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Bensberg Classics

Exklusive Oldtimer vor barocker Kulisse

Bensberg Classics 2009 Foto: Hans-Dieter Seufert 37 Bilder

Vor barocker Kulisse fand die erste Bensberg Classics statt - ein Stelldichein von 44 automobilen Raritäten vor einer prominenten Jury. Zum Rahmenprogramm zählte eine Rallye mit 60 exklusiven Oldtimern.

23.10.2009 Birgit Priemer

Wahlsonntag in Deutschland auf zwei verschiedene Arten: Während die Bundesbürger eher lustlos ihre Politiker wählten, traf die Jury der Bensberg Classics schon am frühen Morgen zusammen, um voller Leidenschaft aus einer ungewöhnlichen Preziosensammlung das schönste Auto der Veranstaltung zu bestimmen.

Ein Bugatti 57 SC Atalante gehörte zu den Augenweiden

VW Designchef Walter de Silva, Golf I-Designer Giorgetto Giugiaro, Rennfahrer-Legende Jacky Ickx und Alfredo Häberli als "Designer des Jahres 2009" hatten zugegebenermaßen eine weit reizvollere Auswahl als das deutsche Wahlvolk mit Merkel, Westerwelle und Steinmeier. Auf dem Kopfsteinpflaster des Schlosshofes stand zum Beispiel ein schwarz-rot lackierter Bugatti 57 SC Atalante mit herrlich geschwungenen Kotflügeln. Nicht nur optisch eine Augenweide, auch technisch ist dieser Prototyp aus dem Jahr 1937 eine Rarität: Er gehört zu den zwei von insgesamt 43 ausgelieferten Typ 57 S, die mit einem Kompressor ausgerüstet wurden und dadurch die Zusatzbezeichnung SC erhielten. 200 PS stark und 200 km/h schnell - diese Konstruktion ehrte die Jury mit dem Preis für die innovativste Technik aus der Vorkriegszeit.

Karmann-Einzelstück mit Audi 80-Technik

Unter den Nachkriegsmodellen durfte sich ein echtes Pik-Ass über die gleiche Auszeichnung freuen. Karosserie-Spezialist Karmann führt diesen Trumpf im Ärmel seiner insgesamt 125 Exemplare umfassenden Sammlung, wobei es sich bei diesem Modell mit Audi 80-Technik um ein Einzelstück handelt. Das Outfit im Stil eines VW Scirocco stammt indes von der italienischen Designschmiede Giugiaro und ist auch 35 Jahre nach seiner Premiere 1973 alles andere als reif für die Altkleidersammlung. Im Gegenteil: Der eckige Stil ist bis heute en vogue. Man trug also Haute Couture auf der Bensberg Classics - nicht nur unter den Zuschauern, die durch die parkähnliche Anlage flanierten, sondern auch unter den automobilen Schätzen des Concours.

Best of Show für den Lancia Stratos

Wie weit die edlen Collections-Stücke oft ihrer Zeit voraus waren, zeigte etwa die erste Studie eines Lancia Stratos aus der Sammlung von Chris Hrabalek aus England: "Das Auto ist fast 40 Jahre alt, aber die Farbe ist heute noch trendy." In der Tat sticht das matte Orange des Mittelmotor-Coupés vor der Bensberger Schlosskulisse wie ein Feuerball ins Auge - und bekommt für seinen ersten Auftritt in Deutschland das Prädikat "Best of Show" unter den Show Cars.

Wanderer W25 K war einst ein Geschenk von Hitler an Mussolini

Gerhard Winklhofer schätzt den konservativen Stil: Karierter Anzug im Stil der Dreißiger, schicke rote Fliege - so präsentiert sich der Enkel des Wanderer-Begründers Johann Baptist Winklhofer vor seinem Wanderer W25 K aus dem Jahre 1937. Der Roadster aus einer Serie von 258 Einheiten hat ein Stück deutsche Geschichte geschrieben: Hitler schenkte das Auto seinem Freund Mussolini, der es wiederum an seine Freundin Clara Petacci weitergab - 6.950 Reichsmark war dieses Präsent damals wert, das als Konkurrent zum BMW 328 galt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging aber auch die Firma Wanderer unter.

Glöckler-Porsche bekommt Preis für Seltenheistwert

Das Werk mit einst 10.000 Mitarbeitern wurde 1945 von den Russen annektiert, Enkel Gerhard Winklhofer unterhält heute in München als automobiler Zulieferer ein Werk zur Produktion von Nockenwellensteuerungen. Unter alten Autos etwas Neues zu entdecken, ist für Oldtimer-Experten schwierig. Doch bei der Bensberg Classics stand mit dem Glöckler-Porsche ein weiteres Unikat, das erst vor wenigen Monaten fertig restauriert wurde und von der Jury den Preis für den höchsten Seltenheitswert bekommen hat. Auf Basis eines verkürzten 356-Chassis bauten die Brüder Walter und Helm Glöckler diesen Rennwagen mit ungewöhnlich stark gerundeter Heckscheibe, der an der legendären Rallye Lüttich-Rom-Lüttich teilnahm, bevor er in den USA verschwand. Erst 1994 tauchte der Rennwagen wieder auf und wurde seitdem restauriert.

