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Automarkt in China

Paradiesische Zustände für Autohersteller

Reise Shanghai 25 Bilder

In der Wirtschaftskrise sind überall auf der Welt die Automärkte eingebrochen - nur nicht in China. Im Gegenteil: Das Reich der Mitte hat im vergangenen Jahr die USA überholt und ist zum größten Automarkt der Welt aufgestiegen. Eine Insel der Seligen also, vor allem für deutsche Hersteller. Sie jagen von Rekord zu Rekord.

22.04.2010

Die Autowelt guckt nach China, nicht nur zu Messezeiten wie bei der am Sonntag beginnenden Autoshow in Peking.

Das Wachstum in China lag im ersten Quartal bei 77,5 Prozent

Das Wachstum in China ist schwindelerregend. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden 77,5 Prozent mehr Autos als im Vorjahreszeitraum verkauft. Für das gesamte Jahr werden mindestens 25 Prozent Wachstum auf 17 Millionen erwartet. "China ist der Markt mit dem schnellsten Wachstum und der wichtigste Markt - auch vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise", sagte Wang Xia vom Sekretariat der Auto China 2010. "Die multinationalen Autogiganten blicken alle auf China als wichtige Wachstumsquelle."
 
Die europäischen Flugverbote wegen der Aschewolke aus Island haben aber den großen Ausstellern wie Volkswagen, Mercedes oder BMW die Messevorbereitungen durchkreuzt. "Uns fehlte die Hälfte der Mannschaft", sagte eine Mitarbeiterin. "Es ging alles nur auf den letzten Drücker." Tag und Nacht sei gearbeitet worden. "Es ist irre, aber jetzt wir sind jetzt bereit." 89 Autos werden in Peking erstmals vorgestellt. Mehr als 2.100 Hersteller aus 16 Ländern sind vertreten.

China ist gutes Pflaster für deutsche Hersteller
 
"Die deutschen Hersteller haben in China einen beachtlichen Marktanteil", sagte der Präsident des Verbands der deutschen Autohersteller VDA, Matthias Wissmann, in einem Presseinterview.
"Fast jedes fünfte Auto, das in China neu zugelassen wird, zählt zu einer der deutschen Konzernmarken." Noch besser sieht es für die Hersteller hochpreisiger Fahrzeuge aus. Unter den Premiumfahrzeugen haben deutsche Marken einen Anteil von rund 80 Prozent.

China hat Nachholbedarf
 
Denn Ursachen des Autobooms sind nicht nur Konjunkturprogramm und Steueranreize, sondern auch gewachsener Wohlstand und Nachholbedarf. Hier liegt ein Schlüssel zum Erfolg der deutschen Hersteller: Die Chinesen, die es nach oben geschafft haben, zeigen es auch. Die Wagen mit dem Stern, der Niere oder den vier Ringen haben enormes Prestigepotenzial. Hinzu kommt, dass ein reicher Chinese nicht selbst fährt. Die weltweit höchsten Verkäufe der margenträchtigen S-Klassen von Mercedes oder dem 7er von BMW werden in China verzeichnet. Die deutschen Hersteller bauen spezielle Langversionen auch kleinerer Baureihen. Auf der Messe wird die Langversion der neuen 5er-Generation vorgestellt, die ab Herbst in China gefertigt wird.

Bei Billigautos dominieren die Chinesen
 
Bei den billigeren Autos sind hingegen chinesische Hersteller stark und haben dadurch ihren Anteil am Gesamtmarkt um 3,8 Punkte auf 34,6 Prozent erhöhen können, wie das Investmenthaus Morgan Stanley berichtete. Im Rennen um Marktanteile sind die chinesischen Marken Chang'an, BYD, Great Wall und Brilliance die Gewinner - während Marktführer Volkswagen mit 1,8 Punkten auf 14,7 Prozent der größte Verlierer war. Bei Zuwächsen um 60 Prozent von Januar bis März bekamen die Wolfsburger in China Kapazitätsprobleme. Auf ihrem größten Einzelmarkt wollen sie im Gesamtjahr aber mindestens mit der Marktentwicklung Schritt halten.

Chinesen mischen beim Elektroantrieb kräftig mit
 
Die heimischen Hersteller mischen auch beim Zukunftsthema Elektroantrieb kräftig mit. Anders als beim Verbrennungsmotor rennen sie nicht vorhandenen Entwicklungen hinterher, sondern kennen sich bestens mit Batterietechnologie aus, dem künftigen Herzstück der neuen Fahrzeuge. Wie wichtig die neuen Player werden könnten, zeigt die Kooperation von Daimler, dem "Erfinder des Automobils", mit Chinas Hersteller BYD, der sich seit den 90ern zum Marktführer für Batterien entwickelt hat und erst seit 2003 Autos baut. Die Stuttgarter wollen zusammen mit den Chinesen unter einer neuen Marke Elektroautos für den chinesischen Markt entwickeln und bauen. Auch Volkswagen lässt sich von BYD mit Batterien versorgen.
 
Einen anderen Weg, um weltmarktfähig zu werden, hat der private chinesische Autobauer Geely eingeschlagen. Die Chinesen haben sich die angeschlagene schwedische Traditionsmarke Volvo gekauft und holen sich damit technisches Wissen ins Haus. Für die Ex-Ford-Tochter haben die Chinesen große Pläne: In China soll mit Schweden-Know-how eine Produktion von rund 300.000 Autos pro Jahr aufgebaut werden. Damit würde der bisherige Absatz von Volvo verdoppelt. Das dürfte für die Schweden wie eine paradiesische Verheißung klingen.

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