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Die Straßen von Moskau

Tuning rund um den Roten Platz

Autoszene Moskau Foto: Beate Jeske 29 Bilder

Edel-Tuning in Moskau So viele exklusive Autos wie hier gibt es vielleicht noch in Hollywood. Die heißeste Marke kommt aus Deutschland und heißt Brabus. Ein Blick hinter die Kulissen der Moskauer Autoszene.

22.08.2009 Jens Katemann

Abseits der großen Ausfall­straße mit acht Fahr­spuren ist die Gegend eigent­lich unscheinbar. Wie für Moskau typisch steht ein Hoch­haus neben dem anderen, da­zwischen ein paar Grünflächen und Geschäfte. Auch die Bara­cke mit Schottervorplatz und ein etwas seltsames Betonge­bäude auf dem von Maschen­draht umzäunten Gelände las­sen wahrlich nicht darauf schließen, dass hier mehr als ein paar schrottreife Lada zu finden sind. Hinter dem Stacheldraht je­doch eröffnet sich dem Besu­cher eine völlig andere Welt.

Ein privater Sicher­heitsmann mit Maschinenge­wehr überwacht das Tuning

Das flache Gebäude entpuppt sich als ehemaliger ABC-Bun­ker aus alten Sowjet-Zeiten. Auf dessen Auffahrt warten aufgemotzte Porsche Cayenne in knalligen Farben, mit brei­ten Felgen und großen Front­schürzen auf ihre Besitzer. Weiter unten hinter einem Rolltor befindet sich die Spielwiese reicher Moskauer Auto-Freaks. Im Inneren des Bun­kers bauen Mitarbeiter der Firma Alarm Service gerade eine neue blaue Alcantara-Ein­richtung in einen blauen Lam­borghini Gallardo ein. Dane­ben bekommt ein Mercedes GL 500 eine Frischzellenkur. Den exklusiven Innenausbau des Mercedes S 600 Pullman überwacht ein privater Sicher­heitsmann mit Maschinengewehr und Kampfanzug.

Wenn der Chef anruft steht man in Russland auf

Dass der gepanzerte Pullman als Einziger auf Serienfelgen steht, hat einen Grund: "Der ist zu schwer für Tuning-Fel­gen", erläutert Alexander. Der junge Moskauer macht allein mit dem Verkauf von Tu­ning-Teilen mehrere Millionen Euro Jahresumsatz - und er ist nur einer von vielen Angestell­ten. Als Dankeschön hat ihm ein Kunde neulich ein Vertu-Handy geschickt. Preis im La­en: rund 5.000 Euro. Das Edel-Handy klingelt. Ale­xander geht ran, springt blitz­artig auf, um wie ein Soldat bei der Parade auf dem Roten Platz strammzustehen. "Wenn der Chef dran ist, steht man in Russland auf. Immer", sagt er, als er nach dem Gespräch in fragende Gesichter blickt.

Beim Tuning wird nicht gespart

Trotz Wirtschaftskrise läuft das Geschäft mit Luxusautos sehr gut. "Wir Russen sparen über­all, aber sicher nicht an un­seren Autos", sagt ein Kunde, der gerade seinen weißen BMW M5 mit einer neuen Soundanlage bestücken lässt. Das Gros der Teile, Felgen und leistungsgesteigerten Motoren kommt aus Deutschland. Tu­ning-Firmen wie AC Schnitzer, Techart oder Brabus machen in Russland einen Großteil ihrer Umsätze. Brabus ist seit 13 Jahren in Russland aktiv, hat eigene exklusive Showrooms. "Perfekter Service und persön­liche Kontakte sind ganz wich­tig", lüftet Alexander Prieb, bei Brabus für das Russland-Ge­schäft verantwortlich, das Ge­heimnis des Erfolges. Außer­dem kümmere man sich intensiv darum, den Handel mit gefälschten Brabus-Teilen einzudämmen.

Ein Büro von Brabus

Und warum stehen so viele Moskauer auf umgebaute Kleinbusse, vorzugsweise Mercedes Viano? Wer einen Tag im Auto auf Moskaus Stra­ßen unterwegs ist, weiß wa­rum. Dort wird mehr gestanden als gefahren. Der Viano ist ein fahrendes Büro. Ein Büro von Brabus, versteht sich.

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