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Autos für 30.000 Euro

6 Kandidaten gegen die Langeweile

Autos für Individualisten, Alle Fahrzeuge Foto: Achim Hartmann 28 Bilder

Allein die nahezu unüberschaubare Auswahl an Fahrzeugen in dieser Preisklasse wäre Anlass genug zu dieser Geschichte gewesen. Dass sich darunter sechs maximal unterschiedliche Typen befinden, macht das Thema umso spannender, oder?

06.12.2014 Jens Dralle Powered by

Hätte, wäre, wenn – jeden Mittwoch und Samstag steigt in Deutschland der Gebrauch des Konjunktivs dramatisch an, denn dann droht die Ziehung der Lottozahlen. Doch für 30.000 Euro auf dem Konto braucht es nicht zwangsläufig sechs Richtige mit Zusatzzahl. Ein zuteilungsreifer Bausparvertrag, ein vergessener Sparstrumpf oder die richtige Partnerwahl können dafür schon reichen.

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Kaufberatung Autos für Individualisten
auto motor und sport 24/2014
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Land Rover Defender fühlt sich im Gelände wohl

Und dann? Ein Auto? Ja? Ein Porsche vielleicht? Klar, mit ein bisschen Glück findet sich ein früher 911 Carrera der 997-Reihe. Oder ein nagelneuer Turbo – nur der Motor, versteht sich. Dabei gibt es für diese Summe komplette Neuwagen, darunter auch ganze Kerle, wie den Land Rover Defender 90 beispielsweise. Seit 1948 zieht er hochbeinig Furchen durch die Krume dieses Planeten, unterwarf dabei dieses oder jenes Volk, auch immer seinen Fahrer. Der hockt platt wie ein Gecko an der Hauswand dicht an der Tür, ein weiter außen montiertes Kupplungspedal findet sich wohl in keinem Fahrzeug. Doch irgendwann schrumpft man sich im kargen Interieur zurecht, nimmt das als Lenkrad getarnte Ruder – ohne Airbag, natürlich – in beide Hände und Kurs auf möglichst unwegsames Gelände.

Dort blüht der Land Rover Defender mit seinen optionalen grobstolligen Geländereifen auf. Ultrakurze Überhänge, tapfere Achsverschränkung und ein Reduktionsgetriebe sind schon im Grundpreis inbegriffen. Blöd nur, dass hierzulande befestigte Straßen vom Gesetzgeber als passendes Refugium für Automobile aller Art angesehen werden. Aber auch dort will der Defender lieb gehabt werden, bietet er doch eine hervorragende Rundumsicht und kämpft sich, nur 3,90 Meter lang, tapfer durch die betonierte Wildnis zwischen H&M, Nordsee, Fielmann und Media Markt – und wie sie alle heißen.

Natürlich, ein bisschen steif wirkt er schon, und nach Federungskomfort fragt in der Savanne auch niemand. Drehmoment kann man jedoch überall brauchen, der einzige verfügbare Motor, ein 2,2-Liter-Diesel, liefert davon 360 Newtonmeter. Der herbe Vierzylinder muss sich im Defender nicht verstellen, darf dort noch Maschine sein und jongliert die Masse von 1,9 Tonnen fleißig durch die Welt. Um Lkw zu überholen, reicht die Leistung. Aber sonst? Künstliche SUV-Dynamik? Ach was.

VW Golf GTI leistet 230 PS

Agiles Fahrverhalten ist anderswo zu Hause, im VW Golf GTI beispielsweise. Selbst als 230 PS starke Performance-Variante passt er ins Beuteschema. Viel Luft für die zahlreichen Optionen bleibt dabei natürlich nicht, was nur im Fall der praktischen hinteren Türen zu bedauern wäre. Sonst fehlt eigentlich nichts, außer einer möglichst kurvenreichen und möglichst unendlichen Landstraße. Hier nämlich schmeißt sich der Golf mit der athletischen Leichtigkeit eines Geräteturners in jede Ecke, hakt sich dort beinahe neutral in den Kurvenradius ein und kommt, etwas Gefühl im Gasfuß vorausgesetzt, schlupffrei und sehr schnell wieder heraus. Ups, vergessen, einen Gang herunterzuschalten? Macht nichts, denn das TFSI-Triebwerk entwickelt bereits bei 1.500 Umdrehungen ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern.

