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Automarkt in Russland

Krisen-Management

Bernd Ostmann Foto: auto motor und sport

Bernd Ostmann über den dramatischen Einbruch des russischen Marktes und die Maßnahmen, mit denen die Autohersteller darauf reagieren.

17.10.2014 Bernd Ostmann

Die Krise hinterlässt ihre Spuren. Die Kampfhandlungen in der Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen gegen Russland bremsen die Wirtschaft ein. Die Rezession trifft nun auch die Automobilindustrie.

Autoabsatz im August bei 162.500 Einheiten

Der Autoabsatz in Russland erreichte im August mit 162.500 Einheiten und einem Minus von 24,3 Prozent seinen Tiefststand. Die Autoproduktion sank im gleichen Monat sogar um 38 Prozent. Die Marktexperten von IHS haben ihre Prognose für das laufende Jahr bereits dramatisch nach unten korrigiert. Sie gehen nur noch von einem Absatzvolumen von 2,4 Millionen Autos aus – 500.000 weniger als noch vor einem Jahr vorausberechnet. Ihre Basisannahme geht dabei von keiner Eskalation der Krise aus. Trotzdem wird der Markt in den nächsten zwei Jahren weiter rückläufig sein und sich wohl erst 2017 wieder erholen.

Noch können sich einige Marken dem Abwärtstrend entziehen. Dazu gehören Mercedes und Porsche. Der Sportwagenhersteller profitiert durch den neuen Macan und kann im August um 7,4 Prozent zulegen. Mercedes fährt dank der neuen S-Klasse ein Plus von 2,6 Prozent ein und legt auch bei der Betrachtung der ersten acht Monate um 15,6 Prozent zu. Man profitiert von der Angst vor Einfuhrbeschränkungen. Sollten sich die politischen Spannungen verschärfen, dann "werden auch wir das spüren", erklärt Vertriebschef Ola Källenius, der allerdings an seinem Ziel festhält, "2014 in Russland mehr Autos zu verkaufen als im Jahr zuvor".

Probleme bei Volumenmarken

Probleme bereitet die aktuelle Situation vor allem den Volumenmarken. Am heftigsten werden die PSA-Marken Peugeot und Citroën gebeutelt. Peugeot verliert im August 37,4 Prozent, und Citroën findet mit minus 91,2 Prozent praktisch nicht mehr statt. Nicht viel besser ergeht es Ford. Im August sind es minus 50,1 Prozent, in den ersten acht Monaten 43,7 Prozent. Bei Opel ist die Situation nur geringfügig besser. Das Minus im einstigen Boom-Markt beträgt im August 37,5 Prozent.

Bei Ford und Opel hat man bereits reagiert. Dass für die Fiesta-Produktion in Köln elf Tage Kurzarbeit angemeldet wurden, hat allerdings nichts mit der russischen Krise, sondern mit der anhaltenden Marktschwäche in Südeuropa zu tun. In Russland kämpft man mit dem Problem, dass das Focus-Segment um ein Drittel zurückgegangen ist. Bereits Anfang des Jahres wurde bei Ford Sollers die Produktion angepasst. Trotzdem bleibt Russland für Ford ein strategisch wichtiger Markt, "der mittelfristig die Nummer eins in Europa wird", so ein Ford-Manager.

Opel fährt Produktion zurück

Bei Opel wird die Produktion von Astra und Chevrolet Cruze in Sankt Petersburg auf eine Schicht zurückgefahren. Mitarbeiter erhalten Abfindungsangebote. Außerdem soll Susanna Webber, ehemals bei Opel im Vorstand zuständig für Einkauf und Logistik, das Russland-Geschäft wieder ankurbeln und die Lokalisierung der Zulieferteile auf mindestens 60 Prozent vorantreiben. "Wir glauben an das langfristige Potenzial Russlands, aber Volumen und Preise sind momentan unter starkem Druck, und der Rubel verliert weiter an Wert", erklärt Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. "Wir ergreifen jetzt Maßnahmen, um das Risiko zu minimieren und auf Kurs zu bleiben."

Auch Volkswagen wird von der Krise heftig gebeutelt. Im August lag das Minus bei 33,9 Prozent. Die Reaktion: Im VW-Werk Kaluga und bei GAZ, wo VW im Auftrag den Jetta sowie Skoda Yeti und Octavia produzieren lässt, wurde die Fertigung im September für zwei Wochen gestoppt.

Japaner und Koreaner mit Vorteilen

Weit weniger dramatisch scheint die Krise die japanischen Hersteller zu treffen. Der schwächelnde Yen hilft. Toyota beklagt im August einen Rückgang um 3,1 Prozent, ist aber in den ersten acht Monaten des Jahres sogar um zwei Prozent gewachsen. Mazda steht sogar noch besser da: Im Krisenmonat August wurde ein kleines Wachstum um 0,3 Prozent verzeichnet. Und über die ersten acht Monate konnten die Japaner um 15,1 Prozent zulegen. Dies gelingt auch bei Nissan, wo das Plus über die ersten acht Monate sogar 19 Prozent betrug.

Nicht ganz so gut zieht sich Renault aus der Affäre: Man vertreibt zwar auch Dacia-Modelle unter dem Renault-Label, konnte sich der Krise aber trotzdem nicht entziehen. Im August betrug das Minus 16,7 Prozent. "Russland steht auf 'hold‘", erklärte Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn. "Es ist schwierig, heute Prognosen über die Entwicklung in Russland zu verkünden."

Renault ist Mehrheitseigner von Avtovaz, deren wichtigste Marke Lada ebenfalls heftig betroffen ist. 2002 hatte Lada noch einen Marktanteil von 73,3 Prozent. Das ist Geschichte. Im August brach der Lada-Absatz erneut um 30,3 Prozent ein. Der Marktanteil schrumpfte auf 16,3 Prozent. Und erstmals wurde die russische Traditionsmarke vom Hyundai-Kia-Konzern an der Marktspitze abgelöst. Trotzdem gibt sich Carlos Ghosn gelassen: "Wir glauben, dass Lada eine gute Zukunft in Russland hat."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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