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Autotausch

SUV für einen Tag

Foto: Beate Jeske 20 Bilder

Offroader boomen. Überzeugte Limousinen-Fahrer können das nicht verstehen. Das Cross-Road-Experiment: Lässt sich selbst ein hartnäckiger SUV-Gegner bekehren?

23.11.2008 Jens Katemann

Karl Tröster ist ein Mensch mit Prinzipien. Seit Jahrzehnten zum Beispiel leben seine Frau Gerda und er ohne Fernseher. "Da läuft meist nur Schrott. Wir hören lieber Radio oder unterhalten uns." Mit derselben Konsequenz geht er auch an die Wahl seiner Autos: Seit 35 Jahren ist der Düsseldorfer in Limousinen unterwegs, zurzeit im Mercedes E 500. Der SUV-Boom ist an ihm komplett vorbeigegangen. Selbst an einen Kombi hat der passionierte Reiter nie einen Gedanken verschwendet. Gegen Geländewagen hat er sieben Vorbehalte. Ein Wochenende im Mercedes ML 500 soll sie erschüttern.

Vorurteil eins: Geländewagen sind zu groß. Tröster schlendert um den hellblauen ML, der neben seiner E-Klasse in der Hauseinfahrt geparkt ist. Sein Blick wandert von einem Wagen zum anderen und wieder zurück. Er geht in die Knie und kneift ein Auge zu. "Wirkt auf den ersten Blick viel größer, als er ist." Sein Auge hat ihn nicht getäuscht: Der ML ist zwar rund neun Zentimeter breiter, aber fast vier Zentimeter kürzer als die E-Klasse.

Persönliches Vorurteil Nummer zwei: Offroader sind unbequem. Ohne Mühe setzt Tröster sich auf den hellgrauen Ledersitz. "Der hohe Einstieg ist viel angenehmer, als ich erwartet habe, und das großzügige Raumgefühl gefällt mir." Doch soviel Fahrkomfort wie einer Mercedes E-Klasse traut er dem ML nicht zu. Ein Druck auf den silbernen Startknopf lässt den Motor des ML zum Leben erwachen. Langsam rollt er aus der Hauseinfahrt. Die Luftfederung ist im Komfort-Modus. Trösters Straße ist in einem schlechten Zustand, doch die Tiefe der Schlaglöcher ist im ML nur schwer zu erahnen. Angesichts des sänftenartigen Fahrgefühls nickt der Rentner anerkennend.

Vorurteil drei: Geländewagen sind schwer und träge. Im Gegensatz zu Trösters E-Klasse, Erstzulassung Januar 2006, leistet der Mercedes-Achtzylinder in der aktuellen M-Klasse 388 PS. Trösters Wagen hat das Vorgänger-Aggregat mit 306 PS unter der Haube. Der 74-Jährige steuert die A 52 an. Dort aufgefahren, scheint die Siebengangautomatik in Kombination mit dem kräftigen Durchzug des Achtzylinders den Düsseldorfer nicht großartig zu beeindrucken. Kein Wunder: Ausgezeichnete Fahrleistungen ist er gewohnt. "Wieviel wiegt der ML mehr als meine E-Klasse?" fragt er dennoch nach einigen Sekunden Beschleunigung. "Fast 500 Kilo? Immerhin, das merkt man beim Fahren nicht."

Vorurteil vier: Geländewagen haben einen viel zu großen Wendekreis. An der Abfahrt Meerbusch-Büderich fährt Tröster von der Autobahn runter und dreht in einer Hauseinfahrt. "Den Wendekreis hatte ich mir größer vorgestellt", kommentiert er das Manöver. Mit 11,6 (M-Klasse) und 11,4 Metern (E-Klasse) sind die Wendekreise beider Modelle auch nahezu identisch.

Vorurteil fünf: Geländewagen sind unübersichtlich und schwer einzuparken. Zurück in der wuseligen Innenstadt der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt entwickelt der Mann sportlichen Ehrgeiz und versucht sich an immer kleineren Parklücken. Das Vorurteil vom unhandlichen Offroader bekommt er weder in der Stadt noch im Parkhaus bestätigt. Richtig eng wird es schließlich nur beim Versuch, in seine eigene enge Doppelgarage einzuparken. "Hinter meine Fiat Spider, die ich vor meinem ersten Strich-Achter-Mercedes gefahren bin, konnten wir noch unser Motorrad abstellen", erzählt der 74-Jährige. Heute passt die Mercedes E-Klasse neben dem Opel Astra-Kombi seiner Frau gerade noch rein.

Geht es auch mit dem ML? Ein kritischer Blick in die Außenspiegel und das Display mit dem Bild der Rückfahrkamera, die Einparkhilfe piepst in kurzen Abständen. Es geht. Nur beim Aussteigen wird es eng. Die M-Klasse ist breiter, und in Trösters Garage zählt jeder Zentimeter. "Da müssten wir wohl für meine Frau ein neues, kleineres Auto kaufen", lacht der Rentner, nachdem er sich durch den schmalen Spalt zwischen der Tür und dem benachbarten Astra gezwängt hat.

Vorurteil sechs: Die Ladekante von Geländewagen ist zu hoch. Ein großer Kofferraum ist für einen Autofahrer mit Zwei-Personen-Haushalt kein triftiges Kaufargument. Das bequeme Einladen der Einkäufe für einen 74-Jährigen dagegen schon. Hier offenbart der ML aus Trösters Sicht die einzige kleine Schwäche. "Der große Kofferraum mag ja bei sperrigen Gegenständen praktisch sein. Doch im Alltag stört mich die hohe Ladekante." Für die Fotografin lädt der Rentner dennoch zwei Wasserkästen minutenlang ein und aus.

Obwohl Karl Tröster, ein sehr guter Reiter, heute nur noch selten mit dem Anhänger oder über Feldwege zu abgelegenen Reitställen fährt, will er den ML trotzdem im Gelände ausprobieren. Dass ihm das SUV-Fahren mittlerweile - es ist Samstagnachmittag - Spaß macht, ist zu spüren. Der Schlamm spritzt hörbar in den Radkästen, die Insassen werden kräftig durchgeschüttelt. Tröster bleibt auf dem Feldweg im Wald dennoch stur auf dem Gas: "Sensationell, das macht richtig Laune." Der kritische Gesichtsausdruck des überzeugten Limousinen-Fahrers ist einem Grinsen gewichen. An der Tankstelle kehrt jedoch die Ernsthaftigkeit zurück.


Vorurteil Nummer sieben: Geländewagen verbrauchen zuviel Kraftstoff. "Der schluckt bestimmt ordentlich", ist der Rentner sicher. Mit Hilfe des Kassenzettels überschlägt er den Verbrauch der M-Klasse. "Gut zwei Liter mehr als bei der E-Klasse. Das geht noch." Ob er sich einen SUV kaufen würde? Nach dem Wochenende war Karl Tröster beim Mercedes-Händler, um eine Preisliste zu holen - "nur mal so".

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