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AvD-Oldtimer-Grand-Prix 2012 - Motorsport-Einstieg

Wie werde ich Rennfahrer?

Oldtimer-GP Extra - Motorsport-Einstieg Foto: Hardy Mutschler 6 Bilder

Die Rennen beim AvD-Oldtimer-Grand Prix wecken in manchem Zuschauer den Wunsch, es selbst im feuerfesten Anzug auf der Ideallinie zu probieren. Die Verwirklichung des Traums ist einfacher, als man denkt.

27.07.2012 Hans-Jörg Götzl Powered by

Faszination des Rennsports

Nur am Steuer eines Rennwagens, sagte der Schauspieler Steve McQueen einmal, könne er sich wirklich entspannen. Ob Rennfahren nun tatsächlich als Wellness-Urlaub durchgeht, sei einmal dahingestellt. Tatsächlich aber hat die extreme Fokussierung auf ein einziges Ziel, nämlich ein Fahrzeug rundenlang optimal an der Haftgrenze zu balancieren, etwas ungemein Faszinierendes - und wer es einmal probiert hat, kommt nur schwer davon los.

Dabei ist es für den Fahrspaß im Grunde egal, in welchem Auto man auf der Rennstrecke unterwegs ist und an den Rundenzeiten feilt. Insbesondere Einsteiger sollten sicherlich nicht gleich nach dem Cockpit eines historischen Formel 1 oder eines 800 PS starken CanAm schielen, und das nicht nur aus finanziellen Gründen: Ein Tourenwagen wie ein Alfa Romeo Giulia oder ein GT wie der Porsche 911 eignen sich bedeutend besser für die ersten Erfahrungen im Grenzbereich.

Meist günstiger: Fertig aufgebautes Auto kaufen

Preislich beginnt es beim Alfa bei rund 25.000 Euro, ein Porsche kostet mindestens das Doppelte. Ein Auto selbst aufzubauen ist dabei selten eine gute Idee, meist ist ein fertig nach den Regeln der FIA mit allen Sicherheitseinrichtungen (Käfig, Not-Aus-Schalter, Feuerlöscher etc.) versehenes sowie antriebs und fahrwerksseitig reglementskonform modifiziertes Fahrzeug die günstigere Wahl.

Ein solcher solide aufgebauter und konkurrenzfähiger Tourenwagen oder GT ist dann in der Regel für den normalen Straßenverkehr nicht mehr geeignet, weshalb man für die Anreise zur Rennstrecke noch einen Anhänger sowie ein entsprechendes Zugfahrzeug benötigt. Wer zudem im Fahrerlager oder auch in der Box nicht selbst schrauben kann oder will, braucht die helfenden Hände eines oder mehrerer Mechaniker, die oft auch den Transport des Einsatzgefährts an die Rennstrecke übernehmen - alles gegen Entgelt, versteht sich.

Nun ist schon der Sprung von einem serienmäßigen Straßenauto in einen professionell aufgebauten Tourenwagen wie einer Giulia oder einem Bertone ziemlich groß: Das Rennauto ist deutlich leichter, hat deutlich mehr Leistung und reagiert viel direkter auf Lenkimpulse, Bremsen, Reifendruck etc. Wem das nicht reicht, der sollte es gleich mit einem reinrassigen Renngerät wie einem Formel V oder Formel Ford probieren.

Formel V - viel mehr Rennwagen geht kaum

Der Unterschied zwischen einem Tourenwagen und einem Formel-Auto ist dabei größer als der zwischen einem Straßenauto und seiner Rennversion, und genau darin liegt der Reiz: Ein Formel V (ab 10.000 Euro) ist nur zum Rennen fahren gebaut worden, viel mehr Rennwagen geht im Prinzip nicht - ein Formel 1 hat lediglich etwas mehr Leistung und aerodynamischen Grip. Allerdings ist so ein offener Einsitzer nicht jedermanns Sache, und ein Tourenwagen mit Käfig bietet im Zweifel deutlich mehr Sicherheit.