Preis für den besten Originalzustand ging an einen BMW 335 Cabriolet Graber

Auch das BMW 335 Cabriolet Graber gibt es nur ein einziges Mal - 1939 erhielt dieses Modell mit 90 PS starkem 3,5-Liter-Reihensechszylinder in der Schweiz eine Spezialkarosserie von der Firma Hermann Graber. Erst 107.000 Kilometer ist der Zweisitzer mittlerweile gelaufen und wird von Besitzer Bernhard Knöchlein noch immer bewegt - auf Sitzen mit dem ersten Leder und stilvoller Patina im Innenraum. Dafür gibt es Platz eins in der Kategorie "Bester unrestaurierter Zustand".

Horch 853A Spezial Roadster war bestrestaurierter Oldtimer

Für die beste Restauration holte sich ein Horch 853A Spezial Roadster die Ehrung der Jury: Das Auto wurde zwischen 1994 und 2004 neu aufgebaut, nachdem es zuvor in Russland verschwunden war und nach der Wende zurück nach Deutschland kam. Zehn Jahre harter Arbeit haben sich gelohnt. Mit seiner Erdmann & Rossi-Karosserie zählt der Horch zu den Showstars des Concours d’Élégance der ersten Bensberg Classics und wurde vom Publikum zusätzlich zum "Best of Show"-Auto gewählt. Die Jury entschied sich anders: Sie konnte ihre Augen nicht von der zeitlosen Schönheit des Alfa Romeo 6C 2500 SS "Villa d’Este" lassen, mit dem Besitzer J.A. Ribbens "als Zweitwagen regelmäßig unterwegs ist". Der 105 PS starke 6C gilt als einer der Klassiker des Autodesigns, dessen Hülle von der Mailänder Firma Carrozzeria Touring geschaffen wurde. Das hier gezeigte Modell ist das letzte aus einer Reihe von 36 Exemplaren und unterscheidet sich in Details von den früheren Exemplaren, was Chrom- und Scheinwerfergestaltung angeht. Die Faszinationskraft ist ungebrochen. Ribbens: "Für uns ist die Freude am Fahren noch wichtiger als allein der Stolz, das Auto zu besitzen."

Die Bensberg-Rallye durch das Bergische Land

Über 150 Kilometer zog sich die Bensberg-Rallye mit 60 Oldtimern durchs Bergische Land - garniert mit zehn Prüfungen. Es ist ein zurückhaltendes Buon Giorno, das Valentino Balboni zur Begrüßung von sich gibt. Der Mann wirkt schüchtern - obwohl er es nicht sein muss: Vierzig Jahre war der Italiener Testfahrer bei Lamborghini. Ihm zu Ehren hat die Marke sogar ein Sondermodell aufgelegt, und jetzt pilotiert er auto motor und sport über die erste Bensberg-Rallye. Am Steuer des 400 GT wird Balboni gesprächiger: "Die alten Lamborghini sind ohne Servolenkung nicht leicht zu fahren. Aber ich bin glücklich, dass ich immer noch das Originalgefühl dafür besitze." Sprach’s und liefert sich gleich einen kleinen Zweikampf mit Motor Klassik-Chefredakteur Malte Jürgens, der mit Concours-Juror Alfredo Häberli in einem Karmann Ghia Cabrio unterwegs ist. Und sowohl der Schweizer Häberli als auch der Italiener Balboni sind begeistert von der Schönheit des Bergischen Landes mit Schieferdächern, kleinen Backsteinkirchen, ausgeprägter Landluft und Pferden, die aufgeregt an ihren Koppeln entlangtänzeln, als der Rallye-Tross an ihnen vorbeizieht.

Der Aston Martin DB6 Volante gewinnt das Rennen

Auch die Deutschen können hier keinen Heimvorteil verbuchen: Tatort- Kommissarin Andrea Sawatzki verirrt sich irgendwo an der Abzweigung nach Linde, und die auto motor und sport-Copilotin von Balboni verliert zwischen Bergisch Gladbach, Kürten und Jörgensmühle den roten Faden. Balboni lebt sich indes immer besser ein: Die erste Wertungsprüfung, bei der 80 Meter in 15 Sekunden zu absolvieren sind, meistert er mit nur 59 Strafpunkten, bei der fünften Prüfung sind es nur noch zwei. Macht Rang neun hinter dem Siegerteam Petersmann in einem Aston Martin DB6 Volante, gefolgt vom Team Kahle/Göbel im Skoda Octavia TS. Ganz vorne dabei ist auch VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg mit Gattin Thresia in einem seltenen VW Rometsch Coupé, während Designchef Walter de Silva im Samba-Bus nach technischen Problemen hinten landete. Aber auch hier gilt das Motto: Dabeisein ist alles.

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