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Die Straßen von Las Vegas

Die sündige Meile

Foto: press-inform 20 Bilder

Zwischen Stratosphere Tower und Mandalay Bay dreht sich entlang des Las Vegas Strip nicht alles ums Glücksspiel. Die Wüstenmetropole von Nevada liebt Autos fast mehr als Jetons, Strip Shows und Leuchtreklamen.

10.01.2010

Jede Nacht gibt es das gleiche Bild. Kaum ist die Wüstensonne hinter den rot schimmernden Hügelketten untergegangen, verwandeln die gleißend hellen Werbebotschaften den Las Vegas Boulevard in einen visuellen Super-Gau.

Der Strip wird zu Bühne - nicht zuletzt für die tausenden von Autos, die sich Nacht für Nacht im Schneckentempo an Megahotels wie Treasure Island, Hollywood Palace, Venetian oder Bellaggio vorbeischieben.

Autohändler als Attraktionen

Wolfsburg sieht sich stolz als Autostadt und auch Rüsselsheim oder Saarbrücken machen durch kaum mehr als ihre Autoproduktionsstätten ernsthaft von sich reden. In kaum einer Stadt der Welt gibt es mehr Attraktionen als in Las Vegas. Doch das Auto ist im Staat der unbegrenzten Spielmöglichkeiten weit mehr als ein schnödes Fortbewegungsmittel.

Die gigantischen Autohändler stehen den Bettenburgen des Las Vegas Strip in kaum etwas nach; liegen jedoch bevorzugt an den Ausfallstraßen Richtung Henderson im Süden der Spielerstadt. Megahändler wie Toyota Centennial oder Dodge Towbin sind in Vegas fast so bekannt wie das Circus Circus oder das Wynn-Hotel. Auto- und Finanzkrise hin oder her - hunderte von Fahrzeuge prahlen auf den Verkaufsplätzen mit ihren Vorzügen. Der Auto Mall Drive lässt keinen Zweifel daran, wie in der Gegend Geld verdient wird. BMW, Toyota, Ford und Mercedes.

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Angesichts dieser Automengen gibt es hier noch Geld zu verdienen, mag man meinen. Doch die mit Autos überfüllten Höfe sind in den USA keine Ausnahme. Der geneigte Volumenkunde wartet nicht auf sein Traummobil oder bestellt es gar. Er will nach erfolgreichem Kauf direkt damit vom Hof fahren - spätestens am nächsten Tag.

Autoverkäufer Chip mit TV-Show und Comic-Charakteren

Dodge Towbin ist zumindest optisch ein Händler wie jeder andere. Doch nicht nur im Spielermekka Las Vegas ist der stämmige Firmeninhaber bekannt wie ein bunter Hund. Chip, wie ihn hier alle nennen, ist seit dem 14. Lebensjahr in die Fußstapfen von Vater und Großvater getreten. Ehemals aus New Jersey kommend hat sich Chip mit seiner Firma Towbin USA-weit einen Namen gemacht.

Der größte Dodge-Händler des Landes ist der einzige mit einer landesweiten Fernsehshow, in der Autos verkauft werden. Die Zeiten, in denen Chip seine Autos allein wie ein amerikanischer Walter Freiwald anbot, sind lange vorbei. Mit real gewordenen Comic-Charakteren wie Blue Genius, Big Sally from Green Valley oder dem Schlangenbeschwörer ist die alle zwei Woche produzierte zum Verkaufsschlager geworden. Der immer schwarz gekleidete Chip hat mittlerweile 50 Verkäufer und macht pro Monat rund 750 Autos. "Der Durchschnittspreis für einen Wagen liegt bei 17.500 Dollar", erzählt Chop, "es gibt kein Auto, das ich nicht verkaufen kann. Die einen laufen besser - andere schlechter. Letztlich hängt es sowieso nur am Preis."

Smart statt Hummer

Davon, dass Amerikaner sich in Folge der wellenartig bewegenden Benzinpreise zunehmend zu kleineren Autos hingezogen fühlen, kann der Starverkäufer nicht bestätigen: "Der beliebteste bei uns ist der Dodge Charger." Ganz knapp dahinter liegt der Dodge RAM, der bei Townbin mittlerweile auch mit dem Saubermann-Diesel namens Bluetec verfügbar ist. Doch jüngst hat Chip die Marke Hummer vor die Tür gesetzt und stattdessen Smart ins Boot geholt. "Der Wagen wird auch bei uns laufen", ist Chip überzeugt, "es geht dabei weniger um die Größe. In Vegas will jeder auffallen. Ist hier eben eine echte Autostadt so wie Los Angeles oder Miami."

