Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Bedienungsanleitung für den Lunar Rover

Fünf Schritte zur erfolgreichen Mondfahrt

NASA Luna Rover Anleitung, Bedienungsanleitung, Operations Handbook Foto: NASA 38 Bilder

Gute Neuigkeiten, falls Sie schon immer mal das Apollo-15-Mondauto aus dem Jahr 1971 fahren wollten: Die NASA hat die Bedienungsanleitung für den Lunar Rover veröffentlicht. Wir haben Tipps für eine erfolgreiche Mondfahrt.

08.05.2015 Roman Domes

Um eines waren David Scott und James Irwin im Jahr 1971 sicher nicht zu beneiden, obwohl sie die ersten Menschen waren, die mit einem Auto auf dem Mond ihre Kreise drehten: nämlich um das Auto selbst.

Das Lunar Roving Vehicle (LRV) war eine höchst komplexe Entwicklung und hatte mit einem herkömmlichen Auto noch weniger gemeinsam als ein alter Ford Model T mit einem BMW i3. Ja, das alte LRV - eine Entwicklung aus den 1960er-Jahren - hatte vier Räder, konnte vorwärts und rückwärts fahren, und nach rechts und links lenken. Das war’s dann aber auch schon. Von jetzt an wird es kompliziert - und ungewöhnlich. Also raus aus der Komfort-Zone, rauf auf den Mond-Buggy!

1. Entladen und Zusammenbauen

So, die Apollo-15-Fähre ist gelandet. Sie sind der erste Mensch, der auch ein Auto dabei hat - klar, was sonst! Bevor Sie losfahren, muss das LRV zunächst entladen werden. Für das "Deployment", wie es die NASA so schön nennt, muss zunächst die Ladeklappe des Abteils  geöffnet werden, in dem der zerlegte, zusammengeklappte Mond-Buggy zum Erd-Trabanten geflogen wurde.

Dann wird das LRV abgesenkt. Diese Operation klappt nur zu zweit. Anschließend klappen die Astronauten den Buggy mitsamt seiner Elektronik und seinen E-Motoren (an jedem Rad einen) auseinander und installieren die beiden Sitze. Diese Operation dauert ungefähr eine halbe Stunde.

2. Houston, wir haben kein Lenkrad!   

Spätestens beim Platznehmen im Lunar Buggy fällt auf: Es gibt kein Lenkrad! Und keine Pedale! Ja, das Mondauto ist eben kein Cadillac Type 53 - das erste Auto mit der heute gängigen Konfiguration von Lenkrad, Pedalerie und Zündschlüssel. Der Lunar Rover hat nichts davon. Die Power der vier E-Motoren wird per Knopfdruck aktiviert. Anstelle von Lenkrad und Pedalen sitzt zwischen den beiden Sitzen ein joystickartiger, t-förmiger Hebel.

Die NASA nennt ihn passenderweise "T-Handle“ oder "Hand Controller“. Damit beschleunigt das LRV, und damit lenkt man auch - fastwie in einem Videospiel. Zieht man den Controller zurück wie den Schubhebel in einem Flugzeug, dann bremst der Buggy. Auf Wunsch kann die Rückwärts-Fahrfunktion deaktiviert werden. Und: Der Lunar Buggy hat auch eine Parkbremse, die mit einem Ring unterhalb des Joysticks im Notfall gelöst werden kann. Ansonsten einfach den Joystick nach vorne schieben.

3. Lunar Rover mit Navigationssystem

Wenn der Mond-Buggy einmal in Bewegung gesetzt wurde, zeigt das NASA-Auto natürlich die Geschwindigkeit an. Der Tacho ist in einem kastenförmigen Instrumenten-Panel beherbergt, außerordentlich klein geraten – und: nur bis 20 km/h skaliert. Nun gut, mit seinen vier 0,25 PS starken E-Motoren taugt der Lunar Rover sowieso eher weniger für längsdynamische Rekorde - seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 18 km/h. Um zu wissen, wohin man gerade auf dem Mond unterwegs ist, hat das LRV auch ein Navigationssystem. Das hat jedoch rein gar nichts mit den Geräten zu tun, die wir uns heute an die Windschutzscheibe pappen.

Der Mond-Buggy hat eine Anzeige für Roll- und Nickwinkel bis maximal 25 Grad,  einen Höhenmeter und auch eine Art Kompass. Mit diesen Instrumenten kann navigiert werden - zur Unterstützung hat der Rover noch ein Gerät an Bord, das seine Position in Relation zur Sonne und dem geworfenen Schatten feststellt. GPS? Schwierig, wenn die Satelliten dafür um die Erde kreisen - und nicht um den Mond.

4. Hilfe, mein Lunar Rover ist zu schnell!

Falls bei der ersten Fahrt auf dem Mond etwas schief läuft, haben die NASA-Ingenieure ein umfangreiches Kapitel "Problemlösungen" an die Anleitung angehängt. Definitiv eine gute Entscheidung. Vor allem, weil darin keine Fragen wie bei einer PC-Service-Hotline ("Haben Sie den neuesten Treiber installiert?“) gestellt werden.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Lunar Rover zu schnell werden sollte, haben die Verantwortlichen ein schönes Fluss-Diagramm entworfen. Falls das Ein- und Ausschalten der einzelnen Motoren am Instrumentenpanel den Fehler nicht behebt, und das LRV mit hoher Geschwindigkeit durch die Mondlandschaft ballert, hilft vor dem Abspringen nur noch eins: irgendwie bremsen. Dazu soll man den Joystick nach vorne schieben, um zu beschleunigen, dann in Neutral-Position bringen, bevor man ihn nach hinten zieht, um zu bremsen. Alternativ kann man so lange im Kreis fahren, bis die Batterien leer sind. Das wäre damals nach 92 Kilometern der Fall gewesen.

5. Die Rückkehr

Zu guter Letzt müssen Sie irgendwie zurück zur Erde kommen. Am besten, Sie machen das wie die Astronauten vor Ihnen: Alle drei Lunar Rover aus den Apollo-Missionen stehen immer noch geparkt auf dem Mond. Aber wenigstens wissen Sie jetzt, wie sie die Parkbremse lösen können.

Weitere, umfangreiche Informationen gibt's in unserer Bildergalerie - oder, falls Sie Interesse am "Lunar Rover Operations Handbook" haben: Hier gibt's das komplette Handbuch.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden