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Bentley Continental Supersports im Vergleich

Ungleiches Duell - Auto gegen Flugzeug

Bentley Continental Supersports, Harvard Mk IV T-6 Foto: Frank Herzog 30 Bilder

Der Bentley Continental Supersports mit 630 PS trifft auf ein Harvard Mk IV T-6 Kampfflugzeug von 1953 mit 800 PS – ein wahrlich exklusiver Schaukampf. Wer das Duell wohl gewinnt?

21.06.2010 Christian Gebhardt

Der Blick in den Rückspiegel des Bentley Continental Supersports reißt den entspannten Chauffeur schlagartig aus der Welt seiner fahrenden Wellness-Oase mit samtigem Alcantara-Leder-Mix. Kein Elite-Brite à la Aston oder Rolls hat diesmal die Verfolgung aufgenommen – nein, ein Neunzylinder mit 800 PS und 22 Liter Hubraum hetzt mit Donnerhall im Tiefflug der bassgewaltigen Stimme des Biturbo-Zwölfzylinders hinterher.

Das Flugzeug wiegt nur 70 Kilogramm mehr als der Bentley Continental Supersports

Nicht ein Dreh zum neuesten Bond-Streifen, sondern ein exklusives Treffen zweier Giganten auf einem ruhigen Flugplatz am Rande der Schwäbischen Alb. Der Bentley Continental Supersports trifft auf eine Harvard Mk IV T-6, Baujahr 1953. In der milden Frühlingssonne blitzt die Alu-Hülle des Warbird wie ein hochkarätiger Diamant.

„Die T-6 wurde zunächst als Trainer-Flugzeug der US-Air Force eingesetzt“, erzählt der heutige Besitzer und Pilot Dietmar Eger später. Zuvor jagen Fahrmaschine und Flugzeug viermal für den Fotografen über die zwei Kilometer lange Startbahn. Ein ungleiches Duell? Bei genauerem Hinsehen zeigen sich erstaunliche Parallelen. Mit 2,4 Tonnen Abfluggewicht wiegt das amerikanische Militärflugzeug nur rund 70 kg mehr als der 2.333 kg schwere Supersports.

Damit ist der neueste Continental aber immerhin sieben Kilo leichter als der Bentley GT Speed mit 610 PS und wiegt sogar 69 Kilo weniger als der 560 PS-starke Bentley GT. Das SUV-ähnliche Lebendgewicht lässt sich das schicke Coupé allerdings kaum anmerken. Dank Allradantrieb mit Torsen-Differenzial krallen sich die 20-Zöller mit Pirelli P Zero-Tretern ansatzlos in den Asphalt.

Mit der Eleganz eines wieselflinken Fünf-Sterne-Oberkellners gleitet der Supersports innerhalb von 4,2 Sekunden auf 100 km/h. Damit schlägt er seinen kleineren Bruder GT Speed um drei Zehntelsekunden – längsdynamisches Resultat einer dezenten Überarbeitung des gewaltigen Sechsliter-Zwölfzylinders.

Beim Bentley Continental Supersports endet erst bei Tempo 329 der Vortrieb

Für die zusätzliche Leistung von 20 PS und das von 750 auf 800 Nm gestiegene maximale Drehmoment wurden der Ladedruck angehoben und die Luftzufuhr zu Ladeluftkühlern und Motor verbessert. Neue Luftschlitze in der Motorhaube sorgen für eine bessere Entlüftung. Im Club der Über-600-PS-Kandidaten spielt auch die T-6 mit. Ursprünglich leistete der Neunzylinder-Sternmotor von Pratt & Whitney beim Erstflug im April 1935 rund 550 PS.

Die zum Vergleich angereiste Harvard T-6 aus dem Jahr 1953 wurde, nachdem sie außer Dienst gestellt wurde, für Kunstflug- und Rennwettbewerbe modifiziert (unter anderem 1,5 Meter geringere Spannweite). Der Prachtmotor bollert mit maximal 800 PS bei 2.400/min über den Platz. „In zehn Sekunden bin ich damit aus dem Stand auf 160 km/h“, verrät Pilot Eger.

Über diesen Wert kann der Supersports mit seinem schwarz vergitterten Luftschlund nur gähnen. Mit einer Beschleunigung von 9,4 Sekunden auf 160 km/h zieht der britische Landbomber theoretisch am US-Tiefdecker vorbei. Erst bei Tempo 329 endet der Vortrieb. Schon bei 160 km/h trüben allerdings trotz Doppelverglasung Windgeräusche die ansonsten perfekte Verarbeitung im Luxusliner.

6g sind in der Harvard Mk IV T-6 möglich – zuviel für den Bentley Continental Supersports

Windgeräusche? Die pingeligen Testfahrer-Ohren belächelt der Pilot nur müde. „Willst du mal mitfliegen?“, fragt der einstige Kunstflug-Teilnehmer bei Deutschen Meisterschaften. Keine Frage, raus aus dem edlen Alcantara-Gestühl mit Steppnähten, reinklettern durch die Glaskanzel hinter den Piloten in den zweiten Ledersitz mit Patina. Auch für den Co-Piloten ist alles an Bord: Vierpunktgurte, Steuerknüppel und ein Meer von Instrumenten.

Edle Verkleidungsteile? Fehlanzeige – im Flugzeugrumpf fällt der Blick auf unzählige Nieten und scheinbar wie Äste durcheinanderwuchernde Schubstangen und Steuerseile. Der Dunst von Hochoktanigem wabert durch die enge Kanzel. Der Continental Supersports ist plötzlich Lichtjahre entfernt. 329 km/h Topspeed im Bentley?

Jetzt sägt die T-6 mit ihrem Dreiblatt-Propeller quietschvergnügt. Mit der maximalen Höchstgeschwindigkeit von Tempo 520 übertrumpft der Flieger das Sport-Coupé locker. Der düstere Klangteppich des Sternmotors versetzt die Nackenhärchen in Hab-Acht-Stellung. Selbst mit Ohrenschutz ist es hier so leise wie bei einem Heavy-Metal-Konzert. Die kantige Nadel des Meilen-Fahrtmessers schlackert wenige Minuten nach dem Start nervös gen 220 Meilen – dann zieht Kunstflug-Pilot Eger die Maschine langsam zum Looping nach oben.

Als ob jemand die Vorspultaste gedrückt hätte, rasen Himmel und Landschaft blitzschnell wie ein Panoramafilm vorbei. Vier g lassen die Gesichtsmuskulatur dabei zur Karnevalsgrimasse mutieren. Maximal sechs g verträgt die T-6.

Bentley Continental Supersport überzeugt auf der Rennstrecke

Genervt von der eindrucksvollen Kunstflugnummer dreht der Bentley gen Hockenheim ab, denn der Kollege von sport auto testet den Bentley Continental Supersports, da gehört die Rundenzeit auf dem Kleinen Kurs zum Pflichtprogramm.

Zum Abschied blinzelt der Supersports mit seinen vier Xenon-Augen und lächelt durch das untere Wabengitter mit hochgezogenen Kühlluftöffnungen in Richtung Harvard T-6. Bei einem astronomischen Verbrauch von bis zu 380 Liter in der Flugstunde lässt jetzt der Luft-Artist seine Flügel etwas niedergeschlagen hängen. Wer zuletzt lacht, lacht eben am besten.

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