Überhaupt bewahrt sich der Golf auch als GTI seine volle Alltagstauglichkeit, bringt die Familie plus etwas Gepäck sicher zum Ziel, ohne dass dort alle über einen schmerzenden Rücken klagen. Natürlich federt er eher straff, aber nicht bandscheibenmordend, klingt kernig, schreit aber nicht wütend. Nein, ein Rebell wird nie aus dem Golf werden, was ja andererseits Teil des Konzepts ist. Erst lockt er mit leicht angeschärfter Optik und einem Preis-Leistungs-Verhältnis, das wohl jeder Familienrat problemlos verabschiedet. Dann packt er zu, mit tiefer Sitzposition, kräftigem Motor, direkter Lenkung, bleibt dabei aber immer diesseits der Grenze, ab der alles zu spitz, nervös oder gar zornig wäre.

Tiefe Sitzwannen im Caterham Seven 165

All das kann der Caterham Seven 165 nun wirklich nicht von sich behaupten. Was er ja gar nicht will, nein, er mag es hart, wild und ungestüm. Ein bisschen schöngerechnet haben wir ihn uns, denn der Basispreis liegt eigentlich bei 23.795 Euro. Allerdings zählen Erfindungen wie Windschutzscheibe und Verdeck samt Türen zu jenen Dingen, die den täglichen Umgang mit dem Seven erleichtern, ohne gleich als obszöner Luxus beschimpft zu werden. Obwohl, das Verdeck ... nun ja.

Sehr praktisch dagegen: Die tieferen Sitzwannen, denn dann öffnet sich der Seven jenen Interessierten, die sich bei 1,75 Metern Körpergröße weigerten, das Wachstum einzustellen. Gut, selbst jetzt wäre es vermessen, von Raumgefühl zu sprechen. Aber irgendwann sortiert man sich dann ein, drückt den Startknopf, umklammert das Lenkrad, dessen Durchmesser durchaus von handelsüblichen Untertassen übertroffen wird, und beim ersten Gasstoß schnalzt der Kopf nach hinten. Die schmalen Hinterräder ringen um Traktion, obwohl Fahrer und Beifahrer praktisch dazwischen sitzen.

Grantelnd ackert der aufgeladene Dreizylinder, schubst den Zweisitzer auf Tempo, der Wind rauscht – es ist großartig. Befreit von allen Zwängen moderner Sicherheits- und Assistenzsysteme (Vorsicht: Das gilt natürlich auch für ABS), muss der Fahrer wissen, was er tut, und das fällt leicht, denn der kleine Brite teilt sich gerne mit. Alles um einen herum erscheint riesig und träge, in 6,9 Sekunden sollen 100 km/h erreicht sein – es fühlt sich nach nicht einmal der Hälfte an. Der 658-cm³-Motor giert nach Drehzahlen, gerne bis 7.000/min, die fünf Gänge schnappen auf derart kurzen Wegen durch die Gassen, dass selbst Mazda-MX-5-Fahrer (den Roadster gäbe es übrigens auch für 30.000 Euro) bitterlich weinen.

Nissan 370Z ist ein echter Sportler

Ja, und dann steigt man um in den Nissan 370Z und fragt sich unweigerlich, ob man den Lkw-Führerschein einstecken hat. Stopp. Erst mal die eigene Sensorik rekalibrieren. Noch mal von vorne. Ja, jetzt passt es. 3,7-Liter-V6-Saugmotor, 328 PS, Sechsganggetriebe, Hinterradantrieb – viel mehr Sportwagen geht ja wohl kaum, zumindest nicht in dieser Preisklasse. Zugegeben, der Nissan zählt nicht zu den Filigrantechnikern, gibt sich rau und knorrig, will getreten und gedreht werden. Der V6 trabt eher verhalten los, braucht 4.500 Umdrehungen und mehr, lässt dann unter heiserem metallischen Klang seine Leistung spüren.

