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Autostadt Detroit

8 Mile Road

Detroit Ford-Field Foto: press-inform / Downtown Detroit Partnership 21 Bilder

Über 300 Jahre hat Detroit bereits auf dem Buckel. Als Motor Town im Jahre 2001 seinen 300. Geburtstag feierte, zogen längst düstere Wolken über Wayne County und die Region zwischen Eriesee und Lake St. Clair.

06.01.2009

Doch in den letzten zwölf Monaten hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Weltweit hängt keine andere Stadt derart an der Autoindustrie wie Detroit, wo ab Mitte Januar mit der Detroit Motor Show die wichtigste Automesse des Jahres stattfindet.

In jedem Jahrzehnt ein Abgesang auf die Metropole Detroit

Es ist nicht die erste Krise der Metropole von Michigan. In fast jedem der letzten Jahrzehnte gab es einen Abgesang auf die 900.000-Einwohner-Stadt, die im Juli 1701 von den Franzosen gegründet wurde. Von jenen Franzosen ist heute weniger denn je zu sehen. Die französischen Automarken haben sich vor Jahren vom US-Markt zurückgezogen und in Downtown Detroit gibt es nicht einmal einen mittelmäßiges französisches Restaurant. Man isst nach wie vor Steaks, und die sind in den letzten Jahren nicht kleiner geworden. Die Innenstadt am Detroit River, die lange Jahre als die hässlichste der USA ausgezeichnet wurde, hatte sich zuletzt mächtig herausgeputzt. Doch die Zukunft scheint ungewisser denn je.

Chrysler, GM und Ford mit geringer Innovationsfreude

Hoffnungsvoll auf die nächsten Jahrzehnte blickend versenkte man in Feierstunden Zeitkapseln, die in 100 Jahren geöffnet werden sollen und bereitete sich zunehmend hoffnungsvoll auf die nächsten Jahrzehnte vor. Doch die geringe Innovationsfreude der drei großen US-Hersteller Chrysler, General Motors und Ford sowie gigantische Einflüsse der Gewerkschaften, hohe Pensionen, Gehälter und schlechte Produktionsqualität sorgten zusammen mit einer drohenden Wirtschaftskrise für Panik in der nordamerikanischen Autobranche. Derzeit sind die drei Autoherzen von Detroit praktisch pleite und werden fast ausschließlich von Finanzhilfen der US-Regierung am Leben erhalten.

Krise im Jubiläumsjahr des Ford T

Und das alles zum 100. Jubiläum der automobilen Massenproduktion. Das legendäre Modell Ford T lief im Ford-Werk Highland Park erstmals im Jahre 1909 von Band und läutete weltweit eine neue Ära der Mobilität ein.

Die Autoindustrie machte Detroit zum Boomtown der USA. Immer mehr Autohersteller und Zulieferer siedelten sich an und innerhalb weniger Jahre stieg die Bevölkerungszahl von knapp 500.000 um 1910 auf mehr als 1,8 Millionen in den 50er und 60er Jahren. Doch seither geht es in und mit Detroit abwärts - die Einwohnerzahl sank auf unter 900.000 - Tendenz fallend. Außer der Autoindustrie gibt es in Wayne County kaum nennenswerte Wirtschaftszweige. Und wer in der Stadt einkaufen möchte, schaut in die Röhre.

Außer ein paar einfachen Restaurants und ein paar Cafés gibt es nichts Nennenswertes im düsteren Zentrum. Der Aufenthaltswert ist nahezu null und so ist das öffentliche Fortbewegungsmittel "People Mover" das einzige, was die Bevölkerung seit 1987 bewegt.

Man bemüht sich Detroit auf lebendige Beine zu stellen

Detroit ist Grenzstadt zu Windsor / Kanada und seit Jahrzehnten bekannt für seine hohe Kriminalität. Legendär sind die Rassenunruhen im Jahre 1967. Hunderttausende von Einwohnern verließen Detroit in den 70er und 80ern. Viele Häuser sind verfallen und wurden nicht wieder bezogen. Seit rund zehn Jahren bemüht man sich, Detroit wieder auf lebendige Beine zu bringen.

Herunter gekommene Viertel werden abgerissen, neue Wohn- und Geschäftsviertel erstellt. Bauten wie das Renaissance Center, die Joe-Louis-Arena oder das Stadion Comerica Park bringen zaghafte Hoffnungskeime. Hoffnung auf Besserung hatten viele auch in den jungen Bürgermeister Kwame M. Kilpatrick, der im Alter von 31 Jahren 2001 das Regiment übernahm. Im Herbst letzten Jahres wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und seitdem vom deutlich weniger charismatischen Kenneth Cockrel Jr. abgelöst. Seit Jahren gilt Detroit als gefährlichste Stadt der USA. Die düsteren Viertel der Stadt befinden sich  diesseits der 8-Mile-Line.

Kein ÖPNV in der Auto-Stadt


Während hier viele Häuser verfallen und brennende Mülltonnen keine Seltenheit sind, geht es jenseits der 8-Mile-Road überaus schmuck und hübsch zu. Nette Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten sind ein krasser Gegensatz zu den Bauruinen ein paar hundert Meter weiter in den schwarzen Vierteln.
 
Außer der Autoindustrie gibt es nicht viel, was die Einwohner von Detroit und der Region Wayne County bewegt. Die Baseballmannschaft der Detroit Tigers, das Eishockeyteam der Detroit Red Wings und die Basketballer Detroit Pistons sind nach wie vor die wenigen Aushängeschilder der Region. In der Umgebung von Detroit sieht es kaum besser aus. General Motors hat seinen Sitz direkt in Detroit mit Blick auf die kanadische Seite des Detroit River; die Ford Motor Company hat mit Dearborn eine eigene Stadt im Südwesten von Detroit kreiert und Chrysler sitzt im nördlich gelegenen Auburn Hills. Dass Detroit die bedeutendste Autostadt der Welt ist, sieht man auch daran, dass die Stadt ohne U- oder S-Bahn konzipiert wurde. Die Partnerstädte sind typisch: Toyota in Japan und Turin in Italien - ebenfalls echte Autostädte.
 
Mitte Januar schaut die ganze Welt nach Detroit. Wenn hier am 11. Januar die North American International Auto Show (NAIAS) eröffnet wird, könnte sich die Zukunft von Detroit und der amerikanischen Autoindustrie entscheiden. Die Detroit Motorshow gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren, doch international wurde sie erst im Jahre 1987 als lokale Händlervereinigungen nicht weniger als die größte Automesse der USA kreieren wollten. Auf der letztjährigen NAIAS kamen mehr als 700.000 Besucher in das zentral gelegene Cobo Center und bewunderten die 44 Weltpremieren. Auf einen ähnlichen Erfolg hoffen die Messeverantwortlichen und die Bürger von Detroit auch dieses Mal. Und wohl noch nie haben so viele Augen auf Detroit geblickt.

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