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Autos, die man nicht vergisst (8)

Intermeccanica Italia

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Seit 40 Jahren schreibt Klaus Westrup über Autos in auto motor und sport. Für Motor Klassik erinnert er sich nun. Ein italienischer Sportwagen ist an der Reihe, einer, den kaum einer kennt - der Intermeccanica Italia.

23.08.2007 Klaus Westrup Powered by

Wer Ende der sechziger Jahre auf die Frage, was er denn fahre, mit Italia antwortet, stößt auf Unverständnis und Ratlosigkeit. Italia, das ist doch ein Land und kein Auto. In Wahrheit ist es beides, ein schönes Land und ein schönes Auto.

Intermeccanica nennt sich die winzige Fabrik in einem Vorort von Turin, wo 22 Arbeiter unter der Domäne eines Tschechen in die Phalanx der Supersportwagen eindringen wollen. Sein Name ist mir entfallen, vielleicht auch, weil er ein Nobody in der italienischen Autowelt ist. Die aufregende Linie des Italia, der als Spider und Coupé das Licht der Welt erblickt, stammt von einem bekannteren Auto-Menschen. Scaglione ist italienischer Designer. Und als solcher ist es ihm natürlich unmöglich, etwas Hässliches auf die Räder zu stellen.

Sein Italia sieht betörend aus.

auch weil er sich ganz bewusst in der Linienführung an der etablierten Konkurrenz von Ferrari orientiert. Das breite Haifischmaul erinnert zusammen mit der bauchigen Frontpartie an den schon damals nicht mehr gebauten Ferrari Superfast.

Der gewünschte Effekt lässt nicht auf sich warten. Kaum einer bemerkt, dass dieser optische Ferrari kein richtiger Ferrari ist. Da er als Coupé schon für 30.000 Mark zu haben ist, darf er als eine der attraktivsten Mogelpackungen der damaligen Sportwagenwelt gelten.

Es ist der Hubraum, der im Italia seine Wirkung entfaltet. Es sind die stolzen 5,7 Liter und 310 SAE-PS, gepaart mit einem Drehmoment von 530 Newtonmeter. Nicht einmal vier Liter Öl, weniger als in einem Renault Twingo, befinden sich im Bauch der Riesenmaschine, die ihre gewaltige Kraft ganz atypisch per Vierganggetriebe an die hintere, mit Längslenkern geführte Starrachse befördert.

Sie tut es in beeindruckender Weise

Nur sieben Sekunden braucht der 1.50 Kilogramm schwere Italia auf Tempo 100, in 18 Sekunden ist er auf 160. Doch das ist nicht alles. Der Italia entpuppt sich als König der so genannten Beschleunigungselastizität. Mit einer Zeit von 28,3 Sekunden für den ab 40 km/h im großen Gang gefahrenen Kilometer distanziert er sogar den bis dato gültigen Weltmeister Morgan Plus 8 (30,7 Sekunden).

Im großen Gang von 22 bis 222 km/h

Schon ab 40 km/h zeigt der große Ford-V8 im vierten Gang spürbaren Zug, aber man kann ihn leicht noch zu einem weiteren Superlativ überreden. Das Mindesttempo in der längsten Übersetzungsstufe liegt mit 650 Umdrehungen bei nur 22 km/h. Ruckfreies Beschleunigen ist nun möglich – bis zur Höchstgeschwindigkeit von genau 222 km/h. Im großen Gang sind also 200 km/h Bandbreite gespeichert – keiner bietet mehr.

In der Verarbeitungsgüte bieten sie fast alle mehr

Das reichhaltig mit Instrumenten bestückte Cockpit ist mit einem unschönen, wie Elefantenhaut aussehenden Kunstleder eingefasst, das oben in einem stets mit Fusseln behaarten Stoffbezug endet. Der Schalthebel ruht in einer billigen Gummitülle, in die Ecken darf man nicht schauen. Die Lackierung setzt gelegentlich aus. Und auch die Passungen zeigen, dass die Intermeccanica-Truppe nicht immer einen guten Tag hat.

Ein echter Sportwagen

Dies alles ist im Verbund mit dem schlechten Geradeauslauf jenseits von 200 km/h kein Zeichen edler Automobilbaukunst. Doch es gibt gute, fadingfreie Bremsen, einen erträglichen Federungskomfort und Fahreigenschaften, die ein wenig an den Triumph TR 6 erinnern. Nach anfänglichem Untersteuern wechselt der großvolumige Zweisitzer in einen Heckschwenk, der sich mit der Kraft des Motors je nach fahrerischem Geschick modellieren lässt. Man hat es mit einem echten Sportwagen zu tun, nicht nur mit einem Showmaster.

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