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VW Käfer 1200 als Autos fürs Leben

3 Generationen, 2 Hochzeiten, ein Käfer

Ein normales Auto war er am Tag der Erstzulassung, doch der ist lange her. Seit Jahrzehnten ist die Biografie der Besitzer auch die Biografie des Blechs. Heute ist der VW Käfer von Cord Seebaum ein Familienmitglied.

25.12.2013 Michael Orth

Drei Generationen, zwei Hochzeiten, ein Auto. Ein Käfer natürlich

Er wohnt hinten links in der Ecke. Es ist ein bisschen eng dort, auch im Sommer kühl und nur hell, wenn mal einer kommt in die Tiefgarage und der Bewegungsmelder die Neonröhren anschmeißt. Über ihm summt es dann leise, und kalt fällt das Licht auf sein Islandgrün. Aber er fühlt sich dort wohl in der Ecke, Nummer 15 ist sein Platz, und ganz allein ist er nie dort. Stets leistet ihm das Plastikmännchen Gesellschaft, das an seinem Innenspiegel hängt. Längst ist es ausgebleicht und der Esso-Schriftzug über seiner Brust kaum noch zu erkennen. Doch andauernd lächelt es, nicht nur, wenn jemand zwischendurch frische Blumen für die Vase bringt.

Im Alter kann der VW Käfer 1200 das Kleckern nicht ganz vermeiden

Es geht ihm auch deshalb gut, weil man sich kümmert um ihn, weil er nicht abgestellt und vergessen ist, sondern immer präsent für die, zu denen er gehört und die zu ihm gehören. Sie haben ihm den Karton eines Tintendruckers von hinten untergeschoben, weil er im Alter das Kleckern nicht ganz vermeiden kann. Die Pappe schluckt seine öligen Tropfen, und rechts am offenen Fensterschacht hat man mit reichlich Klebe-streifen die große Tüte einer Modehauskette befestigt. Damit es ihm nicht so feucht übers Blech zieht.

Cord Seebaum kennt den Käfer sein Leben lang

Dort aus der Ecke schiebt Cord Seebaum ihn raus, er traut sich nicht zu fahren, es ist zu eng. Nicht dass er den Käfer verhätscheln würde, aber wer sich so lange kennt wie die beiden, weiß, worauf beim anderen zu achten ist. Und Cord Seebaum kennt diesen Käfer sein Leben lang. Mit dem hellen Singen des Lüfterrads kommt ein Lächeln auf sein Gesicht, mit dem Blick auf den Kleingepäckträger "Ra-Bambus" die Erinnerung, wie der Vater die Ablage montiert hatte, und dann fängt er an zu erzählen, was den rechten Kotflügel angeht.

Der VW Käfer 1200 konserviert Familiengeschichte

"Meine Mutter war mit uns drei Jungs nach Hameln zum Einkaufen. Ich weiß noch, dass wir alle einen Luftballon bekommen hatten, und damit saßen wir in dem Käfer und gaben keine Ruhe. Meine Mutter jedenfalls überholte einen Traktor und blieb dabei vorne rechts an der Kartoffelschleuder hängen, die der hinter sich herzog. Deshalb ist der rechte kein Röhrchenkotflügel aus den Fünfzigern, sondern ein VW-Teil aus den Sechzigern. Es ist ein bisschen anders geformt, aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, das bei der Restaurierung zu tauschen." So konserviert der Käfer auch Familiengeschichten.

Der Elefant gehört seit an den Käfer-Schlüssel

Der Großvater kaufte ihn 1955 und schenkte ihn seinem Sohn zur Hochzeit. Der unternimmt damit 1956 die erste Reise mit seiner Frau. Sie fahren zur Ostsee. Als der Vater fünf Jahre darauf einen Dienstwagen bekommt, nimmt die Mutter den Käferschlüssel. Sie hängt daran einen kleinen, silbernen Elefanten. Der muss vor den dünnen Beinen des achtjährigen Cord gebaumelt haben, als der die ersten Fahrversuche im Wald unternimmt und nur der Vater mit schnellem Griff zur Handbremse ihn und den Käfer vor dem Abgrund rettet. Kurz darauf lernen Seebaums Brüder vom Elefant begleitet das Fahren. "1975, gerade hatte ich den Führerschein, da bin ich mit einem Freund in diesem Auto zum Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Es war meine erste längere Ausfahrt."

Der Austauschmotor 1960 kostete 495 Mark, der Einbau 7,50 Mark

Auch er, Cord Seebaum, fährt seine Frau Sabine im Islandgrün zum Standesamt. 1989 hatte der Käfer schon neun Jahre in einer Scheune gestanden. "Diesen Ehering", sagt Cord Seebaum, "hat mir meine Frau in diesem Auto an den Finger gesteckt." Er zieht den Finger aus einem Konvolut von Unterlagen und Fotos, die zum Beispiel dokumentieren, dass 1960 der Austauschmotor 495 Mark, sein Einbau 7,50 Mark gekostet hat, und zeigen, wie am Silvesterabend 2008 Seebaum Wachs in die Scheinwerferhöhlen der Kotflügel laufen lässt. Das Auto war zerlegt bis auf die letzte Schraube. Er fügt es wieder zusammen, hängt das Esso-Männchen wieder an den Spiegel, findet die Vase fürs Armaturenbrett, und schließlich, in irgendeiner Schublade, entdeckt der Vater auch den silbernen Elefanten wieder. "Natürlich hängt mein Leben nicht von diesem Auto ab", sagt Cord Seebaum. "Aber es ist untrennbar damit verbunden."

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