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Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer

Rückkehr des Bentley Boy

Wolfgang Dürheimer, Porsche-Entwicklungsvorstand Foto: Porsche 42 Bilder

Bernd Ostmann über den Bentley-Rückkehrer Wolfgang Dürheimer und seine Pläne mit der britischen Nobelmarke.

22.08.2014 Bernd Ostmann

Seit zwei Monaten ist Wolfgang Dürheimer wieder als Chef bei Bentley und Bugatti an Bord. Das zweite Mal. Dazwischen zeichnete der ehemalige Porsche-Mann für die Audi-Entwicklung verantwortlich – und scheiterte nicht zuletzt an der Gegenwehr der Belegschaft. Jetzt stellte sich Dürheimer der Presse im noblen Londoner Rosewood Hotel. Und er gab sich kämpferisch: "Ich bin nicht zurückgekommen, um die Firma zu verwalten. Ich bin hier, um Bentley nach vorn zu pushen, in eine noch bessere Zukunft."

700 Bandarbeiter von Kurzarbeit betroffen

Das Geschäft mit den Luxuslimousinen und Sportmodellen aus Crewe läuft blendend: Im ersten Halbjahr legte Bentley um 23 Prozent zu. China lieferte das Highlight: mit einem Wachstum um 61 Prozent und 1.318 Einheiten. Trotzdem tritt Dürheimer auf die Bremse. Zwischen September und Dezember soll in Crewe die Produktion etwas gedrosselt werden: "Wir erwarten, dass die 61 Prozent Wachstum in China nicht das gesamte Jahr anhalten werden. Auch Russland und die Ukraine sind momentan schwierige Gebiete. Ich passe das Produktionsvolumen leicht an, damit wir nicht am Ende des Jahres ein zu großes Lager haben."

Gerät damit die Jahresplanung ins Wanken? "Wir werden 2014 im Vergleich zum Vorjahr mehr Autos absetzen und bei Umsatz und Gewinn zulegen." Muss man sich jetzt um den Boom-Markt China Gedanken machen? "Wir gehen nicht von dramatischen Veränderungen in China aus. Wir erwarten eine große Zukunft für den chinesischen Markt, auch wenn das Wachstum wohl etwas schwächer ausfallen dürfte." 700 Bandarbeiter werden in den nächsten Monaten von der Kurzarbeit betroffen sein.

Der Rest der 3.700 Mann starken Belegschaft arbeitet normal weiter, die Entwickler "unter Volldampf". Der SUV, den Dürheimer als Showcar mit einem Business-Plan und technischen Konzept an seinen Nachfolger Wolfgang Schreiber übergeben hatte, soll 2015 präsentiert werden und 2016 in Serie gehen. Zwei Tage nach seiner Rückkehr fuhr Dürheimer erstmals mit dem Bentley fürs Gelände: "Das war wie Geburtstag und Weihnachten an einem Tag." Alles habe perfekt gepasst, die Sitzposition, das Raumgefühl, speziell im Fond, die Performance: "Das Projekt ist sehr gut auf Kurs."

Downsizing ist kein Tabuthema mehr

Als Showcar war der SUV eine "Provokation, aber auch ein Statement". Mittlerweile wurde er optisch weiterentwickelt. Den größten Unterschied sieht man wohl an der Frontpartie: "Er ist jetzt mehr ein Bentley. Auch die Seitenlinie zeigt alle klassischen Design-Elemente. Und wenn man die Heckklappe öffnet, dann findet man mehr oder weniger alles, was wir mit dem Showcar gezeigt haben." Mehr oder weniger? Statt der geteilten Heckklappe, die Dürheimer mit Blick auf den englischen Markt für wichtig hält, gibt es nun eine durchgehende.

Motorisiert wird der SUV im ersten Jahr ausschließlich von einem überarbeiteten Zwölfzylinder. Danach folgt ein Achtzylinder als Benziner und, erstmals bei Bentley, als Diesel. Und dann der Plug-in-Hybrid mit einer rein elektrischen Reichweite von 50 Kilometern. Selbst das Thema Downsizing ist kein Tabuthema mehr. Dürheimer: "In China werden nahezu 100 Prozent unserer Mulsanne von Chauffeuren gefahren. Deshalb könnte dort ein Sechszylinder mehr Sinn machen, speziell, wenn wir an den Hybrid denken." Der Preis des SUV dürfte oberhalb von 175.000 Euro liegen. "Dafür bauen wir den stärksten, schnellsten und exklusivsten SUV", so der Bentley-Boss.

Fünfte Baureihe in Vorbereitung

Dürheimer hat längst Pläne, die über den SUV hinausgehen. Es gibt viele Möglichkeiten für Derivate bei den existierenden Baureihen. Beispielsweise ein großes Cabrio, das speziell von den Kunden an der amerikanischen Westküste gewünscht wird. Aber der große Plan ist eine weitere Baureihe. Man arbeite zurzeit in zwei Richtungen: an einem Modell, das preislich zwischen Continental und Mulsanne liegen soll. Und an einem Zweisitzer. Die Eckdaten: sehr luxuriös, mit guter Performance, dabei deutlich gewichts-optimiert und vor allem sportlich. "Aus diesem Grund würde ein Sportwagen gut in die Bentley-Zukunft passen", verkündet der Bentley-Chef.

Obwohl Volkswagen gerade vor einem großen Sparprogramm steht, dürften die 993 Millionen Euro, die bis 2016 in Produktion und Entwicklung fließen, nicht angetastet werden. Für die fünfte Baureihe wird nach der Entscheidung ein zusätzliches Budget bereitgestellt werden. Dürheimer rechnet mit dieser Entscheidung allerdings erst Anfang 2016.

Am jährlichen Bentley-Volumenziel von 15.000 Einheiten ist dieses neue Modell noch nicht beteiligt. Wohl aber der SUV. Mit 3.000 Einheiten pro Jahr dürfte man aber eher verhalten kalkuliert haben. Dürheimer: "Unser aktiver Kundenstamm in Amerika liegt bei 14.000. Und durchschnittlich hat jeder acht Autos in der Garage." Sprich: Ein großer SUV gehört sicher zum Fuhrpark. Und das soll künftig ein Bentley sein.

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