Update ++ Der Hamburger Energie-Informationsdienst EID ermittelte am Donnerstag (19.6.) einen bundesweiten Durchschnittspreis von 1,54 Euro für einen Liter Benzin und 1,51 Euro für Dieselkraftstoff; das sind jeweils zwei Cent weniger als die Maximalpreise. Als Ursache sieht EID-Herausgeber Heino Elfert in ersten Linie die hohen Preise für Rohöl auf dem Weltmarkt an. "Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren gibt es keine zusätzliche Benzin-Nachfrage aus den USA, weil dort der Verbrauch zurückgeht", sagte Elfert. Dagegen habe die Diesel-Nachfrage weltweit stark angezogen.
Die Autofahrer in den USA sind von steigenden Benzinpreisen weit stärker betroffen als in Deutschland. Hierzulande erhöhte sich der Preis innerhalb eines Jahres von 1,38 Euro auf 1,54 Euro; das sind 16 Cent oder eine prozentuale Steigerung von 11,6 Prozent. In den USA hat sich der Preis im gleichen Zeitraum ungefähr von drei auf vier Dollar für eine Gallone erhöht, das sind gut 33 Prozent. In den USA ist der Preis also dreimal stärker gestiegen als in Deutschland. Das liegt daran, dass zum einen der starke Euro die hohen Rohöl-Preise dämpft, ehe sie den Verbraucher in Deutschland erreichen. Zum anderen ist der Steueranteil in Deutschland sehr viel höher; der Sprit wird mit deutlich mehr als 100 Prozent besteuert. In den USA beträgt die Benzinsteuer dagegen - regional unterschiedlich - wenig mehr als zehn Prozent. Schwankungen beim Rohöl-Preis schlagen deshalb stärker auf die Endpreise durch.
In den vergangenen Jahren hatten die USA regelmässig ab Frühjahr große Mengen Benzin aus Europa importiert, weil die eigenen Raffinerien nicht ausreichten. Mittlerweile ist sowohl die Nachfrage geringer als auch die Kapazität der US-Raffinerien größer geworden. "Es gibt weltweit Signale, dass sich die Ölnachfrage beruhigt", sagte Elfert. Die Industrienationen drosseln ihren Verbrauch und auch in Asien können Länder wie Indonesien, Malaysia und Indien nicht länger die Ölprodukte in der bisherigen Höhe subventionieren, weil die Staatshaushalte das nicht hergeben. Damit könnte auch dort der Verbrauchsanstieg gedämpft werden. Wichtige Signale erwarten die Märkte nun von den laufenden Gesprächen der EU-Regierungschefs und von einem Öl-Gipfeltreffen am Sonntag in Dschidda.
Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, sagte der "Bild"-Zeitung: "Es ist zu befürchten, dass der Ölpreis kurzfristig weiter steigt und der Benzinpreis zu Beginn der Reisesaison über 1,60 Euro je Liter klettert." Ein Grund ist laut Heise die immer noch hohe Anzahl von Investoren, die an den Märkten Öl auf Termin kaufen.
Auch die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Claudia Kemfert, sieht beim aktuellen Benzinpreis noch Luft nach oben. Kemfert sagte der Zeitung: "Es gibt weltweit zu wenig Raffinerie-Kapazitäten. Mit Beginn der Ferienzeit kann sich der Engpass noch verschärfen, der Benzinpreis noch mal um mehrere Cent klettern."
Am Mittwoch hatten die Preise für Super- und Normalbenzin bundesweit neue Höchststände erreicht. Im Durchschnitt kostete der Liter Kraftstoff an den Markentankstellen 1,56 Euro.




