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AvD-Histo-Monte 2011

Kehr-Woche in Ligurien

AvD-Histo-Monte 2011 Foto: Hardy Mutschler 25 Bilder

Zum 17. Mal lockte die AvD-Histo-Monte auf die Spuren der Rallye Monte-Carlo. 61 Starter der Winterrallye bekamen in diesem Jahr alles geboten, was beim Rallyefahren Spaß macht - bis auf Schnee und Eis.

03.11.2011 Dirk Johae Powered by

Olrando Dall'Ava hat seine kleine Welt oberhalb von San Remo zu einer Fundgrube für Rallyefans gemacht. Die Wände seiner Pizzeria in San Romolo sind mit Fotos von Rallyes und mit Rallyeschildern aus den 70er und 80er Jahren behängt. Der Ligurier hält so für sich selbst und seine Gäste die Erinnerung an die Zeit wach, in der er selbst aktiv war.

Es waren die Jahre, in denen die Rallye-Weltmeisterschaft zum ersten Mal ausgetragen wurde, die Jahre der Blüte des Sports mit einer großen Zahl von Werksteams und Privatiers. Dall’Ava setzte auf italienische Marken und Tuner - selbstverständlich. Er fuhr auf Fiat, auf von Virgilio Conrero getunten Opel-Fahrzeugen, auf Alfa Romeo und Lancia.

Als die Fulvia das Maß der Dinge war

1973 startete er mit einer Lancia Fulvia HF 1.6 bei der Rallye Monte-Carlo, dem Auftakt der ersten Saison in der Rallye- Weltmeisterschaft, schied aber vorzeitig aus. Die Fulvia war ab 1972 das Maß der Dinge im Rallyesport. Sandro Munari und dessen Beifahrer Mario Mannucci setzten mit dem Gesamtsieg bei der Monte 1972 ein Ausrufezeichen, der Markentitel folgte. Mit dem 1.6 HF, schon in der Serienversion 115 PS stark, baute Lancia das Topmodell des kantigen Coupés, das auch einige Privatfahrer für ihre Rallyestarts nutzten.

Wenn das Feld der Histo-Monte auf den Dorfplatz von San Romolo einzieht, werden bei der Familie Dall’Ava viele Erinnerungen wach. Allein drei Lancia Fulvia mit dem charakteristischen V4-Motor gehören in diesem Jahr zum Starterfeld. Eine davon steuert Reiner Seume. "Ich habe ein Auto gesucht, das für den Einsatz stabil genug und mit überschaubaren Kosten zu reparieren ist", erläutert der Düsseldorfer. "Obwohl die Fulvia filigran aussieht, ist sie sehr robust." Dagegen erfüllen die Reparaturkosten nicht ganz die Vorstellungen von Seume. "Das habe ich mittlerweile gelernt", schmunzelt der 57-jährige Inhaber der Uhrenfirma Elysee.

Untrennbare Verbindung: Die Monte und Walter Röhrl

Die Monte - in den 70ern und 80ern erlebte die Mutter aller Rallyes ihre Blüte. Die Alpine aus Dieppe in der Normandie und die Lancia Fulvia aus Turin markierten als Siegerwagen Anfang der Siebziger den Beginn eines Aufstiegs der vor 100 Jahren zum ersten Mal ausgetragenen Veranstaltung, die in der Gruppe-B-Zeit gipfelte. In Deutschland verfolgten viele das Geschehen in den französischen Seealpen, wenn Walter Röhrl um den Gesamtsieg kämpfte. Vier Mal gewann der lange Regensburger die Monte.

Auch wenn er bei der AvD-Histo-Monte nicht am Start steht, ist Röhrl irgendwie doch immer mit dabei: bei Reinhard Stahl beispielsweise. Der Opel-Händler aus dem Sauerland startet mit einem weißen Opel Commodore 2.8 GS Coupé. Mit diesem Modell, allerdings ausgerüstet mit einem Einspritzmotor, bestritt Röhrl gemeinsam mit Jochen Berger seine erste Rallye Monte-Carlo.

Das Coupé war zu groß und erwies sich als anfällig. Röhrl musste die "Commode" auf den verschneiten Straßen hart rannehmen, die Bremsen des seriennahen Gruppe- 1-Autos waren den Belastungen einer Rallye nicht gewachsen. Letztlich sorgte eine gebrochene Antriebswelle für den Ausfall. Allerdings wurden Röhrl und Berger noch gewertet. Und der angehende Weltmeister hatte eine Erkenntnis gewonnen: "Wenn du's hier kannst, kannst du's überall."

Auf diesen Spuren wandelt Reinhard Stahl mit seinem Commodore. "Den haben wir 1975 als Neuwagen an einen Architekten verkauft", erzählt Stahl. Später kaufte er das weiße Coupé mit schwarzem Vinyldach im originalen Zustand zurück und setzt das Auto nun zum ersten Mal bei der Histo-Monte ein.

Vater-Sohn-Duell mit Deutschem Rallyemeister

Mit Dieter Göbel als Beifahrer gut gerüstet, läuft es zunächst gut; bei der zweiten Etappe gewinnt das Team die Tageswertung. Aber auf der zweiten Prüfung des dritten Tages am malerischen Lac d'Aiguebelette lässt sich Reinhard Stahl zunächst zu viel Zeit und muss dann schneller fahren, um die verlorene Zeit aufzuholen. In einer Kurve rutscht er von der Straße in den Graben. Dabei nimmt die Radaufhängung Schaden, zwei Reifen sind platt und der rechte Kotflügel des ehemaligen Architekten-Autos ist beschädigt.

