Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Autos, die man nicht vergisst (24)

BMW 507 und Mercedes 300 SL Roadster

Foto: mkl 3 Bilder

Seit 40 Jahren schreibt Klaus Westrup über Autos in auto motor und sport. Für Motor Klassik erinnert er sich, heute an zwei Ikonen der Sportwagen-Welt, den BMW 507 und den Mercedes 300 SL Roadster.

26.01.2009 Klaus Westrup Powered by

Der Schlosspark in Schwetzingen musste schon öfter als Kulisse für automobile Schönheit herhalten, doch diesmal, im Frühling 1985, ist der Anlass ein ganz spezielles Rendezvous. 300 SL meets 507 - zwei Auto-Pretiosen aus den fünfziger Jahren, die zu ihren eigenen Denkmälern geworden sind.

Mercedes kann, BMW (noch) nicht

Mercedes hat ein fahrbereites Museumsstück geschickt"Nicht berühren" steht auf der Fahrertür des rot lackierten Cabriolets. Mit seinem runden, formschönen Popo steht es nun neben einem der wasserspeienden Hirsche, daneben sein nicht minder elegantes Pendant aus München. Bei BMW gibt es noch kein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein und folglich auch keinen vorzeigbaren 507.

Hans-Hartmut Krombach, einst Präsident des BMW-Veteranenclubs, springt in die Bresche mit seinem Privatauto. Es ist silbergrau lackiert und bis auf ein nachträglich montiertes Sportlenkrad in bestem Originalzustand.

Wer ist der Schönste im Lande? Für die meisten wohl der BMW, zumal sich hinter seiner geschwungenen Linie ein Name mit Adelsqualität verbirgt. Ein niedersächsischer Graf, Vorname Albrecht, Nachname Goertz, hat den 1955 auf der IAA in Frankfurt erstmals präsentierten Zweisitzer gezeichnet, schwungvoll, mit eindrucksvollen Proportionen.

"Die lang gestreckte Seitenlinie vermittelt das Gefühl von Tempo und Windschlüpfigkeit", sagt der Graf, der einst bei Amerikas Styling-Papst Raymond Loewy, Schöpfer der Coca Cola-Flasche, in die Lehre ging. Nur 250 Exemplare werden entstehen. Einige gehen an Hollywood-Stars wie Clark Gable, einen besorgt sich der Stuttgarter Psychiater und Kunstsammler Ottomar Domnik, der ein Leben lang auf der Suche nach dem perfekten Auto ist und es auch im 507 nicht endgültig findet.

BMW 507: Viel seltener und 20 Prozent billiger

Hinter der atemberaubenden Linie des 300 SL Roadster, der drei Jahre nach Debüt des berühmten Flügeltürers dessen Karriere fortsetzt, steht kein berühmter Name. Der österreichische Mercedes- Direktor für den Stylingbereich, Karl Wilfert, hat ihn gemacht, aber niemand spricht von einem Wilfert-Auto. Bis zum Produktionsende 1962 wird es 1.850 Exemplare geben. Im Preis übertrifft der offene SL bei seinem Debüt den BMW beträchtlich. 1957 müssen für den Roadster 32.500 Mark bezahlt werden, der BMW ist schon für 26.500 zu haben.

Er ist ja auch, was man ihm nicht ansieht, deutlich schwächer, hat keinen aufwendigen, mit Lichtbogenschweißung verbundenen Gitterrohrrahmen, sondern einfach einen soliden Kastenrahmen mit Aufbau. Sein 3,2 Liter großer Achtzylindermotor stammt aus dem braven Barockengel, kommt gerade auf 150 Pferdestärken bei nur 5.000 Umdrehungen. Die Nockenwelle des geschmeidigen V8 liegt ganz bieder zentral und betätigt die Ventile, wie bei den Allerwelts-Achtzylindern aus den USA, über Stoßstangen und Kipphebel.