Bei 7.000/min verlangt er nach dem nächsten Gang, was beim Testwagen die optionale Automatik übernimmt – bitte gleich wieder vergessen. Mit Schaltgetriebe wirkt der Nissan 370Z deutlich lebendiger, oft und gerne auch mit dem Heck. Dann braucht’s schnelle Reflexe – eine ausreichend rückmeldende Lenkung sowie ein drifttaugliches Lenkwinkelmaximum bringt der Nissan von Haus aus mit. Und wenn es weniger aufregend vorwärtsgehen soll, stimmen sogar der Federungskomfort (für einen Sportwagen zumindest) und das Platzangebot.

Raumriese VW T5

Apropos: Wenn es einzig auf genügend Raum ankommt, kann es nur einen geben – den VW T5. Ähnlich wie der Caterham musste auch er schöngerechnet werden, doch es klappt, dank des sogenannten Original-Transporter-Bonus von 4.750 Euro, den VW derzeit gewährt. Dann passt sogar noch eine Klimaanlage in das Budget mit Zehn-Prozent-Toleranz. Natürlich ist die Caravelle mit 84 PS sehr sparsam motorisiert, mit sieben Sitzen aber nicht sparsam möbliert. Ganz ohne Multivan-Chichi destilliert sich der Fahrspaß zum Vorhandensein von nahezu unendlich viel Platz, und mancher T5-Besitzer wird sich wundern, wie viele Freunde er hat, die entweder gerade umziehen wollen oder kleinere Gruppenreisen anregen. Dabei stört sich dann auch niemand an der abwaschbaren Einrichtung, ganz im Gegenteil, so fällt die Reinigungsaktion nach Caravelle-Gebrauch überschaubar aus.

Mercedes CLA ist der edelste Testwagen

Den Mercedes CLA mag man dagegen wirklich nicht einsudeln, wenngleich der edel eingerichtete Testwagen sich abgesehen von der Motorisierung recht weit vom Basispreis entfernt. Aber bitte, er ist ein Mercedes, ein individueller obendrein.

Der aufgeladene Vierzylinder mit 122 PS kommt verhalten, dafür aber früh zur Sache. Sicher, das 1,6-Liter-Aggregat reißt kaum schwarze Löcher in das Universum, doch es gab mal eine Zeit, da definierte sich ein Mercedes nicht über Geschwindigkeit. Der Mercedes CLA 180 würde das ganz gerne, lenkt er doch beinahe sprunghaft ein, suggeriert mit direkter Lenkung und straffer Federung eine hohe Agilität. Obendrein packen die Schwaben eine umfangreiche Sicherheitsausstattung rein, verarbeiten die nicht immer hochwertigen Kunststoffe knisterfrei.

Alles schön und gut, aber nicht Mercedes genug? Die Alternative: Bei einigen Niederlassungen stehen E-Klasse T-Modelle als sehr gut ausgestattete Jahreswagen, wenngleich mit Basismotorisierung. Zugegeben, der Vergleich Neu- und Gebrauchtwagen hinkt, macht aber Spaß. Für knapp 30.000 Euro gäbe es nämlich alternativ einen Ferrari 456, zwölf Zylinder, 442 PS, mit etwas über 50.000 Kilometern auf dem Tacho. Oder doch den neuen Caterham? Willkommen in der Endlosschleife.

Nur Langeweile für 30 Riesen? Nein!

Bei dieser Auswahl erwartet hoffentlich niemand, dass nun das beste Auto dieser Preisklasse gekürt wird. Die sechs Kandidaten repräsentieren lediglich die individuellsten Möglichkeiten, mobil zu sein. Und dann gäbe es noch Limousinen, Vans, Coupés, sogar Cabrios – da sollte sich doch wirklich der persönliche Traumwagen finden lassen.

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