Dank der Hilfe von zwei Teams kann Stahl weiterfahren und erreicht schließlich auch das Ziel im verregneten Hafen von Monte-Carlo auf Gesamtrang vier. Damit gewinnt Dieter Göbel das Familienderby gegen Sohn Peter, den vierfachen Deutschen Rallyemeister. Auch die Histo-Monte hat Peter Göbel schon mehrfach gewonnen, zwei Mal mit seinem Stammfahrer Matthias Kahle.

Das erfolgreichste deutsche Rallye-Paar, das seit zehn Jahren für den heimischen Skoda-Importeur antritt, ist sowohl mit aktuellen als auch mit historischen Fahrzeugen der tschechischen Traditionsmarke erfolgreich. "Wir wollen natürlich unseren dritten gemeinsamen Gesamtsieg herausfahren", erklärt Matthias Kahle. "Aber letztlich braucht man immer das nötige Quäntchen Glück".

Ohne technische Probleme rollt Kahle mit dem Skoda 110R gewohnt Material schonend über die insgesamt rund 1.700 Kilometer lange Strecke. Aber am Ende fehlt genau das bisschen Glück, das den Sieger von den Verfolgern trennt: Matthias Kahle und Peter Göbel werden Fünfte.

Müller/Meggle holen den Gesamtsieg

Eine ordentliche Portion Glück brauchen auch anderen Starter. Gleich auf der ersten Etappe müssen Lorenz Imhof und Michael Heinrich ihren Triumph Dolomite Sprint am Straßenrand parken. Diagnose: defekte Lichtmaschine. Doch der AvD-Pannenservice organisiert eine neue Lichtmaschine und baut sie ein. Für das Team mit schweizerischem Fahrer und deutschem Beifahrer im englischen Youngtimer geht damit die Histo-Monte glücklicherweise auch nach dem ersten Etappenziel in Colmar weiter. Am Ende platzieren sie sich sogar noch auf dem elften Platz im Gesamtklassement.

Ganz oben auf der Ergebnisliste steht dagegen von Beginn an ein Team, das im vergangenen Jahr richtig Pech hatte: Burkhard Müller und Jürgen Meggle waren 2010 kurz vor dem Ziel mit Motorschaden ausgeschieden, diesmal übernehmen sie am ersten Tag mit ihrem Pagoden-Mercedes den Platz an der Spitze und verteidigen die Führungsrolle bis ins Ziel. "Nach so viel Pech bei der Histo-Monte in den vergangenen Jahren tut jetzt ein bisschen Glück sehr gut", erklärt Müller.

Histo-Monte hat treue Fangemeinde

Unter der Leitung von Gaby Triefenbach hat die Histo-Monte wieder eine große und treue Fangemeinde erobert. Dazu zählen auch Horst und Jörg Friedrichs: Mit ihrem selbst aufgebauten Opel Ascona A ist das Vater-und-Sohn-Team aus der Eifel zum fünften Mal am Start. "Es ist die einzige große Veranstaltung, die wir im Jahr fahren können", betont Friedrichs Junior. "Mehr lässt der Terminplan nicht zu."

Zuhause betreiben die beiden eine Tankstelle. Nach Feierabend erfüllte sich Horst Friedrichs den Traum eines Rallye-Ascona A. Sechs Jahre dauerte es, bis der grüne Zweitürer einsatzbereit war. "In der 70er Jahren habe ich mit so einem Apparat Rallyes bestritten", erzählt Horst Friedrichs. "Ich bin auch in der Deutschen Rallye Meisterschaft gestartet, in der Walter Röhrl damals alles überstrahlt hat."

Jetzt sitzt Friedrichs wieder am Steuer eines Ascona, folgt in den klassischen Monte-Prüfungen wie der Chartreuse oder dem Col de Turini wie im benachbarten italienischen Ort Bajardo den Spuren der deutschen Rallye-Ikone. Bestens motiviert vom dritten Platz im Vorjahr setzt sich das Team im Spitzenfeld fest und erreicht das Ziel auf dem zweiten Rang. Damit verweisen sie Klaus Peter Thaler auf den dritten Platz, immerhin einen ehemaliger Gesamtsieger der Histo-Monte.

Kaum Schnee zu sehen

Aber nicht alle Teams schielen auf eine gute Platzierung, sondern genießen Landschaft und kurvige Straßen. Die Route führte von Deutschland aus über den direkten Weg nach Frankreich. Nach Zwischenstationen in Colmar und Archamps nahe Genf erreicht das Feld die Mittelmeerküste.

Vermisst haben die meisten nur den Schnee, den es lediglich an den Rändern der Passstraßen gibt. Als die Teams mit ihren Autos den Marktplatz von San Romolo in ein Monte-Museum verwandeln, liegen die schwersten Aufgaben hinter ihnen. Hinter der Eingangstür einer kleinen Pizzeria in den Bergen oberhalb von San Remo wartet die Pilgerstätte für Rallyefans: Orlando Dall’Ava hat heute exklusiv für die Fahrer der Histo-Monte geöffnet.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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