Der geneigt eingebaute OHC-Sechszylinder aus dem SL, nur knapp drei Liter groß, hat schon Rennsport-Karriere gemacht, unter anderem den Gesamtsieg bei der mexikanischen Carrera Panamericana noch in Vergaserversion. Längst hat er Benzin-Direkteinspritzung, die Höchstleistung beträgt stolze 215 PS bei fast 6.000 Touren. Er besitzt eigentlich keine Ölwanne, sondern eine Ölbadewanne. Nicht weniger als 15 Liter passen ins Reservoir des Trockensumpfsystems. Thermische Probleme scheinen ausgeschlossen.

Im Nass-Sumpf des BMW-Achtzylinders planschen vergleichsweise kümmerliche fünfeinhalb Liter. Es gibt keinen Ölkühler, auch hier hat das spezifisch weit höher belastete Mercedes-Aggregat die Nase vorn. Versuchsingenieur Erich Waxenberger hätte ihn gern aus Kostengründen eingespart, aber man will auf der sicheren Seite sein. Der mit schwerem Bleifuß gesegnete Waxenberger braucht ihn besonders dringend.

Überliefert ist seine SL-Fahrt von Echterdingen bei Stuttgart nach München in 52 Minuten. Der SL fährt in Sachen Dynamik nochmals in einer anderen Liga. Der BMW 507 erreicht eine Spitze von 200 km/h, der mit fünf verschiedenen Hinterachsübersetzungen lieferbare Mercedes kommt auf 230 - in jenen Jahren atemberaubend. 200 sind so etwas wie eine Schallmauer, die Handelsvertreter in ihrem Opel Olympia Rekord müssen sich mit 125 km/h begnügen.

Die Motoren-Frage: Rennsport oder Tourenwagen

Doch nicht nur in der spezifischen und absoluten Leistung trennen die beiden Rasse-Maschinen Welten. Auch akustisch und im Benehmen sind die Unterschiede groß. Der 507 ist auch hier wieder der Verbindlichere. Es gibt ein dezentes, von der unregelmäßigen V8-Zündfolge geprägtes Verpuffen, unaufdringlich, aber ebenso keinen Zweifel daran lassend, dass nicht nur von der Intonierung her Musik drin ist.

Das SL-Triebwerk wirkt dagegen wie ein böses Tier, hustend und knallend in der Kaltlaufphase, später heiser und röchelnd, ab 4.000 Touren unter Last laut und erregend brüllend. Gewiss, man kann diesen aufregenden Sechszylinder noch im vierten Gang ruckfrei aus 1.000 Umdrehungen beschleunigen. Doch braucht man dazu einen SL?

Im 507 gelingt speziell dies mit größerem Genuss. Der kurzhubig ausgelegte Achtzylinder fühlt sich schon knapp über der murmelnden Leerlauf-Drehzahl wohl, besorgt sich seinen Stoff aus zwei Zenith-Doppelvergasern, hustet nicht, prustet nicht, fährt einfach davon, als habe er Getriebeautomatik. Es ist ein für damalige Verhältnisse perfekter Tourenwagenmotor, der geradezu irrtümlich im Bug eines der optisch rasantesten Sportwagen dieser Welt sein Dasein verbringt.

Beim Mittagessen sprechen wir über Preise. Teuer sind sie geworden, die beiden elitären Schönheiten. Der 300 SL Roadster wird Mitte der achtziger Jahren mit rund 150.000 Mark gehandelt, der BMW 507 liegt, obwohl seltener, darunter, bei 120.000. Heute kommen sie in makellosem Zustand jeweils in die Nähe von 400.000 Euro, der 507 hat monetär deutlich aufgeholt. Niemand hat diesen Schub voraussehen können, nicht einmal der berühmte Styling-Graf, dem wir die BMW-Ikone zu verdanken haben. Er selbst fuhr übrigens keinen 507, hatte - wie er einmal in einem Gespräch verriet - zu den sogenannten Traumwagen ein eher distanziertes Verhältnis.

Das Schwetzinger Festspiel neigt sich dem Ende zu. Der 507 verschwindet mit sanftem Brozzeln auf seinen riesigen 16- Zoll-Rädern in Richtung Siegener Land, der 300 SL brüllt zurück ins Schwabenland, auf seinen Stammplatz im Museum. Niemand darf ihn jetzt mehr berühren. Wir durften, sind selber berührt.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Autokredit berechnen
Anzeige