Wichtig ist in jedem Fall, sich mit dem Auto und den damit verbundenen Erwartungen nicht zu sehr unter Druck zu setzen: Bei einem Tourenwagen oder Formel V hat der ambitionierte Amateur die Chance, das Auto im Laufe der Jahre immer besser zu verstehen und irgendwann nahezu optimal zu beherrschen. Einen Porsche 917 wird kaum einer von uns jemals so bewegen wie einst Pedro Rodriguez im Regen.

Hilfe bei der Fahrzeugwahl und -findung gibt es bei der Fahrergemeinschaft historischer Rennsport (FHR, www.fhr-online.de), unter derem Dach die Historische Tourenwagen- und GT-Trophy, der Langstreckencup sowie die historische Formel V organisiert sind. Die Jungs von der FHR wissen, welche Autos im Fahrerlager neue Piloten suchen und sind auch in anderen Fragen zum Motorsport-Einstieg gerne behilflich.

DMSB-Fahrerlizenz

Denn mit dem Einsatzgefährt allein ist es nicht getan: Dazu kommt die korrekte feuerfeste Ausrüstung (siehe unten) sowie natürlich die Rennlizenz vom Deutschen Motorsport Bund. Da gibt es im historischen Bereich derzeit verwirrende vier Versionen, H1 bis H4, die alle gleich viel kosten (166 Euro als Mitglied eines großen Automobilclubs wie AvD oder ADAC, sonst 216 Euro), was aber wohl bald vereinheitlicht werden wird. "Deshalb nimmt man besser gleich die H1", rät Dietmar Lenz von der DMSB-Geschäftsstelle. Die Lizenz gibt es beim DMSB auf Antrag, dazu braucht man ein ärztliches Attest, das die Renntauglichkeit bescheinigt. Fahren darf man mit der H1 alle historischen Fahrzeuge außer GP-Rennwagen; für diese empfiehlt sich eine internationale C-Lizenz (kostet ebenfalls 166 Euro), die es allerdings nur nach einem Lehrgang samt Prüfung gibt.

Einen Fahrerlehrgang empfiehlt Lenz indes in jedem Fall, schließlich wird dabei nicht nur der Unterschied zwischen Ideallinie und Kampflinie, sondern vor allem das korrekte Verhalten auf der Rennstrecke sowie die Flaggensignale erläutert. Ein- bis zweitägige Lehrgänge kosten ab 600 Euro, eine Liste von Veranstaltern gibt es unter www.dmsb.de. Alles klar soweit? Dann sehen wir uns vielleicht bald in der Boxengasse.

Ausrüstung: Helm, Handschuhe und Rennanzug

Ein feuerfester Rennanzug, womöglich noch leicht patiniert, sieht nicht nur verwegen aus, sondern dient vor allem der Sicherheit: Der Anzug samt Unterwäsche, die Kopfhaube sowie (zum Teil) die Handschuhe und Schuhe und das Futter des Helms bestehen aus flammfestem Material, das bei einem Unfall mit Brand zumindest eine Weile Widerstand leistet. Der Helm schützt zusätzlich vor Kopfverletzungen, in offenen Autos sollte er besser geschlossen sein. Wer hier knausert, spart in jedem Fall am falschen Ende. In guter Qualität ist eine komplette Ausrüstung nicht unter 1.500 Euro zu haben. Wichtig: Beim Kauf auf die Gültigkeit der Zulassungsnormen achten.

Rennauto zu vermieten

Wer erst einmal probieren möchte, ob die Sache überhaupt Spaß macht, oder vielleicht nur ein bis zwei Rennen pro Jahr fahren möchte, kann auch ein Rennauto mieten. Der Vermieter übernimmt dabei in der Regel den Transport, Anmeldung und den Service vor Ort. Für ein Drei-Stunden-Rennen auf der Nordschleife in einer Giulia oder einem Porsche 924 werden dann rund 3.500 Euro fällig, was bei zwei bis drei Fahrern zu überschaubaren Kosten führt. Blechschäden oder schuldhaft verursachter technischer Schrott gehen allerdings zu Lasten des Fahrers, kommen indes vergleichsweise selten vor. Bei Interesse an einem Miet-Rennwagen ist auch hier die Fahrergemeinschaft historischer Rennsport (www.fhr-online.de) mit Adressen behilflich.

Der nächste AvD-Oldtimer-Grand Prix findet vom 10. bis 12. August 2012 statt.

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