Zurück auf den Las Vegas Boulevard; eine der größten Posermeilen der Welt. Tagsüber pressen sich zehntausende von Taxis, Stretchlimousinen und Mietcabriolets über die heiße Meile in der Wüste. Die Autos fahren im Schritttempo, denn gerade Erstbesucher bekommen die Fotokameras im laufenden Verkehr kaum mehr aus der Hand. Doch schlimm wird es erst nach Sonnenuntergang. Wenn die Millionenstadt in der Wüste Nevadas in den siebten Himmel des Entertainments abhebt, dann geht auf dem Strip nichts mehr. Doch auch abseits des sechs- bis achtspurigen Boulevards der Eitelkeiten haben die Autos einen festen Platz im Unterhaltungsprogramm der Besucher. Kaum ein Casino, das nicht ein Luxuscabriolet wie ein BMW 335i Cabriolet oder die omnipotente Dodge Viper GTS an seinen Slotmachines als unerreichbaren Hauptgewinn bereit hält. Zunehmend machen sich am Strip auch Luxusautomarken mit Verkaufsräumen in den Hotels breit. Das wie ein Sonnensegel geformte Wynn-Hotel machte mit dem italienischen Nobel-Duett aus Maserati und Ferrari den Anfang. Zuletzt eröffnete im noch jungen Hotel Palazzo ein Lamborghini-Händler, der mit Gallardo und Murcielago auf Kundenfang gehen will.


Spontan Auto-Kauf: Wenn Glückritter shoppen

Luxussportwagen und erfolgreiche Glücksritter - das eine geht kaum ohne das andere. Zum einen sorgt ein Verkaufsraum an prestigeträchtiger Stelle wie Las Vegas für jede Menge Image. Zum anderen hofft man Gewinner von hohen Geldsummen mit einem Spontankauf abgreifen zu können. Das muss noch nicht einmal ein Neuwagen sein. Denn in der fünften Etage des Hotel Imperial Palace befindet sich seit Jahren eine der exklusivsten Autoausstellungen der USA. Das Besondere: jedes Auto in der Auto Collection ist käuflich zu erwerben. "Einmal hatten wir einen, der hatte nachts 150.000 Dollar gewonnen. Am nächsten Morgen besuchte er unsere Ausstellung und hat sich in ein Coupé verguckt und es direkt mitgenommen", erzählt Rob Williams. Pro Tag besuchen die Imperial-Ausstellung zwischen 2.000 und 3.000 Touristen. Schließlich wollen viele abseits von Spieltischen und einarmigen Banditen auch einmal etwas anderes sehen.

Von Mietwagen und unbezahlbaren Exoten

Da kommen Oldtimer wie ein 1938er Packard 1608 Brunn für 250.000 Dollar, ein 34er Pierce Arrow für 185.000 Dollar oder ein 53er Cadillac Ghia gerade recht. Den hatte seinerzeit Filmsternchen Rita Hayworth gefahren. Die rare Schönheit mit goldenen Felgen und beigem Lederinterieur ist einer von ehemals nur zwei gebauten Coupés dieser Art. "Derzeit leider nicht zu verkaufen", schränkt Museumsleiter und Autoverkäufer Rob Williams ein, "der Wert liegt bei vier Millionen Dollar." Es geht ganz nebenbei auch günstiger. Das preiswerteste Modell ist ein schwarzer VW Käfer von 1960 - für 16.500 Dollar. "99 Prozent der Autos in den letzten Monaten gingen nach Übersee", erzählt Willams, "insbesondere Europa. Wir verkaufen einen Oldtimer pro Tag."

Aufgebaut hatte die Autokollektion seinerzeit Ralph Engelstrad. Der Multimillionär war lange Jahre Eigentümer des Imperial Palace und bekennender Autonarr. Er besaß selbst mehr als 1.000 Fahrzeuge. Als er vor seinem Tod im Jahre 2002 aus Las Vegas wegzog, nahmen sich Rob Williams und seine Familie der Ausstellung an. Eine ähnlich kleine, aber kaum weniger exklusive Ausstellung befindet sich im Hotel Caesars Palace. Ebenfalls von morgens bis abends geöffnet und mehr als sehenswert. Zu kaufen sind die Autos jedoch nur auf besonderen Wunsch. Für viele genau die richtige Abwechslung im harten Alltag aus Glücksspiel und Showprogramm. Wer sich keines der exklusiven Nobelmodelle leisten möchte, kann sich am Strip immer noch eine Luxuskarosse mieten. Bei Junggesellenabschieden oder Partys gleichermaßen beliebt sind die überlangen Strech-Limousinen meist auf Basis von Hummer H2 oder Lincoln Town Car. Wer statt einer mobilen Party lieber selbst ins Steuer greifen möchte, mietet sich am Strip ein cooles Cabriolet von BMW, Mercedes oder Porsche. Es gibt sogar zwei rote Dodge Viper - falls es mit dem Hauptgewinn diesmal noch nicht geklappt haben sollte. Das ist eben Las Vegas.

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