möchte, entscheidet sich jedoch gerne für ein auffälliges Gold, ein klassisches Schwarz oder ein knalliges Rot. Das bietet wiederum Möglichkeiten für deutsche Edeltuner wie Brabus oder Mansory. Gerade für die eigene Garage in den Emiraten bestellen Kunden gleich mehrere Fahrzeuge. "Die deutschen Messen sind keine Prestigemessen", so Mansory über die alle zwei Jahre ausgerichtete Dubai Motorshow, "da sind wir im Ausland zumeist besser aufgehoben." Besonders Kunden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ordern Autos, die spektakulärer kaum sein können. Vor einigen Wochen hat Mansory einen schwarzen Rolls Royce Phantom ausgeliefert. Innen fügt sich schwarzes Leder an düsteren Klavierlack und wenig anheimelnde Karbonelemente. Auf den Kopfstützen im Fond ist in orangefarbenen Lettern ein Vorname eingestickt. "Der Rolls Royce ist das Geburtstagsgeschenk für den Sohn des Hauses. Zum 13. Geburtstag." Autos aus einer anderen Welt. Obendrein bekam der an sich 460 PS starke Brite noch einen Turbo auf seine zwölf Zylinder gesetzt - 600 PS. Ganz nebenbei ist Abu Dhabi im vergangenen Jahr zum größten Rolls-Royce-Markt der Welt aufgestiegen. China und Dubai landeten nur noch auf den Plätzen.

Brabus entwickelt speziell für den Mittleren Osten
 
Mercedes-Maßschneider Bodo Buschmann hat sein neues Schmuckstück Brabus E V12 vorrangig für den Mittleren Osten kreiert. Der erste Modell der schnellsten Serienlimousine aller Zeiten wird in diesen Tagen an einen Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgeliefert. Hubraumerweiterung, zwei Turbolader und vier Ladeluftkühler entlocken dem neuen 6,3-Liter-V12 eindrucksvolle 800 PS. Der Brabus E V12 sieht aus wie Darth Vader im schwarzen Kampfanzug. Noch brachialer als Klang und PS-Leistung brennen sich die 1.420 Nm maximales Drehmoment in den Kopf. "Die meisten Kunden für solch ein Fahrzeug kommen aus den Emiraten", so Brabus-Entwicklungsleiter Ulrich-Joachim Gauffrés, "da wollen viele Kunden besonders schnelle und exklusive Modelle wie unseren E V12.“ Für den Scheich, der seinen Namen nicht genannt haben möchte und sich bald im E V12 Nummer eins sonnt, sind spektakuläre Brabus-Renner nichts Neues: er hat bereits zehn davon. Das neue Spielzeug kostet 592.620 Euro. Sonderwünsche nicht inbegriffen. "Die mattschwarze Lackierung kostet nochmals 20.000 Euro extra. Die ist sehr aufwendig", erzählt Gauffrés weiter.

Taxis, Busse und eine U-Bahn fürs Volk
 
Doch nicht alle Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate wissen nicht wohin mit dem Geld. Immer mehr Einwohner beschweren sich über teure Autos und die in den letzten Jahren stark gestiegenen Taxi-Preise. Bisher waren Taxis in Dubai, Abu Dhabi und Bahrain die wichtigsten öffentlichen Verkehrsmittel. Seit kurzem verkehren zwischen den Hochhausvierteln die ersten Busse und die U-Bahn in Dubai ist bereits im Probebetrieb. So ändern sich auch in dem Vereinigten Arabischen Emiraten die Zeiten.

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