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Autowracks in Namibia

Rust in Peace

Autowracks in Namibia, Wüste Foto: Dieter Losskarn 19 Bilder

Sie ruhen seit Jahrzehnten in der Wüste, dienen dabei mal als Wegmarkierung, Schießscheibe oder auch als Heimat für Planzen und Tiere. Ein Streifzug durch das Outback Namibias, wo für Autowracks die Zeit langsamer zu verrinnen scheint als anderswo.

27.02.2014 Dieter Losskarn Powered by

Mit durchdrehenden Rädern schlingert der Hudson Terraplane über die Sandpiste, hält direkt auf ein Bergmassiv zu. Und zieht dabei eine gewaltige, weithin sichtbare Staubfahne hinter sich her. Die beiden Insassen sind Diamantendiebe. Sie haben es nicht nur geschafft, über ein Dutzend der wertvollen Klunker aus einem streng bewachten Sperrgebiet in der namibischen Wüste zu schmuggeln, sondern sind außerdem im Auto des Minendirektors unterwegs.

Hudson als Zielscheibe in der Geisterschlucht

Doch die Sicherheitskräfte sind ihnen bereits dicht auf den Fersen. Kurz vor Erreichen der Geisterschlucht platzt ein Vorderreifen am Fluchtfahrzeug. Der Hudson kommt ins Schleudern, dreht sich ein paar Mal und kommt in einer Staubwolke zum Stehen. Als diese sich lichtet und die Diebe aus dem Auto springen, schauen sie direkt in die Mündungen der Gewehre ihrer Verfolger. Noch bevor die Schmuggler ihre Revolver aus den Gürteln ziehen können, sterben sie im Kugelhagel. Seither spuken ihre Seelen durch die Geisterschlucht, nutzen Jäger den in der Wüste verbliebenen Hudson schon mal als Zielscheibe.

Eine weitere Version über die Geschichte dieses Autos handelt von einem deutschen Familienvater, der in den 1930er Jahren einen Sonntagsausflug mit Frau und Kindern unternommen haben soll. Als besagter Hudson Terraplane am Ghost Canyon seinen Geist aufgab, soll der Mann so wütend geworden sein, dass er das Auto kurzerhand abfackelte. Doch eigentlich ist es egal, welche Geschichte nun wahr ist - der Hudson Terraplane steht heute noch fotogen auf dem Terrain der Klein-Aus-Vista-Farm in der südlichen Namib.

Mahnmale in der Wüste

Das trockene Klima Namibias hat überall im Land die patinierten Monumente einstiger Mobilität hinterlassen. Meist blieben sie dort liegen, wo sie zusammenbrachen, so wie der Peugeot 404, der einst hinter einer Sanddüne am Brandberg gestrandet ist. Aufgrund der gewaltigen Entfernungen und der Streckenbeschaffenheit lohnte es sich meistens nicht, die Fahrzeuge zu bergen.

Knapp 30 Jahre nachdem Carl Benz das Automobil erfunden hat, wurde der Südwesten Afrikas zur deutschen Kolonie. Die Schutztruppe brachte Tonnen von Material ins Land einschließlich vieler Lkw und Pkw. Mit dem Ersten Weltkrieg verlor der Kaiser Deutsch-Südwest-Afrika an die Südafrikaner. Diese wiederum brachten viele englische und vor allem amerikanische Fahrzeuge ins Land. In den folgenden Jahren siedelten sich viele Deutsche als Farmer in Namibia an und importierten über die Jahre immer wieder Autos aus ihrer ehemaligen Heimat. Wenn die Kisten nicht mehr liefen, blieben sie einfach irgendwo auf ihrem Land stehen.

Ein Treffpunkt für Autofans

Auf Farmen konzentriert sich daher heute das rostige Gold. Doch selbst in entlegenen Regionen werden die rotbraunen, teilweise perfekt in die Landschaft integrierten Metallskulpturen seltener. Grund ist der Stahlhunger in China: Namibia exportiert tonnenweise Schrott per Schiff dorthin.

Erst in letzter Zeit wächst im Land das Bewusstsein dafür, die historischen Relikte zu erhalten. Vorreiter des namibischen "Rostschutzes" ist Manni Goldbeck. Er besitzt mit der "Gondwana Collection" mehrere Unterkünfte im Land, zu denen seit zehn Jahren auch das "Canon Roadhouse" in der Nähe des Fish River Canyon zählt.

Um Besucher in das einsam gelegene Rasthaus zu locken, schleppten die Manager das auffällige Wrack eines alten Ford-Lastwagens vor die Einfahrt. Und: Viele Farmer aus der Umgebung erhielten, wann immer sie ihren vierrädrigen "Schrott" mitbrachten, das Bier umsonst. Der Rest ist Geschichte, das "Canon Roadhouse" entwickelte sich mehr und mehr zu einem einzigartigen Automobilmuseum, sozusagen zum Zentrum der Wrack-Konservierung im südlichen Namibia und gleichermaßen zu einem charmanten Treffpunkt für Menschen mit Benzin im Blut.

"Rust in Peace" - "Roste in Frieden" - ist das Motto in Manni Goldbecks wunderbarem Rostschutzgebiet.

Reise-Tipp Namibia

Autofans sollten im südlichen Namibia unbedingt im "Canon Roadhouse" einkehren. Besitzer Manni Goldbeck hat den einsamen Wüsten-Stützpunkt in der Nähe des Fish River Canyon zu einem liebevollen Auto-Museum hergerichtet, in dem man auch sehr gut übernachten kann. Infos: "Canon Roadhouse" (www.gondwana-collection.com). Ebenfalls ein Tipp: die Gästefarm "Klein-Aus Vista" (www.klein-aus-vista.com) sowie das "Hotel Helmeringhausen" (www.helmeringhausennamibia.com).

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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